Digitalkonferenz DLD: Alles gleich – und doch alles anders

Digitalkonferenz DLD: Alles gleich – und doch alles anders

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DLD: Alles gleich – und doch alles anders

von Michael Kroker

Künstliche Intelligenz, selbstfahrende Autos, Chatbots: Die DLD präsentiert das bekannte Potpourri der aktuellen Tech-Trends. Aber wegen des zukünftigen US-Präsidenten Trump sind auch pessimistische Töne zu hören..

Den ersten Lacher des Tages erntet Dominik Wichmann, Mitorganisator von Burdas Digitalkonferenz DLD, bei seiner Eröffnungsrede am frühen Sonntagmorgen: Eigentlich soll er nur kurz den Auftritt von Yossi Vardi anmoderieren. Vardi, ein Unternehmer und Investor aus Israel, fungiert seit den Anfangstagen der Konferenz im Jahr 2005 als DLD-Chairman. Yossi Vardi habe für Start-up-Gründer fünf Regeln parat, die er selber tagein, tagaus beherzige, frotzelt Wiechmann, und zählt auf: „Erstens – habt keinen Boss, zweitens – habt keine Mitarbeiter, drittens – habt keine Kunden, viertens – habt keinen Finanzbedarf, fünftens – macht jeden Nachmittag ein Nickerchen.“ Lautes Gelächter im Auditorium des HVB-Forums im Herzen von München. Man darf sich den 74-Jährigen also getrost als in sich ruhend und optimistisch vorstellen.

Damit ist Vardi freilich eine Ausnahme unter den gut 3000 Teilnehmern: Die diesjährige DLD ist die dreizehnte Auflage seit dem Start im Jahre 2005 – die damals noch im Hotel Nymphenburg statt im HVB-Forum stattfand. Und gefühlt erstmals sind bei Deutschlands führendem Treffpunkt rund um Digitalisierung, Start-ups und Internet auch pessimistische Töne zu vernehmen. Etwa von Ian Golding, Professor für Globalisierung und wirtschaftliche Entwicklung an der Universität Oxford, der als erster Nicht-Burda-Redner einen Impulsvortrag hält: „Nicht-Vernetzung ist keine Alternative in einer globalisierten Welt“, machte Goldin seine Marschrichtung direkt klar – und weiter: „Lassen Sie nicht jene gewinnen, die in eine vor-globalisierte und unvernetzte Welt zurückmarschieren wollen.“

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Ein nicht sonderlich verhohlener Hinweis auf die bevorstehende Amtsübernahme des neuen US-Präsidenten Donald Trump, wie er am Eröffnungs-Sonntag auf der DLD noch häufiger durchschimmert. Doch Golding geht sogar noch einen Schritt weiter: „Trump ist fehlgeleitet, denn er kann die US-Wirtschaft nicht einfach von der Weltwirtschaft abkoppeln.“

DLD-Gründerin Stephanie Czerny „Die intelligenten Programmierer sollen alle nach Deutschland kommen“

Am Wochenende beginnt mit der DLD Deutschlands berühmteste Tech-Konferenz. Was dort zu erwarten ist und ob wegen Donald Trump die klugen Programmierer nun nach Deutschland auswandern, verrät Gründerin Stephanie Czerny.

DLD-Gründerin Stephanie Czerny: "Ich begegne der Digitalisierung  mit großer Neugier." (Bild: Hubert Burda Media) Quelle: PR

Doch nicht alles ist anders auf der diesjährigen DLD: Mit künstlicher Intelligenz, selbstfahrenden Autos und Chatbots geben sich am ersten Konferenztag gleich drei der aktuellsten Digital-Megathemen ihr Stelldichein. BMW-Forschungschef Klaus Fröhlich etwa teilt sich die Bühne mit dem Intel-Vorstandschef Brian Krzanich sowie Amnon Shashua, Cheftechniker beim israelischen Hersteller von Fahrassistenzsystemen Mobileye. BMW, Intel und Mobileye wollen gemeinsam das autonome Fahren voranbringen – und erhoffen sich großes neues Geschäftspotenzial: „Die Automobilindustrie wird in den kommenden fünf Jahren mehr Veränderungen durchlaufen, als ich in meinen vergangenen drei Jahrzehnten im Dienst von BMW erlebt habe“, sagt Fröhlich. Dies betreffe vor allem die drei Segmente automatisierte, elektrifzierte und vernetzte Autos.

Der Plan der drei Partner ist jedenfalls ziemlich ambitioniert: „Wir wollen bis zum Jahr 2021, als in vier Jahren von jetzt an, selbstfahrende Autos auf den Straßen fahren haben", sagt Fröhlich. Das werden dann zwar noch halbautomatisierte Systeme sein, wo der Fahrer immer mal wieder eingreifen muss – Fröhlich: „Lenkräder gibt’s noch weitere 30 bis 40 Jahre – dies liege aber vor allem an regulatorischen Auflagen. Welche technischen Hürden die drei Partner in jener Zeit noch überqueren müssen, machte Intel-Chef Krzanich mit einem beeindruckenden Vergleich deutlich: „Der durchschnittliche Internet-Nutzer erzeugt rund ein Gigabytes Daten am Tag – die vielen Sensoren und IT-Systeme im vernetzten Autor 4000 Gigabyte, oder vier Terabyte, jeden Tag.“

Anders ausgedrückt: Es kommt vor allem auf super-schnelle und mega-performante Mobilfunknetze aus, um Daten auszutauschen und die Autos autonom zu steuern. „Um selbstfahrende Autos zu realisieren, sind gut ausgebaute 5G-Netze unumgänglich“, sagt Fröhlich. Noch wichtiger – und bis heute noch ungeklärt – ist laut Mobileye-Manager Shashua das Thema Sicherheit: „Was selbstfahrende Autos von anderen Consumer-Elektronik-Produkten unterscheidet sind die Sicherheitsbedenken,“ so Shashua. „Die Gesellschaft akzeptiert es, wenn Menschen durch Unfälle andere Menschen töten – sie akzeptiert es nicht, wenn Maschinen Menschen töten.“

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