Enthüllungen: Wikileaks ist nur der Anfang - und die Pflicht zum Wandel

Enthüllungen: Wikileaks ist nur der Anfang - und die Pflicht zum Wandel

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Jetzt geht's gegen Big Business: Die Internetplattform Wikileaks plant schon den nächsten Coup: Anfang nächsten Jahres solle eine amerikanische Großbank zum Ziel werden.

von Jochen Mai

Noch ist der Eklat um die von Wikileaks veröffentlichten US-Diplomatendepeschen nicht abgeklungen, da kündigt Gründer Julian Assange schon weitere Enthüllungen an. Diesmal soll es ans Eingemachte einer großen US-Bank gehen. Die für Anfang des kommenden Jahres angekündigten Bloßstellungen könnten gar "ein oder zwei Banken in die Tiefe reißen", sagte Assange dem US-Magazin Forbes.

Das ist, keine Frage, eine neue Qualität. Betrafen die Datenlecks bisher vornehmlich politische Institutionen, trifft es nun auch die Wirtschaft. Entsprechend groß ist die Sorge, nicht nur jenseits des Atlantiks, wen es als nächsten treffen könnte. Die Sorge ist berechtigt, aber kaum lösbar.

Man muss allerdings zunächst unterscheiden. Peinliche oder gar geschäftsschädigende Enthüllungen durch kriminelle Energie oder wie auch immer motivierten Verrat hat es immer schon gegeben. Nicht wenige Medien leben davon, dass es ihn gibt. Der angelsächsische Fachterminus dafür: whistleblowing. Dagegen ist kein Kraut gewachsen. Kommen Mitarbeiter erst einmal an sensible Daten heran, können sie diese heute dank des Internets auch binnen weniger Minuten einem Millionenpublikum zugänglich machen - wenn sie nur ein Motiv dafür bekommen. Und die Erfahrung hat gezeigt, dass nicht wenige dieser Whistleblower sich auch von der Aussicht auf persönlichen Repressalien nicht abschrecken lassen. Manch einer ist vielleicht auch nur naiv genug, zu glauben, er bliebe unerkannt oder käme ungeschoren davon. Der Effekt für die Firmen ist aber derselbe: Die Daten sind öffentlich und im Netz – und sind sie erst einmal dort, bekommt man sie nicht mehr heraus.

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Das Andere sind gezielte Angriffe von außen – sogenannte Cyberattacken. Ihre Zahl steigt stetig. Auch hierfür gibt es unterschiedliche Motive mit unterschiedlichen Folgen: Hacker wollen anderen Hackern beweisen, was sie können; Sicherheitsfirmen wollen Schwachstellen aufdecken, um an Aufträge zu gelangen; Unternehmen spähen Mitbewerber aus und Privatleute wollen unlautere Machenschaften aufdecken. Der Unterschied hierbei ist aber: Gegen Angriffe von außen kann man sich einigermaßen schützen. Zwar bleibt es ein ewiges Wettrüsten, doch lassen sich in der Regel immer irgendwelche technischen Lösungen dafür finden.

Gegen echte Lecks, durch die Informationen von innen nach außen sickern, bleibt es jedoch schwer, etwas zu unternehmen. Und wird in Zukunft immer schwerer werden. Denn statt auf Abschottung, setzt die Wirtschaft ganz bewusst auf mehr Transparenz und Vernetzung.

Loyalität der Mitarbeiter als einziger Schutz

Die Unternehmen organisieren sich dabei nicht nur selbst immer vernetzter (Stichwort "Enterprise 2.0"), sie öffnen sich auch zunehmend stärker nach außen – vornehmlich in den virtuellen Räumen der sogenannten Social Media. Ganz bewusst baut eine wachsende Schar von Konzernen und Mittelständlern darauf, Mitarbeiter in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter als Botschafter einzusetzen und aufzubauen. Mitarbeiter schreiben Blogs, laden Dokumente hoch, drehen Videos mit ihren Smartphones oder teilen Präsentationen auf Plattformen wie Slideshare. Selbst ausgeklügelte Richtlinien oder vertraglich fixierte Schweigeklauseln können nicht verhindern, dass dabei auch Daten nach außen dringen, die hätten im Unternehmen bleiben sollen.

Schon die Ambivalenz des Internets verhindert das: Man kann nicht so tun, als betreibe man ein kommunikatives, vernetztes Unternehmen auf dem Weg in die Wissensgesellschaft, das zudem auf die Eigenverantwortung seiner Mitarbeiter stolz ist – und zugleich chinesische Verhältnisse einführen, Netzwerkzugänge sperren, Blogs und Kommentare zensieren, Heimbüros schließen und am besten nur noch Rechner ausgeben, die weder über einen USB-Port, noch ein CD-Laufwerk verfügen. Das wäre vielleicht ein latenter Schutz, doch zu welchem Preis?

Der einzig wirksame Schutz, der den Unternehmen bleibt, ist die Loyalität der Mitarbeiter. Sie ist das eigentliche Motiv, das hinter etwaigen Enthüllungen steckt. Wer unlautere und unethische Geschäfte macht, wer seine Belegschaft einseitig ausnutzt und immer wieder schlecht behandelt, muss damit rechnen, dass dies publik wird. Und eben womöglich nicht nur das.

Darin liegt für zahlreiche Unternehmen, die bis dato damit ganz gut gefahren sind, eine Gefahr. Die, die so tun als ob, haben mit Wikileaks und Konsorten ein Problem. Es liegt darin aber zugleich auch eine Chance. Die zur Läuterung und zu einem nachhaltigen Wandel – auch wenn der vielleicht nicht ganz freiwillig geschieht. Aufhalten lässt es sich allerdings kaum.

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