Facebooks Kampf gegen Fake News: "Es geht uns nicht um Meinungsäußerungen"

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InterviewFacebooks Kampf gegen Fake News: "Es geht uns nicht um Meinungsäußerungen"

von Michael Kroker und Astrid Maier

Dan Rose, Facebooks Vizepräsident für Partnerschaften und Plattform-Marketing, erläutert im Interview am Rande der DLD-Konferenz in München die Gründe für die kürzlich angekündigte Partnerschaft mit Correctiv rund um Fake News – und warum das soziale Netzwerk Wert darauf legt, den Faktencheck von Drittanbietern übernehmen zu lassen.

Facebook hat am Sonntag angekündigt, gemeinsam mit dem Recherchebüro Correctiv in Deutschland gegen Fake News vorgehen zu wollen. War der politische Druck in Deutschland so groß, dass Sie mit dieser Partnerschaft reagieren mussten?
Dan Rose: Wir haben bereits im Dezember vergleichbare Bemühungen in den USA gestartet. Dort haben wir uns mit einer ganzen Reihe von unabhängigen Drittanbietern zusammengetan, die auf Faktencheck spezialisiert sind. Dieses Vorgehen soll sicherstellen, dass unsere Nutzer zusätzliche Informationen erhalten, wenn sie umstrittene Artikel teilen wollen. Uns geht es darum, dass ernsthafte Falschmeldungen auch als solche erkannt und dem Facebook-Nutzer entsprechend dargestellt werden. Deutschland ist unser erstes Land außerhalb der USA, in dem wir diese Strategie auch anwenden und wir planen die Expansion in weitere Länder.

Warum benötigt Facebook überhaupt Drittanbieter für den Faktencheck? Könnte das nicht auch intelligente Technologie bewältigen?
Wir erachten es als sehr wichtig, dass Menschen in diesen Vorgang involviert sind – und dass es nicht Facebooks Rolle sein kann, diese Überprüfungen selber durchzuführen. Deswegen sind Kooperationen mit unabhängigen Partnern, die Spezialisten in Sachen Faktencheck sind, für uns der richtige Weg.

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Das Netzwerk will auch in Deutschland stärker gegen gefälschte Nachrichten vorgehen. Quelle: AP


Fürchtet Facebook nicht auch, im Zuge der der Bundestagswahl in Deutschland dafür verantwortlich gemacht zu werden, falls umstrittene und spaltende Parteien erfolgreich werden, ähnlich wie es im Nachgang der Präsidentschaftswahl in den USA passiert ist?
Ganz eindeutig sprechen sehr viele Leute auf Facebook über die Wahlen, denn wir sind für viele Nutzer eine wichtige Plattform für Diskussionen über Politik. Umgekehrt nutzen viele Politiker Facebook, um ihre Wählerschaft mit ihren Botschaften zu adressieren. Wir begrüßen das sehr, weil Menschen sich heute viel direkter und schneller mit Politikern vernetzen können, als dies früher der Fall war.
Und wenn eine Story erwiesenermaßen falsch ist – etwa wenn jemand behauptet, dass eine bekannte Persönlichkeit verstorben sei, diese aber tatsächlich am Leben ist – wollen wir, dass Facebook-Nutzer über diese Tatsache informiert werden, bevor sie eine solche Story durch Teilen weiterverbreiten. Und um das deutlich herauszustellen: Es geht uns nicht um Meinungsäußerungen.

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Der künftige US-Präsident Donald Trump. Quelle: AP


Wie wählt Facebook seine Partner für derartige Faktenchecks aus? Welche Anforderungen müssen diese erfüllen?
Alle unsere Partner müssen einen international gültigen Verhaltenskodex für Faktencheck unterschreiben, den das unabhängige amerikanische Journalismus-Institut Poynter verfasst hat. Ansonsten möchten wir idealerweise mehrere Drittanbieter für die Zusammenarbeit gewinnen. In den USA haben wir schon mit einer Handvoll Partner gestartet. Und wir sind sehr froh, in Zukunft auch in Deutschland den Test mit Correctiv beginnen zu können.

Werden Sie in Deutschland bald weitere Partner neben Correctiv dazubekommen?
Unser Ziel lautet ganz klar, dass wir mit weiteren Organisationen zusammenarbeiten wollen. Derzeit haben wir aber nichts zu verkünden.

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