
Sir Tim Berners-Lee hat das World Wide Web erfunden, und nun fragt er sich offenbar, was er da angerichtet hat. Gestern Abend hat er den Web Index vorgestellt, eine Übersicht darüber, in welchen Ländern das Internet wie stark genutzt wird und wie viel Einfluss es auf die Gesellschaft hat. Deutschland schafft es darin nicht einmal unter die ersten zehn.
Der Index der World Wide Web Foundation, einer gemeinnützigen Stiftung von Berners-Lee, wertet Daten zur Internetnutzung in 61 Ländern aus. Erfasst wird, wie viel Prozent der Bevölkerung das Netz nutzen, zu welchen Inhalten sie Zugang haben, welche zensiert werden und wie die Infrastruktur sowie die Regulierung aussehen. Außerdem wertet die Stiftung aus, welchen Einfluss das Internet auf die jeweilige Gesellschaft hat. Dazu beobachtet sie, wie verbreitet soziale Netzwerke, E-Partizipation oder auch E-Business sind.
Bild: dapdPlatz 30
Tunesien belegt mit 50,68 Prozent den 30. Platz von insgesamt 61 Ländern, die auf den Einfluss des Internets auf die Gesellschaft untersucht wurden.
Bild: REUTERSPlatz 29
Da es sich nicht um eine Rangliste handelt, in der es nur um die Freiheit des Internets und dessen Nutzung geht, landet China mit mit 51,72 an 29. Stelle. Wenig überraschend fällt vor allem der Einfluss des Internets auf die Politik mit 32,27 gering aus.
Bild: dpaPlatz 28
Kasachstan schafft es mit immerhin 53,46 Prozent auf Platz 28.
Bild: dapdPlatz 27
... geht an die Türkei mit einem Wert von 53,7. Besonders gering ist hier der Einfluss des Internets auf die Wirtschaft (45,98).
Bild: dpaPlatz 26
In Kolumbien liegt der Wert bei 53,86.
Bild: dapdPlatz 25
Die Polen belegen mit 54,84 Prozent Platz 25. Bei unseren europäischen Nachbarn ist vor allem der Einfluss auf die Politik durch das Internet mit einem Wert von 37,55 eher schlecht ausgeprägt.
Bild: dapdPlatz 24
Brasilien liegt mit einem Wert von 56,3 auf Platz 24.
Bild: REUTERSPlatz 23
Italien belegt mit 56,45 Prozent den 23. Platz.
Bild: dapdPlatz 22
In Mexiko liegt der Durchschnittswert für den Einfluss des Internets auf die Gesellschaft bei 57,68 Prozent. Mit 70,25 Prozent ist der Wert für den Einfluss auf die Politik relativ hoch.
Bild: rtrPlatz 21
60,75 ist der Durchschnittswert für Katar.
Platz 30
Tunesien belegt mit 50,68 Prozent den 30. Platz von insgesamt 61 Ländern, die auf den Einfluss des Internets auf die Gesellschaft untersucht wurden.
Das Land, in dem das Internet der Gesellschaft den meisten Nutzen bringt, ist Schweden. Es folgen die USA und Großbritannien. Da es sich nicht um eine Rangliste handelt, in der es nur um die Freiheit des Internets und dessen Nutzung geht, landet China im Mittelfeld, nämlich an 29. Stelle. Deutschland liegt auf Platz 16, dicht gefolgt von Portugal, Spanien und Chile.
Auffällig: Geht es nur um netzpolitische Faktoren wie politische Partizipation via Internet, liegt Deutschland sogar nur auf Rang 23 – direkt hinter Russland. Das liegt unter anderem am – laut Index – bestenfalls durchschnittlichen Einsatzes des Internets für politische Kampagnen oder für die Mobilisierung von Wählern in Deutschland. Negativ ins Gewicht fallen auch die bisher fehlenden Open-Data-Initiativen der Bundesregierung.
Bild: ScreenshotMuy interesante
Sex sells, egal ob es sich um die Seite-1-Mädchen von der Bild-Zeitung handelt oder um diesen unbekleideten jungen Mann. Die spanische Wissenschaftszeitung Muy interesante von G+J machte mit diesem Titelbild auf, allerdings waren beim Ursprungsmotiv keine großen Buchstaben unterhalb der Bauchnabelregion zu sehen. Laut Meedia hatte Apple die Zeitschrift nicht für sein Zeitschriftenregal Newsstand zugelassen und erst als die Buchstaben das Bild etwas züchtiger machten, wurde die Wissenschaftszeitschrift bei Apple zugelassen.
Bild: ScreenshotEmma mit nackten Brüsten
Dass die Zeitschrift Emma mit den äußerlichen Reizen einer Frau Männer anlocken will, kann hier einfach mal ausgeschlossen werden. Doch eine gewisse Provokation stellt das aktuelle Titelbild dar. "Die Frau ist nicht zu kaufen", lautet die Aussage der eigentlich barbusigen Blondine auf dem Titelblatt, das auch auf der Facebook-Seite des Magazins zu sehen war.
Pornografische Inhalte seien bei dem Sozialen Netzwerk nicht zugelassen, hieß es darauf hin allerdings und daher hatte Facebook das Cover der aktuellen Ausgabe vorübergehend entfernt. Kompromiss: Das Cover hat in der Facebook-Version einen Balken vor die nackten Brüste bekommen. Auf der Homepage der Emma ist es weiter im Original zu sehen.
Bild: ScreenshotPrüde Fotoregeln
Facebook bietet Nutzern auf der ganzen Welt eine Plattform zum Kommunizieren. Mitglieder können Fotos hochladen - egal ob Urlaubsschnappschüsse oder Profilbilder. Wehe aber, das Foto zeigt eine Mutter, die ihr Baby stillt. da versteht das US-Unternehmen keinen Spaß. Solch "anstößige" Fotos hat Facebook nun aus den Profilen der entsprechenden Mitglieder gelöscht oder gesperrt. Auf Facebook hat sich nun eine Gruppe namens "Breastfeeding is not obscene!" zusammengetan - über 3 700 Mitglieder soll sie mittlerweile haben.
Bild: ScreenshotAnstößiger Stinkefinger
Der Stinkefinger von Stefan Effenberg ist mittlerweile legendär, doch wenn ein Nutzer ein Bild von sich mit einem ausgestreckten Mittelfinger bei Google + hochlädt, protestiert die US-Suchmaschine. MG Siegler ist das so passiert. Sein Profilbild wurde von Google gelöschte, allerdings ohne eine Begründuhg. Darauf hin hat der Blogger das Foto erneut hochgeladen, auf seiner eigenen Webseite berichtet der Amerikaner von der Reaktion des US-Konzerns. In einer E-Mail habe ein Google-Mitarbeiter erklärt, dass es sich dabei um einen Inhalt mit "anstößigem Inhalt" handele. Nun ziert das Profil von MG Siegler das selbe Foto, das er jedoch mit einem Google+-Logo so verändert hat, dass der Mittelfinger nur noch zur Hälfte sichtbar ist.
Bild: ScreenshotPapiertüte über dem Kopf
Nicht nur Probleme mit zuviel nackter Haut scheinen die US-Unternehmen zu haben. Auch ein Spiel, bei dem verschiedene Politiker-Figuren im weißen Haus auf einem Trampolin springen, schaffte den Weg in den Apple-Store nicht auf Anhieb. "Obama Trampoline" hatte der Hersteller sein Spiel genannt - nach der Umwandlung mit den Papiertüten, die dem Spiel die politische Note nehmen sollen, heißt es schlicht "Party Trampoline" und ist auch wieder im Apple-Store erhältlich.
Bild: ScreenshotSüßigkeiten statt Drogen
Sex - drugs - und Rock'n Roll: All das zieht beim Publikum. Allerdings nicht beim US-Konzern Apple. Virtuelle Drogen kommen den Verantwortlichen da nicht in den Store, deshalb musste das Spiel "Dope Wars" draußen bleiben. Nun heißt das Spiel "Candy Wars" und darf heruntergeladen werden.
Bild: ScreenshotMe so holy
Auch nach ethischen Gesichtspunkten geht der US-Konzern Apple vor, wenn es um die Zensur der Spiele im Hauseigenen Apple-Store geht. Wegen der "sittlich anstößigen" Anwendung "Me so holy", bekamen die Programmierer der Software eine Abmahnung. Anwender konnten sich dabei für eine Religion entscheiden und dann ihr Foto einfügen - das so neu entstandene Heiligenbildnis konnte als Foto verschickt oder ins Internet hochgeladen werden.

Erotische Bildergalerie
Als praxisfern hatte der Stern das Handeln von Apple bezeichnet, als der US-Konzern die Anwendung des Magazins löschte. Grund dafür war laut Apple eine erotische Bildergalerie im November 2009. Zwar erschien die App später wieder im "App-Store", doch dies erst, nachdem es sehr viel öffentliche Aufmerksamkeit gegeben hatte. Gruner+Jahr hatte bemängelt, dass das App ohne Ankündigung aus dem Store genommen worden war.
Muy interesante
Sex sells, egal ob es sich um die Seite-1-Mädchen von der Bild-Zeitung handelt oder um diesen unbekleideten jungen Mann. Die spanische Wissenschaftszeitung Muy interesante von G+J machte mit diesem Titelbild auf, allerdings waren beim Ursprungsmotiv keine großen Buchstaben unterhalb der Bauchnabelregion zu sehen. Laut Meedia hatte Apple die Zeitschrift nicht für sein Zeitschriftenregal Newsstand zugelassen und erst als die Buchstaben das Bild etwas züchtiger machten, wurde die Wissenschaftszeitschrift bei Apple zugelassen.
"Es gibt keinen Ausschalter für das Netz"
Andererseits gehört Deutschland zu den Ländern, in denen das Netz am wenigsten zensiert wird. Hier ist der Wert deutlich besser als der von Russland. Bestnoten bekommt Deutschland außerdem beim Onlinezugang zu Regierungsdaten über Themen wie Wirtschaft, Bildung oder Gesundheit.
Die Quellen für den Web Index sind neben dem Ergebnis eigener Befragungen unter anderem das CIA World Factbook, die Internationale Energieagentur IEA, die Internationale Fernmeldeunion ITU, Reporter ohne Grenzen, die Weltbank sowie Wikimedia-Daten. Der Index, für den die Stiftung eine Anschubfinanzierung von Google in Höhe von einer Million Dollar bekam, soll von nun an jedes Jahr aktualisiert werden, "um das Verständnis für den Wert des Internets für die Menschheit kontinuierlich zu verbessern", wie es auf thewebindex.org heißt.
Denn Berners-Lee ist besorgt über Bestrebungen verschiedener Nationen, das Internet zu zentralisieren, zu kontrollieren und zu zensieren. "Es gibt keinen Ausschalter für das Netz", sagte er in London. "Es gibt keinen zentralen Ort, an dem man es abschalten kann." Einen solchen Knopf will Berners-Lee auf keinen Fall, fürchtet aber, dass viele Nationen ihn installieren wollen. "Und wenn das passiert, dann ist es wirklich wichtig, dass jeder Mensch dagegen ankämpft."











