Einblick: Hacker - Piraten der Neuzeit

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kolumneEinblick: Hacker - Piraten der Neuzeit

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Piraten der Neuzeit haben auch die Telekom diese Woche angegriffen.

Kolumne von Miriam Meckel

Der Hackerangriff auf das Telekom-Netzwerk zeigt: Der moderne Krieg ist digital. Wirtschaft und Gesellschaft müssen reagieren.

Der Zustand unserer Zivilisation zeigt sich an ihren Errungenschaften und an ihren Gefährdungen. Daran gemessen, balanciert die digital vernetzte Gesellschaft auf einem brüchigen Grat. So fantastisch die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters sind, so bedrohlich sind sie auch, wenn die Piraten der Neuzeit sie gegen uns wenden.

Was der Deutschen Telekom in dieser Woche geschehen ist, das ist modernste Piraterie mit digitalen Mitteln. Hacker haben in einer weltweiten Attacke über eine Netzwerkschnittstelle zur dezentralen Wartung derzeit geschätzte 900 000 Telekom-Router per Angriff lahmgelegt. Der kriminelle Zugriff hat die Geräte abstürzen lassen. Wäre die Übernahme der Router gelungen, die Hacker hätten ein riesiges Netzwerk zur Verfügung gehabt, über das sie digitale Kettenreaktionen unvorstellbaren Ausmaßes hätten auslösen können. Glück im Unglück? So ein Schwachsinn. Um die Sicherheit der digital vernetzten Gesellschaft ist es miserabel bestellt. Wir sollen nun glücklich sein, dass die Geräte abgestürzt sind und zufällig Hackern der dauerhafte Zugriff und die folgenreiche Manipulation verweigert wurde? Das ist ja wohl ein Witz.

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Der digitale Feind ist zuweilen kräftiger und schlauer als wir selbst. Um das zu verstehen, hätte es nicht des aktuellen Angriffs im Telekom-Netzwerk bedurft. Schon 2010 hat die Internetaktivistengruppe Anonymous durch Angriffe die Websites von Finanzunternehmen lahmgelegt, die Wikileaks-Gründer Julian Assange die Konten gesperrt hatten. Betroffen waren damals die Schweizer PostFinance, Mastercard, Visa und die Bank of America. Wenn es ums Geld geht, steigt schon mal die Sensibilität. Weihnachten 2015 haben Hacker ein ganzes Kraftwerk in der Ukraine lahmgelegt, Hunderttausende Haushalte saßen für Stunden im Dunklen. Im Februar griffen Hacker ein Krankenhaus in Neuss an und blockierten das IT-System. Die Belegschaft musste die Krankenakten zwischenzeitlich mit Papier und Bleistift führen. Da geht es um Leben.

Es wird Zeit, dass beim Risikomanagement richtig gewichtet wird. Bislang haben IT-Unternehmen – wirtschaftlich durchaus vernünftig – auf Schadensbehebung gesetzt. Warum mehr für Sicherheit ausgeben, wenn es günstiger kommt, Unfallfolgen zu bezahlen? So langsam dämmert es manch einem, dass sich das Preis-Leistungs-Verhältnis umgekehrt haben könnte. Selbst in der Union wird nun laut darüber nachgedacht, ob im neuen IT-Sicherheitsgesetz nicht die digitale Produkthaftung fehlt.

Zur neuen Normalität der Cyberbedrohung gehört auch, dass Staat und Behörden mit Hackern zusammenarbeiten müssen, um zu verstehen, auf welche Attacken man sich vorbereiten sollte. Auch die Bürgerinnen und Kunden sind in der Pflicht. Im Fall Telekom hätte es vermutlich gereicht, die automatische externe Wartung abzuschalten. Wie so oft galt hier: Faulheit schlägt Sicherheit. Auch in der zivilisierten Gesellschaft reicht Vertrauen alleine nicht aus. Jeder muss auch Verantwortung übernehmen.

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