DLD 2014: Erlaubt ist, was der Kunde mitmacht

DLD 2014: Erlaubt ist, was der Kunde mitmacht

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Jan Koum, Gründer und Betreiber des Messaging-Dienstes WhatsApp, spricht während der Digital-Life-Design (DLD) Konferenz.

von Franziska Bluhm

Privatsphäre? Datenschutz? Burdas Digitalkonferenz DLD macht deutlich, wie die Silicon-Valley-Gründer mit diesem Thema umgehen - und wo sie ihre Grenzen bei der Datensammelwut setzen.

Es gibt sie natürlich auch in den USA: Unternehmer wie Michael Fertik von reputation.com, die das Geschäftsmodell ihrer Unternehmen ganz darauf aufsetzen, dass es Kunden gibt, die wert darauf legen, auch in der digitalen Welt ihre Privatsphäre zu schützen. Trotzdem macht er deutlich: "Sie können es nicht vermeiden, überwacht zu werden", sagt er. Aus diesem Grund kritisiert er auch die Blauäugigkeit von Staatschefs wie der deutschen Bundeskanzlerin, die ja, wie wir alle wissen, völlig überrascht war, als sie erfuhr, dass auch ihr Telefon von Geheimdiensten abgehört wurde.

Zur Erläuterung zeigt er ein Foto von Barack Obama, der in Hotelzimmern Zelte aufbaut, um sich vor den großen Ohren der Geheimdienste der Welt abzuschirmen. Mehr als 1,6 Millionen Nutzer habe sein Unternehmen bereits in mehr als 100 Ländern. In 2014 verspricht er sich vor allem Wachstum in Deutschland.

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Fest steht allerdings: Die Mehrzahl der Geschäftsmodelle im Silicon Valley setzt auf einen anderen Weg. Sie wollen und werden weiter Daten sammeln.

Am krassesten wird das am Beispiel von Palantir deutlich, dem CIA-Datendienstleister. IT-Spezialist Shyam Sankrar versuchte mit vielen Worten, das Image seines Unternehmens aufzupolieren. Sein Unternehmen arbeite an der Lösung der großen Probleme der Welt, die meisten Palantir-Kunden seien große Unternehmen, die mit großen Mengen an Daten arbeiten. Datenmissbrauch sei sensibel, daher seien die Diskussionen darüber wichtig. Ob diese zu Veränderungen bei Palantir führen würden? "Zu kleinen", ließ er das Publikum wissen.

Weniger herumdrucksend argumentierte Jan Koum von Whatsapp. Im Vordergrund für den Messaging-Dienst stehe die User Experience. Und damit ist natürlich legitimiert, dass seine App auf alles zugreift, was in irgendeiner Weise an Freunde verschickt werden könnte. Außerdem sammle Whatsapp keine persönlichen Daten, lediglich Telefonnummern, so Koum.

Nest-Gründer Tony Fadell begründet das Datengesammele mit dem Argument, diese Daten nur für die Nest-Produkte zu sammeln. "If we change that we let you know." Nun, das heißt ja nicht, dass man auch weiterhin nur "einfache" Thermostate und Rauchmelder herstellt.

Auch der Produktchef von Dropbox macht klar: Privatsphäre und Sicherheit ist wichtig, Kundenzufriedenheit aber auch.

Dave Liu von Lucrative Endeavors, Diskutant auf einem Panel zum Thema "Mobile Disruption" spricht aus, was sich die anderen vermutlich nicht so recht zu sagen getraut haben: In drei Jahren werde es die Diskussionen um Privatsphäre und das Abhören durch die Geheimdienste nicht mehr geben. Die Einstellung wandele sich da gerade.

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Zudem scheint es, dass die Vision hinter dem Unternehmen jedweden Umgang mit dem Kunden rechtfertig, zumindest so lange die Community sich nicht abwendet. Jan Koums Ziel ist es, mit Whatsapp auf jedem einzelnen Smartphone der Welt zu sein, der Nest-Gründer, der kürzlich an Google verkauft hat, ist da noch ambitionierter mit seiner Aussage, die Welt zu regieren, was gemeinsam mit Google einfacher sei. IBM will in den nächsten fünf Jahren lediglich die Medizinbranche revolutionieren - die Bescheidenheit lässt sich nur durch die vergleichsweise große Reife des Unternehmens erklären.

Nicht zu vergessen: Jimmy Wales. Der Wikipedia-Aktivist stellt sein neues Projekt vor. Er steigt bei einem Telekomanbieter ein. Ziel: Ein Teil der Kundenrechnungen soll für wohltätige Zwecke, beispielsweise die kostenlose Verfügbarkeit von Wikipedia in den  afrikanischen Staaten zur Verfügung gestellt werden. Bildungsauftrag galore, sozusagen. Und ein Weltverbesserer fehlte an diesem Tag noch in der illustren Runde der Visionäre. 

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