Drosselpläne: Das Einknicken der Telekom ändert nichts

KommentarDrosselpläne: Das Einknicken der Telekom ändert nichts

von Meike Lorenzen

Die Telekom ist eingeknickt, doch wer eine echte Flatrate möchte, muss weiter draufzahlen. Doch das viel schwerwiegendere Problem: Die Deutsche Telekom hebelt auch weiterhin die Netzneutralität aus.

Das Einknicken der Telekom in Sachen Drosselkom löst gemischte Gefühle aus. Zwar werden die 385 Kbit/s als Traffic-Grenze auf 2Mbit/s aufgestockt, doch wer eine echte Flatrate möchte, muss nach wie vor draufzahlen. Doch das viel schwerwiegendere Problem: Die Deutsche Telekom hebelt auch weiterhin die Netzneutralität aus. Denn von der Bevorzugung bestimmter Dienste ist der Bonner Konzern nicht abgerückt.

Doch von vorne. Am Mittwoch hat der Telekom-Deutschlandchef Niek van Damme bekannt gegeben: "Wir haben in den vergangenen Wochen einen intensiven Dialog mit unseren Kunden geführt und die Sorgen verstanden. Mit 2 Mbit/s liegen wir deutlich über dem Mindestrichtwert aus der Breitbandstrategie der Bundesregierung  – wir haben ihn verdoppelt." Das bedeutet im Klartext, dass die Telekom statt auf 385 Kbit/s das Netz ab einem Datenverbrauch von 75GB nun auf eine Surfgeschwindigkeit von 2Mbit/s drosseln wird. Das ist die Reaktion auf die heftigen Proteststürme, die die Drosselkom-Debatte Ende April ausgelöst hat.

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Streit um Internetdrosselung Verbraucherschützer klagen gegen die Telekom

Verbraucherschützer wollen sich die jüngsten Maßnahmen der Telekom nicht so einfach gefallen lassen. Weitere drastische Tempobremsen wollen sie dem Konzern nun per Gericht untersagen. Der aber reagierte bislang nicht.

Quelle: dpa

Ursprünglich hatte die Telekom Ende April eine neue Tarifstruktur im Festnetz angekündigt, die ab 2016 eine Drosselung der Surfgeschwindigkeit auf 385 Kbit/s ab genutzten 75 GB im Monat vorsah. Zum Vergleich: Mit dieser Datenmenge lassen sich Experten zufolge etwa zehn HD-Filme anschauen. Dann ist Schluss. Wer mehr Datenvolumen benötigt, sollte für den Extradienst zur Kasse gebeten werden.

Hintergrund der Entscheidung ist der steigende Datenverkehr im Netz. Besonders Videochats und das Schauen von Filmen und gestreamten Sendungen im Netz nehmen viel Platz ein. Mit dem Boom von Tablets und Smartphones in den vergangenen Jahren haben die Nutzer immer mehr Möglichkeiten, das Internet zu nutzen. 30 Millionen mobile Endgeräte sollen laut einer Prognose des Branchenverbandes Bitkom allein 2013 verkauft werden.

Wir werden alle Vielnutzer

Noch sind von dieser Datengrenze vor allem die Vielnutzer betroffen. Wer nicht ständig chattet, Video-Kommunikation betreibt, Filme, Musik oder andere Dateien herunter lädt, wird derzeit von der Drosselung ab 75 GB kaum betroffen sein. Nach Angaben der Telekom liegt der durchschnittliche Verbrauch bei etwa 15 bis 20 GB im Monat. Doch das wird sich ändern.

Internet-Telefonie wird mit neuen Diensten – wie zum Beispiel Apples VoIP, das mit dem neuen mobilen Betriebssystem iOS 7 kommt – immer attraktiver. Auch das Fernsehen über das Internet boomt und wird beim „normalen User“ für einen immer größer werdenden Datenbedarf sorgen. Zwar hat die Telekom angekündigt, dass die 75 GB nicht ein Stein gemeißelt seien. Man wolle den Grenzwert mit dem Bedarf der Nutzer anpassen.

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