Disconnect klagt: Neue Runde im Kampf gegen Google

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Disconnect klagt: Neue Runde im Kampf gegen Google

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David gegen Goliath - Disconnect kämpft gegen Google

von Silke Wettach

Wenn US-Firmen zu Hause kein Gehör finden, beschweren sie sich bei der EU-Kommission über Google. Der neueste Fall ist Disconnect: Die App flog aus dem Store, weil sie die Aufzeichnung von Nutzerdaten verhindert.

Gary Reback ist es nicht gewohnt, zu scheitern. In den Neunzigerjahren war der Anwalt aus dem Silicon Valley die treibende Kraft hinter einem erfolgreichen Wettbewerbsverfahren gegen den Softwaregiganten Microsoft in den USA. Die Medien kürten ihn damals zum „schlimmsten Albtraum von Bill Gates“.

Nun aber hat Reback einen härteren Gegner: Google-Chef Larry Page. Vor zweieinhalb Jahren musste der Jurist eine Schlappe vor der US-Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission (FTC) einstecken. Die sprach den Suchmaschinenriesen vom Vorwurf frei, mit seiner Marktmacht kleinere Unternehmen aus dem Markt gedrängt zu haben. Reback schalt die FTC damals als „naiv“.

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Die Geschichte von Google

  • 1998

    Die Google-Gründer Larry Page und Sergej Brin hatten ihre Suchmaschine ursprünglich BackRub genannt. Google als Google gibt es erst seit dem 27. September 1998. Der Name leitet sich von 10100 ab, einer Zahl mit dem Namen "googol". Die Gründer sollen versucht haben, mit der Namensgebung an die riesige Menge der im Internet verfügbaren Daten zu erinnern.
    Zwei Jahre später, im Jahr 2000, gingen bereits zehn Sprachversionen von Google online: Dänisch, Deutsch, Finnisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Norwegisch, Portugiesisch, Schwedisch und Spanisch. Der erste Index mit einer Milliarde URLs macht Google zur weltweit größten Suchmaschine.

  • 1995

    Die beiden Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin lernen sich 1995 in Stanford kennen.

  • 2001

    Eric Schmidt wird Google-Geschäftsführer. Zwischen 1983 und 1997 arbeitete Schmidt bei Sun Microsystems, wo er unter anderem als Technik-Chef beschäftigt war. Vor seinem Wechsel zu Google arbeitete Schmidt bei Novell.

  • 2002

    Im September 2002 startete Google News. 4.000 Nachrichtenquellen wurden damals ausgelesen. Heute ist Google News einer der Hauptakteure in einer Debatte über das Leistungsschutzrecht.

  • 19. August 2004

    Zu einem Preis von 85 US-Dollar pro Aktie wagte sich Google im Jahr 2004 an die Börse.

  • 2004

    Das Verb "googeln" nahm der Duden in Ausgabe 23 auf, die 2004 erschien.

  • 2005

    Der Suchmaschinenriese startet "Google Earth". Satellitenbasierte und grenzenlose, weltumspannende Karten mit 3D-Ansichten, kombiniert mit einer Suchfunktion, war für die große Masse der Internetnutzer etwas Neues

  • 2006

    Im Oktober 2006 gibt Google die Übernahme der Videoplattform Youtube bekannt. Der Konzern zahlte dafür 1,31 Mrd. Dollar (in Aktien).

  • 2008

    Google Street View geht Online. Erstmals werden die Karten in der Funktion "Google Maps" mit Original-Bildern von Plätzen und Straßenzügen angereichert.

  • 2010

    Im Januar 2010 erscheint das erste Handy von Google, das Nexus One.

  • April 2011

    Generationenwechsel: Larry Page wird Google-CEO und löst Eric Schmidt ab. Im Dezember des Jahres 2011 verzeichnete der Android Market mehr als zehn Milliarden App-Downloads, bei einer Wachstumsrate von einer Milliarde App-Downloads pro Monat.

  • Mai 2012

    Die Erfolgsgeschichte eines Browser: Der Google-Browser Chrome anteilsmäßig den Internet Explorer von Microsoft.

  • April 2012

    Google gibt bekannt, eine Augmented-Reality-Brille, Google Glasses, auf den Markt bringen zu wollen. Seitdem ist Geschäftsführer Sergey Brin immer wieder mit der Cyberbrille in der Öffentlichkeit zu sehen.

  • Juni 2012

    Nur gut eine Woche, nachdem Microsoft auf einer Pressekonferenz in Los Angeles seinen ersten eigenen Tablet-Computer mit dem Namen Surface vorgestellt hat, zieht Google nach: Auf der Input/Output im Juni, Googles jährlicher Entwickler-Konferenz, stellt Firmen-Mitbegründer Sergej Brin mit dem Nexus 7 einen eigenen Tablet-PC vor.

  • Mai 2013

    Google hat Ärger mit der EU-Kommission. Diese wirft dem Unternehmen vor, in den Suchergebnissen seine dominante Marktposition zu missbrauchen und droht mit einem Kartellverfahren.

  • Juni 2013

    Im Bieterkampf um ein israelisches Navigations-Startup sticht Google die Konkurrenten aus. Der US-Internetgigant stehe kurz vor der Übernahme der auf mobile Kartendienste spezialisierten Firma Waze, berichtet die israelische Finanzzeitung Globes am Sonntag ohne Quellenangabe. Google habe die Gebote der anderen Interessenten vermutlich übertrumpft. Der Kaufpreis soll demnach 1,3 Milliarden Dollar betragen. Bei Waze war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Waze sprach früheren Medienberichten zufolge mit mehreren Bietern. Dazu zählt auch das soziale Netzwerk Facebook.
    Zusatzdienste, die auf Smartphones oder Tablet-PCs genutzt werden können, werden für Technologiekonzerne wie Google immer wichtiger. Denn mit ihnen steigt auch die Nutzung von mobilen Geräten und damit die potenziellen Werbeeinnahmen, die über sie generiert werden können. Waze verwendet die Satelliten-Signale der Smartphones, um den Nutzern Karten- und Verkehrsdaten in Echtzeit zur Verfügung zu stellen. Das erst vor vier Jahren gegründete Unternehmen hat 47 Millionen Mitglieder und 100 Mitarbeiter.

  • Frühjahr 2013

    Google liefert die ersten Google-Brillen für 1.500 Euro pro Gadget an ausgewählte Entwickler aus. Firmengründer Sergey Brin verlässt das Haus kaum noch ohne die Datenbrille, die es dem Träger ermöglicht Artikel zu lesen, Telefonate zu führen oder sich Wegbeschreibungen anzeigen zu lassen.

Jetzt spielt der Jurist über Bande und will Google mithilfe der EU-Kommission angreifen – wie immer mehr US-Unternehmen. Ende Juni gab etwa die Fotodatenbank Getty Images bekannt, in Brüssel Beschwerde zu erheben. Rund 20 Firmen, die genaue Zahl nennt die Kommission nicht, setzen mittlerweile auf Europas höchste Wettbewerbsbehörde, die sich selbst gerne als die kompetenteste ihrer Art in der Welt sieht.

Vergangenen Dienstag hat Reback eine neue Runde im Kampf gegen Google eingeläutet. Gemeinsam mit Casey Oppenheim, dem CEO des Start-ups Disconnect aus San Francisco, sprach er in Brüssel bei Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager vor. Das Thema: die förmliche Beschwerde mit 104 Seiten, die sein Mandant eingereicht hat. Der mächtige Internet-Konzern hat eine Software von Disconnect kurzerhand aus seinem App-Store für Android verbannt. Mit der Software verhindern Internet-Nutzer, das der Suchmaschinenriese ihr Surfverhalten aufzeichnet und andere Daten über sie sammelt. Oppenheim mutmaßt: Würden Kunden massenweise derartige Anwendungen einsetzen, wäre das Geschäftsmodell von Google in Gefahr: kostenlose Dienste im Gegenzug für Nutzerdaten.

Selbsterklärter Geschäftszweck von Disconnect ist es, die Privatsphäre der Kunden zu schützen, etwa durch das Anonymisieren von Suchanfragen. Mitgründer des fünf Jahre alten Start-ups ist ausgerechnet der ehemalige Google-Entwickler Brian Kennish; er arbeitet aber nicht mehr für die Firma. Inzwischen hat sie nach eigenen Angaben zehn Millionen Nutzer und eine Vermarkungsallianz mit der Deutschen Telekom. Deutschland ist wichtigster Auslandsmarkt.

Eine vergangenen Herbst eingeführte App für Android-Smartphones namens Disconnect Mobile ging den Google-Managern aber zu weit. Die Anwendung verhindert unter anderen, dass andere Apps das Surfverhalten eines Nutzers aufzeichnen – das Tracking – , um diese Daten für Werbezwecke zu vermarkten. Mit der Begründung, die Funktion beeinträchtige andere Apps, verbannte der Konzern die Software aus seinem Store Google Play.

Pikant ist: Google bietet selbst an, Tracking zu verhindern, und kooperiert gar mit Konkurrenten von Disconnect wie Ghostery.

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In seiner Beschwerde bei der EU behauptet Oppenheim nun, Google halte das Surfverhalten auch dann fest, wenn der Nutzer meine, dies gestoppt zu haben. Der Konzern nahm auf Anfrage nicht Stellung zu den Vorwürfen. „Google hat unsere App aus dem Store verbannt, weil sie tatsächlich Tracking verhindert“, erklärt Oppenheim. Apple hat hingegen keine Probleme mit der iPhone-Version von Disconnects App. Der Konzern ist anders als Google nicht von Werbeeinnahmen abhängig.

Da Googles Android auf 80 Prozent aller Handys läuft, sieht Oppenheim sich enorm benachteiligt. Auf ein schnelles Ergebnis kann er nicht hoffen. Die Kommission hat ihre Untersuchung zu Android erst im April begonnen. Mit Googles Suchmaschinen-Praktiken beschäftigt sich Brüssel bereits im fünften Jahr. n

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