Explorer-Entwickler Hachamovitch : "Ich bin nicht schizophren"

Explorer-Entwickler Hachamovitch : "Ich bin nicht schizophren"

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Dean Hachamovitch

von Thomas Kuhn

Der Chefentwickler von Microsofts Web-Browser über den neuen Internet Explorer 9, emanzipierte Onliner, Spanner im Netz und innere Konflikte.

WirtschaftsWoche: Herr Hachamovitch, sind Sie eigentlich sehr unbeliebt bei Ihren Kollegen?

Hachamovitch: Unbeliebt? Nein, ich kann nicht klagen. Warum fragen Sie?

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Sie haben in den neuen Internet Explorer 9 (IE 9) eine Funktion integriert, mit der Nutzer verhindern können, dass ihr Surfverhalten analysiert und ihnen passende Werbung angezeigt wird. Dieser Trackingfilter ist ein Frontalangriff auf das aktuell heißeste Thema im Online-Werbemarkt – auch für Microsofts Suchmaschine Bing.

So widersprüchlich ist es nicht. Vor allem, wenn man den richtigen Blickwinkel hat. Der IE 9 soll Windows-Nutzern ein effektives und sicheres Arbeiten ermöglichen. Dazu gehört, dass die Nutzer sicher sein können, dass sie ihr Verhalten nur den Web-Seitenbetreibern offenbaren, bei denen sie das auch wollen. Alle anderen Spanner im Netz können sie sperren.

Also womöglich auch Microsoft?

Das kann passieren. Es war aber kein Zielkonflikt für uns, weil wir uns bei der Entwicklung auf die Nutzerinteressen konzentriert haben. Das ist eine strategische Entscheidung für Microsoft. Online-Werbeverkäufe sind ein Geschäft, die Browserentwicklung ein anderes. Auch in Outlook gibt es einen Mail-Filter, mit dem sich Kunden vor Massen-E-Mails schützen können, obwohl auch wir Serien-E-Mails an unsere Kunden verschicken. Es sind zwei Seiten des Online-Geschäfts, und Microsoft ist eben auf beiden aktiv.

Wie schizophren muss man denn sein, damit das funktioniert?

Ich jedenfalls bin nicht schizophren. Andere Anbieter von Browsern, die Online-Werbung als wichtigste Einnahmequelle haben, stecken da eher in einem Interessenkonflikt.

Sie meinen Google?

In Googles Haut möchte ich beim Tracking nicht stecken. Jede Werbung, die in deren Chrome-Browser nicht angezeigt wird, fehlt denen sofort in der Kasse.

Angesichts von Googles Gewinnsituation scheint das nicht so schmerzhaft.

Hachamovitch (lacht): Na ja, jedenfalls nicht allzu heftig. Aber an der Frage, ob sich die Onliner in Zukunft weiter ausspähen lassen wollen, kommt auch Google nicht vorbei.

Sowohl die Chrome-Entwickler als auch das Mozilla-Konsortium, das den Firefox entwickelt, haben angekündigt, ebenfalls Tracking-Filter in die Browser einzubauen.

Das müssen sie – zwangsläufig. Die Frage der Privatsphäre wird auch in den USA immer drängender. Die Zahl der Unternehmen explodiert, die uns bei jeder Bewegung im Netz ausforschen, ohne dass wir das mitbekommen. Hier müssen die Onliner endlich die Chance zur Emanzipation und zum Schutz ihrer Privatsphäre bekommen. Die bieten wir nun mit dem IE 9.

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