E-Maildienst: Yahoo liest künftig mit - und jetzt?

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E-Maildienst: Yahoo liest künftig mit - und jetzt?

von Thomas Kuhn

Seit Monatsbeginn stellt der weltgrößte E-Maildienst Yahoo seine Nutzer vor die Entscheidung, entweder die elektronische Post durchleuchten zu lassen, damit Yahoo inhaltlich passende Werbung anzeigen kann – oder den Anbieter zu wechseln. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Auch wenn es für viele Nutzer von Yahoos internet-basiertem E-Mail-Dienst überraschend kam, dass sich einiges beim Dienst ändern würde, war absehbar: Schon im April hatte der US-Online-Riese gemeldet, dass das alte E-Mail-Portal im Netz demnächst abgelöst und für alle Kunden durch ein funktional deutlich ausgebauten Dienst ersetzt werde. Eine kleine, aber entscheidende, Neuerung aber fiel bei der Ankündigung unter den Tisch. Mit der Umstellung, die am 3. Juni in Kraft trat, setzt Yahoo seine bereits 2011 überarbeiteten neuen Nutzungsbedingungen nun bei allen Kunden durch – mit einer gravierenden Modifikation an entscheidender Stelle.

Wer den Dienst weiterhin einsetzen will, muss zustimmen, dass Yahoo sämtlichen E-Mail-Verkehr automatisch auf werbevermarktbare Begriffe hin auswertet. Mit dem Wissen kann das Unternehmen seinen Kunden beim Aufruf der elektronischen Post auch inhaltlich passende Werbebotschaften auf dem Bildschirm anzeigen. In den AGBs heißt es nun: "Durch Nutzung des Services erklären Sie sich damit einverstanden und gestatten es Yahoo! mittels automatischer Systeme, alle eingehenden und ausgehenden Kommunikationsinhalte, die von Ihrem Account gesendet und empfangen werden [...] zu scannen und zu analysieren, insbesondere um Ihnen für Sie relevante […] Inhalte zur Verfügung zu stellen."

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huGO-BildID: 31171563 This photo illustration shows the web pages of Yahoo and Tumblr on a computer screen on Monday May 20, 2013. Yahoo is buying online blogging forum Tumblr for $1.1 billion in a comeback attempt to rejuvenate the company. (AP Photo/Bebeto Matthews) Quelle: AP

Viele, teils langjährige Kunden von Yahoo fragen sich nun, wie sie reagieren sollen, und welche Alternativen sie haben. Hier eine Übersicht über die wichtigsten Fragen und Antworten.

1. Ist Yahoo, der erste E- Mail-Anbieter, der elektronische Post für Werbezwecke mitliest?

Nein, Konkurrenten wie etwa Google tun das bereits seit Jahren und begründen es damit, dass die Werbevermarktung den im Übrigen gratis angebotenen Dienst finanzieren hilft. Ähnlich argumentiert nun auch Yahoo. Zudem sind die Bestimmungen als solche nicht neu. Sie gelten bereits seit 2011, nur macht Yahoo nun die Zustimmung verpflichtend für die weitere Nutzung des Angebots.

2. Ist der Zugriff auf die Nachrichten kein Verstoß gegen das Postgeheimnis oder eine widerrechtliche Verletzung der Privatsphäre? Schlagen die Datenschützer nicht Alarm?

Nein, auf WiWo-Anfrage erklärt die Sprecherin des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar, Juliane Heinrich, ein datenschutzrechtlicher Verstoß sein nicht festzustellen, wenn ein Anbieter sich über seine Geschäftsbedingungen […] sich […] die Zustimmung zu den Nutzungsbestimmungen […] einhole. „Letztlich ist dies "der Preis" für die Nutzung eines kostenlosen E-Mail-Providers“, so Heinrich.

3. Kann ich den neuen Bedingungen nicht einfach widersprechen und den Dienst in seiner alten Form weiter verwenden?

Nein, da ist Yahoo kompromisslos. Das alte E-Mail-Portal funktioniert nicht mehr. Und die neue Oberfläche ist nur nach Zustimmung zu den neuen Nutzungsbedingungen erreichbar.

4. Ich nutze einen kostenpflichtigen Mail Plus Account. Betrifft mich die Umstellung ebenfalls?

Ja, das Bezahlmodell hat auf die Auswertung der Nachrichteninhalte keine Auswirkung. Wenn Sie Mail Plus unter den neuen Konditionen nicht mehr nutzen wollen, können Sie kündigen und sich das Geld zurück erstatten lassen.

5. Ich habe kein Problem mit automatischen Scans, aber Werbung nervt. Muss ich die ertragen?

Nein, das müssen Sie nicht. Zum einen können Sie über ein externen E-Mail-Software wie Microsoft Outlook oder Mozillas Thunderbird Yahoos Server mithilfe des POP3- oder IMAP-Protokolls direkt anzapfen und die Nachrichten dann auf dem PC oder Smartphone (auch offline) lesen. Alternativ bietet Yahoo zumindest den Kunden seines kostenpflichtigen Dienstes Mail Plus die Option, die Anzeige von Werbung zu unterdrücken. Im einen wie im anderen Fall aber bleibt der Inhalte-Scan bei Yahoo aktiv. Unter anderem auch, weil die Analyse der Inhalte – auch – dem Zweck dient, Spam oder Malware-Nachrichten zu identifizieren und den Nutzer vor Angriffen aus dem Netz zu schützen.

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