Filmbranche: Wie digitale Superhelden das Kino verändern

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Filmbranche: Wie digitale Superhelden das Kino verändern

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The Amazing Spiderman-Regisseur Marc Webb (rechts) mit den Schauspielern Emma Stone und Andrew Garfield. Der neue Spiderman-Film wurde komplett digital gefilmt

von Benjamin Reuter

Erstmals zeigen in diesem Jahr weltweit mehr Kinos Filme digital als auf Zelluloid. Die milliardenschwere Branche steht vor dem größten Umbruch seit Erfindung des 35-Millimeter-Streifens.

Mühelos krabbelt Spiderman eine Glasfassade entlang, stößt sich ab, stürzt in die Tiefe – und schwingt wie ein Pendel durch die Häuserschluchten von New York. Die Szenen im vierten Teil der Spinnensaga, der gerade in den Kinos angelaufen ist, wirken so perfekt choreografiert, als könne man sie nur am Computer erzeugen. Doch Regisseur Marc Webb hat die Einstellungen in monatelanger Kleinarbeit in den Straßen von Big Apple gedreht. Möglich machten es ein erfahrenes Stuntteam, Gerüste und Schienen – und ein weiterer heimlicher Superheld am Set: die Digitalkamera Red Epic.

„Herkömmliche Kameras hätten wir nie so schnell durch die Luft wirbeln können“, sagt Webb. Dafür sind andere Modelle zu schwer und klobig. Die Red dagegen ist mit 2,3 Kilogramm rund vier Mal so leicht wie herkömmliche Geräte. Als sie im Jahr 2008 auf den Markt kam, war sie die erste Digitalkamera, die genauso scharfe Bilder lieferte wie ein analoges 35-Millimeter-System. Heute gehört sie bei vielen Hollywood-Produktionen zum Standard.

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Das beschert den Zuschauern schon in Dutzenden Filmen wie Fluch der Karibik oder Snow White and the Huntsman schnellere Kamerafahrten und waghalsigere Einstellungen. Und bald, glaubt Herr-der-Ringe-Regisseur Peter Jackson, verschafft die Digitaltechnik dem Publikum eine neue, „lebensechte“ Kinoerfahrung.

Jackson hat die erste Folge seiner Hobbit-Reihe, die im Dezember in die Kinos kommt, digital und mit 48 Bildern pro Sekunde gedreht. Bisher waren 24 Aufnahmen in der Sekunde Standard. Diese nun viel dichtere Bildfolge soll dafür sorgen, dass es vor allem bei schnellen Kameraschwenks, zum Beispiel bei Verfolgungsjagden, keine Unschärfen mehr gibt.

Doch die Digitalisierung verändert nicht nur das Leinwanderlebnis. Sie bringt auch der Kinoindustrie den größten Umbruch, seit der Ton- den Stummfilm verdrängt hat. Denn mit dem Siegeszug der neuen hochauflösenden Digitalkameras, wie sie seit 2010 auch der deutsche Hersteller Arri unter dem Namen Alexa anbietet, stirbt der herkömmliche Film aus.

Mit der digitalen Revolution kommen 100 Jahre Kinotechnik an ihr Ende.

Atemberaubende Auflösung

So werden Regisseure in diesem Jahr laut den englischen Marktanalysten von IHS weltweit nur noch eine Million Kilometer Film verbrauchen, 2008 waren es noch vier Millionen. Auch die Kinos rüsten um. Anfang 2012 waren weltweit erstmals mehr Säle mit Digital- als mit Filmprojektoren ausgestattet. Der letzte Rohfilm, 35 Millimeter breit und seitlich pro Bild sechsfach gelocht, wird 2015 belichtet, prophezeien die IHS-Experten.

Initiiert hat diesen Umbruch James Jannard – ausgerechnet ein Liebhaber des Analogen. Denn Jannard, Gründer der US-Brillenmarke Oakley und Multimilliardär, besitzt neben vier Flugzeugen eine Sammlung von rund 1000 alten Fotoapparaten und Filmkameras. Weil der 63-Jährige mit der Leistung digitaler Aufzeichnungsgeräte unzufrieden war, beschloss er 2004, eine eigene Kamera zu entwickeln. Sein Ziel: Die Bildqualität sollte mit 35-Millimeter-Film mithalten können.

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