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DLD Conference : "Jeder braucht einen Spock in der Firma"

20. Januar 2013
Rick Smolan Quelle: Hubert Burda Media / picture alliance Quelle: PresseBild vergrößern
Rick Smolan Quelle: Hubert Burda Media / picture alliance Quelle: Presse
von Franziska Bluhm

Auf der DLD in München geht es in diesem Jahr um "Big Data", ein Wort, von dem man eigentlich gedacht, hat, dass es bereits zum Buzzword aufgestiegen ist. Dem ist aber noch lange nicht so. Und auch das beweist die DLD.

Jedes Jahr kurz vor Davos versammelt Hubert Burda in München das, was man gemeinhin als digitale Elite verstehen kann. Altbekannte Gesichter, Freunde des Hauses, Webpioniere kommen in die Bayerische Hauptstadt, um über Trends, Phänomene und spannende Geschäftsmodelle zu sprechen. Neben der Le Web in Paris ist die DLD eine der wenigen hoch angesehenen Internetkonferenzen in Europa.

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Und gleich die ersten beiden Sessions machen deutlich, warum man auch im Jahr 2013 auf einer Webkonferenz über das große Schlagwort "Big Data" sprechen muss. Den Anfang macht der Fotograf Rick Smolan, der sein Buchprojekt vorstellt. In dem Bildband "The Human Face of Big Data" visualisiert er das große Schlagwort dieser Tage. Entstanden sei die Idee auf Anregung von der derzeitigen Yahoo-Chefin Marissa Mayer und ihrem Mann. 18 Monate arbeitete er daran, diesen Trend zu visualisieren. Begleitet wurde der Launch mit einer großen Mediakampagne - rund 10.000 Entscheider bekamen das Buch vorab kostenlos zugeschickt, drei Monate gab es eine Smartphone-App, auf der jeder User selbst Daten eingeben und sich mit anderen Usern weltweit vergleichen konnte: den eigenen Daten-Klon finden. Das ist nicht neu, aber nett allemal.

Kurz darauf kommt der Datenanalyst DJ Patil, der schon für Ebay, Skype, LinkedIn und Paypal gearbeitet hat, auf die Bühne. Seine Mission: die Chancen von Big Data begreifbar zu machen. Die Fülle an Daten könne zu besseren Entscheidungen, effizienteren Abläufen führen, wenn man die Daten hat und wenn man sie zu interpretieren weiß. DJ Patil, selbst Datenanalyst, sagt: "Der beste Entscheider, den die Welt kennt, ist Captain Kirk." Naheliegend, denn er habe ja einen Mr. Spock an der Seite, den Datenanalysten. Spock interpretierte die Daten und machte sie so nutzbar.

Natürlich spielten Daten zuletzt bei den Wettervorhersagen um Hurrikan Sandy oder die Präsidentschaftswahl eine große Rolle. Allerdings stehe man noch am Anfang der Entwicklung. “Wir haben gerade erst angefangen, die Macht von Daten zu verstehen”, erklärt DJ Patil. „Jeder spricht darüber, jeder glaubt, dass es alle anderen machen, und jeder behauptet daher, dass er es schon machen würde", zitiert Patil den Tweet eines Kollegen.

Old media meets new platforms

Wie sehr sich die Machtverhältnisse zwischen alter und neuer Welt mittlerweile verschoben haben, wird einmal mehr deutlich, als Rene Obermann, scheidender Vorstandschef der Deutschen Telekom, auf dem Panel "Patterns of Connectivity" über den Musikstreamingdienst Spotify erzähle. Die Augen des auf die 50 zugehenden Managers leuchten, als er berichtet, wie sehr es ihm und seinem Unternehmen es gefallen hat, als Spotify aufgrund der frisch geschlossenen Partnerschaft beider Unternehmen ein "Spotify loves Telecom" auf seine Homepage setzte. Uneinig sind sich Obermann und Klaus Hommels von Lakestar Investments über den europäischen Markt. Während Hommels der Meinung ist, dass noch immer zu wenig Kapital unterwegs sei, kontert Obermann, dass es nicht an Kapital, sondern vor allem an Ideen mangele. Die Wahrheit liegt möglicherweise irgendwo dazwischen.

Zudem sei es schwierig, wenn Partnerschaften zwischen große und sehr kleinen Unternehmen entstünden. Zwar seien beide Unternehmen aufeinander angewiesen - die kleinen brauchen die Finanzkraft, die großen die Innovationen, die in ihren eigenen Strukturen nicht so recht entstehen wollen oder können.

Auch über die eigene Zukunft plaudert Obermann vor den Augen der Webgemeinde ein wenig: Er wolle gerne in ein kleineres Unternehmen mit flacheren Hierarchien. "Ich will wieder lernen", verrät er. Auch einen Gang ins Ausland könne er sich vorstellen. "Das muss ich aber erst mit meiner Frau besprechen." Ein klitzekleines Bisschen klang das aber wie eine Bewerbung.

Kurz nachdem sich Hommels und Obermann noch darüber austauschen, was erfolgreiche Gründer heutzutage ausmachen - zwischen 23 und 25 Jahre alt, mindestens Statistik-Freunde, aus einer ländlichen Region stammend, nicht so sehr aus einer "happy sweet family" stammend, so die Hommelssche Definition, Obermann nur in Sachen Alter Abstriche machend: "Alter ist nicht das Kriterium, es geht vielmehr um Neugier", mal ganz frei übersetzt, stellt Zachary Sims 20 Minuten lang seine Codacademy vor. Mit Hilfe kostenloser Kurse können junge Menschen Programmiersprachen erlernen.

"Tech People start cool companys", sagte wenige Minuten vorher noch Klaus Hommels. Könnte sein, dass auf diesem Weg eine neue Generation heranwächst.

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