Facebook-Erfahrungsbericht: Vorbildlich effiziente Klatschbase

Facebook-Erfahrungsbericht: Vorbildlich effiziente Klatschbase

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Foto einer persönlichen Facebook-Seite

Einst belächelt, nun bewundert: Die Seite Facebook.com hat sich von einem simplen Online-Netzwerk für die College-Elite zum veritablen Google-Nachfolger hochgehantelt. Ich nutze Facebook nun seit einigen Monaten. Mein Fazit: Es eignet sich perfekt für die Kontaktpflege mit weit entfernten Freunden. Von einigen Anwendungen sollte man aber die Finger lassen.

Meine Freundin Anna ist vor kurzem die Treppe hinuntergefallen. Dabei hat sie sich nicht nur blaue Flecken, sondern auch ein lädiertes Ego zugezogen. Heather ist glücklich, dass sie gestern Abend Ben Folds gesehen hat. Fabian ist am Weg in den österreichischen Ski-Ort Zell am See, während sich Christine auf weitere Mediationsstunden freut.

Werden diese Informationen mein Leben verändern? Mit großer Sicherheit nicht. Aber neugierige Menschen wie mich interessiert natürlich, was mein Freundeskreis so treibt. Dank meiner Mitgliedschaft bei Facebook bin ich seit einigen Monaten darüber bestens im Bilde.

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Früher war solcher Klatsch für mich mit einer Menge Telefonate verbunden. Anna lebt in Kanada, Heather in den USA, Fabian in Österreich und Christine reist derzeit durch Indien. Sie kennen sich einander nicht – und hätten sich vermutlich auch wenig zu sagen. Früher lief unser Kontakt, wenn wir uns nicht persönlich trafen, vor allem via E-Mail. Heute bekomme ich diese Zustandsmeldungen bei jedem Facebook-Login frei Haus geliefert.

Website mit Suchtfaktor?

Möglich macht all das ein kleines Kästchen rechts oben auf meiner Facebook-Seite. Unter dem Stichwort Status Updates trage ich ziemlich regelmäßig ein, wie ich mich gerade fühle oder was mich beschäftigt. Genau das tun einige meiner Freunde auch - und deren Zustandsmeldungen werden nach dem Einloggen automatisch in meine eigene Facebook-Seite eingespeist.

Ich erinnere mich noch genau, was mir eine Freundin schrieb, als sie Facebook automatisch über meine Anmeldung informierte: „Wilfried, welcome to Crackbook!“ Sie meinte damit scherzhaft, dass die Seite so süchtig macht wie die Droge Crack. Ein paar Monate später muss ich zugeben, dass sie damit nicht so unrecht hat. Denn abgesehen von meiner E-Mail-Website ist Facebook wohl jene Seite, die ich am häufigsten aufrufe.

Automatismen und vorbildliches Design

Es sind Automatismen wie der Status Update, die für mich den Reiz von Facebook ausmachen. Im sogenannten News Feed sehe ich, womit die in meinem Facebook-Adressbuch aufgenommenen Freunde unlängst die Zeit totgeschlagen haben. Möglichkeiten dafür gibt es auf Facebook viele: Man kann Botschaften auf den virtuellen Wänden von Freunden hinterlassen, E-Mails schreiben, Bildergalerien erstellen, Artikel empfehlen – oder an Quizzen über Filmstars und zu Recht vergessenen TV-Serien teilnehmen.

Ein zweiter Pluspunkt von Facebook ist das vorbildlich übersichtliche Design. Bildergalerien lassen sich über ein beeindruckend simples Interface ebenso hochladen wie Empfehlungen zu bestimmten Artikeln. Nutzer können ihre Seiten zwar mit einer Vielzahl von Anwendungen aufmöbeln. Doch Facebook-Seiten liegt immer das selbe, kühl-blaue Grundgerüst zugrunde. Deshalb gelingt es mir auch mühelos, mich auf auf den teils überfrachteten Seiten von Freunden zurechtfinden.

Ich schreibe absichtlich von Freunden. Mein Facebook-Adressbuch enthält ausschließlich Namen von Menschen, die ich persönlich getroffen habe. Für mich liegt darin einer der angenehmsten – und größten – Unterschiede zu anderen Netzwerkseiten. Im Gegensatz zu Xing oder MySpace bietet Facebook vor allem eine Suche nach realen Namen oder Gruppen. Zwar kann man über die erweiterte Suche auch nach Hobbies oder Aktivitäten suchen. Bislang enfallen für mich bei Facebook jene nervigen Kontaktanfragen und Werbe-Mails, mit denen ich mich als Journalist auf anderen Online-Netzwerken herumplagen muss.

Vorsicht vor zu viel persönlichen Informationen

Mit den Informationen, die ich auf Facebook stelle, bin ich allerdings vorsichtig. Denn der Vorteil, dass meine Kontakte all meine Aktivitäten mitverfolgen können, kann leicht auch zum Nachteil werden. So nutze ich ein Facebook-Programm namens Visual Bookshelf, das ein paar der von mir gerade gelesenen Bücher listet. Freunde können mir dann ähnliche Bücher empfehlen. Doch allzu viele Einträge wird Visual Bookshelf von mir nicht bekommen. Da auch wildfremde Personen meine Einträge sehen könnten, bin ich hier etwas vorsichtig. Denn meine Buchvorlieben sagen vermutlich einiges über mich aus.

Als nervig empfinde ich zunehmend auch völlig sinnentleerte Anwendungen wie „Superpoke“. Damit kann man Freunde virtuell zwicken, anstoßen, umarmen – oder ein Cartoon-Schaf auf sie werfen. Die ersten Male ist das witzig, irgendwann gings mir dann ziemlich auf die Nerven.

Ob Facebook wirklich ein neues „Computer-Betriebssystem“ werden wird, wie es dem Gründer Mark Zuckerberg vorschwebt? Solche Superlative sind unter Internet-Firmen nicht gerade selten, und der Erfolg von Facebook lässt sich längst noch nicht absehen. Fest steht für mich allerdings, dass Facebook mit seiner intelligenten Art der Klatsch-News tatsächlich etwas fundamental Neues bietet. Und das ist spannend genug für mich, um mich regelmäßig einzuloggen.

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