
Die Konferenzen von Apple werden von der Fangemeinde traditionell wie Gottesdienste gefeiert. Selbst wenn - wie zuletzt - kaum mehr als an flacherer Rechner und ein Update des Betriebssystems vorgestellt werden, kennen die so genannten Fanboys an diesen Tagen kaum ein anderes Thema bei Twitter & Co.
Vergleichbare Veranstaltungen von Google werden dagegen längst nicht so enthusiastisch verfolgt, dabei war es durchaus beeindruckend, was der Internet-Riese in dieser Woche auf seiner Entwicklerkonferenz präsentierte. Gleich an drei Fronten hat das Unternehmen dabei zum Schlag gegen die Konkurrenz ausgeholt.
Google-Gründer spielt „Mission Impossible“
Den spektakulärsten Auftritt im Moscone-Center San Francisco legte dabei Google-Mitgründer Sergej Brin hin. Mit der futuristischen Datenbrille betrat er die Bühne und inszenierte die Präsentation im Stile eines „Mission Impossible“-Kinofilms. Aus einem Luftschiff, das über dem Konferenzzentrum kreiste, stürzten sich Fallschirmspringer mit einer Datenbrille auf der Nase in die Tiefe. Die Bilder aus der Brillenkamera wurden über eine Videoschaltung (Google Hangout) in die Halle übertragen. So konnten die Besucher live sehen, wie die Fallschirmspringer auf dem Dach des Konferenzraums landeten und sich dann wie Tom Cruise zu seinen besten Zeiten an der Glasfassade abseilten, um schließlich in dem Saal mit frenetischem Beifall bejubelt zu werden.
Dabei ist Google Glass in diesem Entwicklungsstadium noch lange kein fertiges Produkt. Erst in einem halben Jahr werden experimentierfreudige Entwickler in den USA für 1500 Dollar ein „Explorer-Pack“ erwerben können, um dann Anwendungen für die Cyber-Brille schreiben zu können. Es gebe leider noch einige Regulierungsfragen, die einen Einsatz außerhalb der USA derzeit nicht möglich machten, räumte Brin ein.
Auf den Markt kommt die Cyber-Brille dann eher erst 2014. Google Glass ist damit kommerziell am wenigsten relevant, doch das Unternehmen hat damit in einem möglichen Zukunftsmarkt die Nase vorn und stärkt zudem seine Position als innovatives und cooles Unternehmen – ein nicht zu unterschätzendes Argument im schwierigen Kampf um die besten Talente im Silicon Valley.
Bild: dpaGoogle Web Accelerator
Er sollte das Surfen im Netz schneller machen, setzte sich aber nicht durch: Eines der großen Probleme war, dass Nutzer keine Youtube-Videos anschauen konnten. Den Google Web Accelerator gab es von Mai 2005 bis Oktober 2008. Teile der Technologie konnte der Konzern aber recyclen und für seinen schnellen Browser "Chrome" verwenden.
Bild: ScreenshotGoogle Videos
Google Video startete 2005 ursprünglich als Video-Gemeinschaft im Internet, auf der Nutzer Videos hochladen und teilen können sollten. Als Youtube im Februar 2006 das Licht der Netzwelt erblickte, versuchte Google drei Jahre lang, das Portal aufzukaufen - vergeblich. Google Videos gibt es noch, aber Nutzer können keine Videos hochladen. Die in der Suchmaschine integrierte Videosuche indexiert Clips von allen Seiten im Netz.
Bild: ScreenshotGoogle X
Google X sollte alle Google-Produkte in Form kleiner Icons über der Suchleiste anzeigen. Wenn der Nutzer mit der Maus darüber fuhr, sollten die Icons sich vergrößern. Die Idee setzte sich nicht durch - das Projekt wurde am 15. März 2005 aus der Wiege gehoben und starb bereits einen Tag später.
Bild: REUTERSProjekt Erneuerbare Energien
"Um es zusammenzufassen, wir sind dabei, zahlreiche Projekte dichtzumachen, die nicht den Effekt hatten, den wir erhofft hatten", schrieb das Unternehmen Ende 2011 in seinem offiziellen Blog. Google nennt die Verkleinerung "Frühjahrsputz", die schon im April 2011 mit dem Wechsel von Larry Page (im Bild) an die Firmenspitze begonnen hat. Es ist seitdem bereits die dritte "Putzaktion", in der Google Projekte einstampft. Nicht mehr weiterverfolgen will Google unter anderem das prestigeträchtige Projekt Erneuerbare Energien. 2009 hatte der damalige Google-Manager Bill Weihl angekündigt, binnen einiger Jahre Technologien anzubieten, mit denen die Produktion Erneuerbarer Energie billiger bewerkstelligt werden könne. Weihl hat das Unternehmen mittlerweile verlassen.
Bild: ScreenshotKnol
Zu den Projekten die eingestellt werden gehört auch Knol. Es sollte Googles Alternative zu Wikipedia sein: Eine Wissenssammlung, bei der die Nutzer die Artikel schreiben und bearbeiten. Der Erfolg hält sich in Grenzen – oder kennen Sie intensive Knol-Nutzer?

Google Wave
Nach knapp einem Jahr hat Google sein Projekt „Wave“ wieder gestoppt. Beim Start hatte der Konzern noch getönt, Wave sei wie die Neu-Erfindung der Mail. Doch selbst viele Nerds konnten mit dem Angebot nichts anfangen, mit dem man Nachrichten gemeinsam bearbeiten und kommentieren konnte. Ende April 2012 wird Wave nun endgültig dicht gemacht.
Bild: ScreenshotLively
Als der Hype um virtuelle Welten wie Second Life noch groß war, startete Google "Lively". Damit konnten Avatare geschaffen werden und Räume in denen man sich treffen konnte. Resonanz und Halbwertzeit waren dürftig: nach nicht einmal sechs Monaten wurden die neuen Tummelplätze wieder geschlossen.

Dodgeball
Schon im Jahr 2000 entwickelte Dennis Crowley Dodgeball, ein Netzwerk bei dem Freunde sich informieren konnten, wo ihre Kontakte sich gerade befinden. 2005 kaufte Google den Dienst, machte aber wenig damit und schloss das Angebot 2009. Crowley startete ein neues Unternehmen mit ähnlichem Konzept: Foursquare – das derzeit eines der am heißesten umworbenen Start-Ups überhaupt ist.
Bild: ScreenshotGoogle Checkout
Ein weiteres kaum bekanntes und entsprechend wenig genutztes Angebot ist Google-Checkout. 2006 startete das Unternehmen damit, es soll eine Alternative zum Online-Bezahldienst Paypal sein. Doch im Gegensatz zu Paypal schaffte das System nie den großen Durchbruch. Im November 2011 teilte Google daher mit, dass es mit dem mobilen Bezahlsystem Google Wallet verschmolzen wird.

Froogle
Auch eine eigene Produktsuche bietet das Unternehmen aus Mountain View. Früher hieß das Angebot Froogle, inzwischen schlicht "Google Produktsuche" – eine wirkliche Alternative zu bekannten Preisvergleichsportalen ist es allerdings nicht.
Google Web Accelerator
Er sollte das Surfen im Netz schneller machen, setzte sich aber nicht durch: Eines der großen Probleme war, dass Nutzer keine Youtube-Videos anschauen konnten. Den Google Web Accelerator gab es von Mai 2005 bis Oktober 2008. Teile der Technologie konnte der Konzern aber recyclen und für seinen schnellen Browser "Chrome" verwenden.
Die wichtigste Neuvorstellung war das Tablet Nexus 7, dass Google zum Kampfpreis von 199 Dollar auf den Markt bringt. Mit dem radikalen Strategieschwenk hin zur Herstellung von eigener Hardware intensiviert Google den Kampf um den Tablet-Markt. Doch die Attacke zielt nicht nur auf Apple, dass mit seinem iPad die meisten Android-Tablets lange zu Ladenhütern machte. Vielmehr ist das Nexus auch ein Kampfansage an Amazon.
Mit seinem Tablet Fire das ebenfalls knapp 200 Dollar und damit weniger als die Hälfte des iPad kostet, hat Amazon in kürzester Zeit den Markt der Android-Tablets in den USA aufgerollt und dort inzwischen einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent erobert.
Gestern holte Google dann zum dritten Schlag aus und der zielt ebenfalls auf Amazon: Google wird künftig in großem Stil Rechenleistung vermieten. Der für die technische Infrastruktur des Konzerns zuständige Manager Urs Hölzle kündigte an, die Leistung der Google-Rechenzentren künftig als Service anzubieten. Dabei kann eine gigantische Rechenleistung von bis zu 600 000 Prozessorkernen aus dem Netz bezogen werden.
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