Ex-BND-Chef Hanning : "Wir haben noch erhebliche Defizite"

Ex-BND-Chef Hanning : "Wir haben noch erhebliche Defizite"

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August Hanning (2008)

von Thomas Kuhn

Der Ex-Präsident des Bundesnachrichtendienstes über Schwierigkeiten beim Schutz vor Cyber-Angriffen.

WirtschaftsWoche: Bei Sicherheitsexperten gilt das Internet als fünftes militärisches Gefechtsfeld neben Boden, Luft, Wasser und Weltraum. Dennoch seien die westlichen Staaten nur unzulänglich gegen digitale Angriffe geschützt. Wie gefährdet ist Deutschland?

Hanning: Sehr. Die Entwicklung der vergangenen 20 Jahren hat unsere Gesellschaft technisch revolutioniert. Vernetzte Computer prägen den Alltag. Sie sind existenziell für das Funktionieren unserer Gesellschaft. Das hat enorme Auswirkungen auf die Szenarien der Kriegführung. Auch das Militär selbst ist computerisiert und damit ein potenzielles Ziel von IT-Attacken.

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Sind digitale Angriffe wie etwa der auf die IT der Bundesverwaltung Vorboten der neuen Bedrohung?

Ja. Und die Bedrohung wird zunehmen. Ich glaube, dass wir unsere Regierungsnetze wirksam schützen. Doch im Bereich der Wirtschaft, speziell bei kleineren und mittleren Unternehmen, haben wir noch erhebliche Defizite. Viele Verantwortliche dort sind sich der Gefahr digitaler Angriffe nicht bewusst.

Und die privaten Infrastrukturen, ob Energieversorgung, Telekommunikation, Wasserversorgung oder Gesundheitswesen: Kann der Staat die überhaupt sichern?

Effizienter Schutz ist weniger eine Frage rechtlicher Kompetenzen als einer vernünftigen Kooperation zwischen Staat und Wirtschaft. Die Bundesregierung hat zum Schutz dieser Infrastrukturen mit der Wirtschaft einen „Leitfaden Risiko- und Krisenmanagement“ entwickelt, um den Verantwortlichen im Ernstfall Hilfen zu geben. Trotz aller Maßnahmen von Staat und Privaten nach dem 11. September 2001, wir bleiben verwundbar. Man kann ein Industrieland wie die Bundesrepublik nicht 100-prozentig schützen. Sie können Angriffe nur erschweren und die Auswirkungen begrenzen.

Der Stuxnet-Virus, der das iranische Atomprogramm sabotieren sollte, gilt als Prototyp künftiger High-Tech-Angriffe.

Das sehe ich auch so. Ein so professionell erstelltes Virus ist eine neue Dimension der Bedrohung. Damit wurde offenkundig versucht, in sensible Systeme von Industrieanlagen einzudringen.

Wären im Kalten Krieg Panzer über Grenzen gerollt, hätte das Krieg bedeutet. Wo aber endet im digitalen Zeitalter Computerkriminalität, und wo beginnt Cyberwar?

Ich glaube, hier versagen die klassischen Kategorien für die Definition eines Verteidigungsfalles. Natürlich drängt sich in Fällen wie Estland oder Georgien, wo Angriffe aus einem bestimmten Land festgestellt wurden, der Eindruck gezielter Aktionen auf. Aber selbst da ist der Nachweis der Verantwortung bestimmter Staaten sehr schwierig.

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