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Erfinder des WWW kritisiert: Deutsche sind internetfaul

von Patrick Beuth Quelle: Zeit Online

Tim Berners-Lee, Erfinder des World Wide Web, veröffentlicht einen Länder-Index zum Einfluss des Internets auf die Gesellschaft. Deutschland hat demnach Nachholbedarf.

Tim Berners-Lee Quelle: dpa
Warnt vor der Zensur im Netz: Tim Berners-Lee erfinder des World Wide Web Quelle: dpa

Sir Tim Berners-Lee hat das World Wide Web erfunden, und nun fragt er sich offenbar, was er da angerichtet hat. Gestern Abend hat er den Web Index vorgestellt, eine Übersicht darüber, in welchen Ländern das Internet wie stark genutzt wird und wie viel Einfluss es auf die Gesellschaft hat. Deutschland schafft es darin nicht einmal unter die ersten zehn.

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Der Index der World Wide Web Foundation, einer gemeinnützigen Stiftung von Berners-Lee, wertet Daten zur Internetnutzung in 61 Ländern aus. Erfasst wird, wie viel Prozent der Bevölkerung das Netz nutzen, zu welchen Inhalten sie Zugang haben, welche zensiert werden und wie die Infrastruktur sowie die Regulierung aussehen. Außerdem wertet die Stiftung aus, welchen Einfluss das Internet auf die jeweilige Gesellschaft hat. Dazu beobachtet sie, wie verbreitet soziale Netzwerke, E-Partizipation oder auch E-Business sind.

Platz 30

Tunesien belegt mit 50,68 Prozent den 30. Platz von insgesamt 61 Ländern, die auf den Einfluss des Internets auf die Gesellschaft untersucht wurden.

Bild: dapd

Das Land, in dem das Internet der Gesellschaft den meisten Nutzen bringt, ist Schweden. Es folgen die USA und Großbritannien. Da es sich nicht um eine Rangliste handelt, in der es nur um die Freiheit des Internets und dessen Nutzung geht, landet China im Mittelfeld, nämlich an 29. Stelle. Deutschland liegt auf Platz 16, dicht gefolgt von Portugal, Spanien und Chile.

Auffällig: Geht es nur um netzpolitische Faktoren wie politische Partizipation via Internet, liegt Deutschland sogar nur auf Rang 23 – direkt hinter Russland. Das liegt unter anderem am – laut Index – bestenfalls durchschnittlichen Einsatzes des Internets für politische Kampagnen oder für die Mobilisierung von Wählern in Deutschland. Negativ ins Gewicht fallen auch die bisher fehlenden Open-Data-Initiativen der Bundesregierung.

Muy interesante

Sex sells, egal ob es sich um die Seite-1-Mädchen von der Bild-Zeitung handelt oder um diesen unbekleideten jungen Mann. Die spanische Wissenschaftszeitung Muy interesante von G+J machte mit diesem Titelbild auf, allerdings waren beim Ursprungsmotiv keine großen Buchstaben unterhalb der Bauchnabelregion zu sehen. Laut Meedia hatte Apple die Zeitschrift nicht für sein Zeitschriftenregal Newsstand zugelassen und erst als die Buchstaben das Bild etwas züchtiger machten, wurde die Wissenschaftszeitschrift bei Apple zugelassen.

Bild: Screenshot

"Es gibt keinen Ausschalter für das Netz"

Andererseits gehört Deutschland zu den Ländern, in denen das Netz am wenigsten zensiert wird. Hier ist der Wert deutlich besser als der von Russland. Bestnoten bekommt Deutschland außerdem beim Onlinezugang zu Regierungsdaten über Themen wie Wirtschaft, Bildung oder Gesundheit.

Die Quellen für den Web Index sind neben dem Ergebnis eigener Befragungen unter anderem das CIA World Factbook, die Internationale Energieagentur IEA, die Internationale Fernmeldeunion ITU, Reporter ohne Grenzen, die Weltbank sowie Wikimedia-Daten. Der Index, für den die Stiftung eine Anschubfinanzierung von Google in Höhe von einer Million Dollar bekam, soll von nun an jedes Jahr aktualisiert werden, "um das Verständnis für den Wert des Internets für die Menschheit kontinuierlich zu verbessern", wie es auf thewebindex.org heißt.

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Denn Berners-Lee ist besorgt über Bestrebungen verschiedener Nationen, das Internet zu zentralisieren, zu kontrollieren und zu zensieren. "Es gibt keinen Ausschalter für das Netz", sagte er in London. "Es gibt keinen zentralen Ort, an dem man es abschalten kann." Einen solchen Knopf will Berners-Lee auf keinen Fall, fürchtet aber, dass viele Nationen ihn installieren wollen. "Und wenn das passiert, dann ist es wirklich wichtig, dass jeder Mensch dagegen ankämpft."

Dieser Artikel ist bei Zeit.de erschienen.

Quelle: Zeit Online
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