Flüchtlingshilfe 2.0: Gebündelte IT-Kompetenz für schnellere Integration

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Flüchtlingshilfe 2.0: Gebündelte IT-Kompetenz für schnellere Integration

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Professionelle Programmierer arbeiten am 24.10.2015 in Berlin während des Refugee Hackathon ehrenamtlich an der Applikation Waslchiraa.

Über 300 Programmierer, Grafiker und Ehrenamtler haben sich an diesem Wochenende in Berlin zum bislang wohl größten Hackermarthon für Flüchtlinge getroffen. Zusammen mit Betroffenen entwickeln sie digitale Hilfsmittel wie Apps und Plattformen.

Es ist spät geworden an diesem Samstagabend in Berlin. Draußen ist es schon seit Stunden dunkel, aber drinnen leuchten immer noch die Bildschirme der zahlreichen Laptops und Tablets. In fast jeder Ecke sitzen Teams aus Programmieren, Designer und Flüchtlingsinitiativen. Sie haben unbezahlt, 48 Stunden lang an Apps, Plattformen und anderen digitalen Hilfsmitteln für Flüchtlinge gearbeitet. Das Ergebnis: Für über ein Dutzend Anwendungen von Sprachkursen, über Jobvermittlung bis hin zu Austauschplattformen sind die Grundsteine gelegt.

Anlass war der Refugee Hackathon in Berlin. Was Facebook, Google und viele andere IT-Firmen in regelmäßigen Abständen intern organisieren, um in relativ kurzer Zeit Software zu entwickeln, hat jetzt also auch Einzug in der Flüchtlingshilfe: In Städten wie London, Wien, Hamburg, Mannheim und jetzt auch in Berlin finden Programmiermarathons, Hackathons, für den guten Zweck statt.

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Über das Mittelmeer nach Europa: Zahlen zu Flüchtlingen

  • Flucht nach Europa

    Trotz der lebensgefährlichen Fahrt über das Mittelmeer wagen viele Tausend Menschen die Flucht nach Europa. 219.000 Menschen flohen laut Flüchtlingshilfswerk UNHCR 2014 über das Mittelmeer nach Europa; 2015 waren es bis zum 20. April 35.000.

  • Tot oder vermisst

    3.500 Menschen kamen 2014 bei ihrer Flucht ums Leben oder werden vermisst; im laufenden Jahr sind es bis zum 20. April 1600.

  • Zahl der Flüchtlinge in Europa

    170.100 Flüchtlinge erreichten 2014 über das Meer Italien (Januar bis März 2015: mehr als 10.100); weitere 43.500 kamen nach Griechenland, 3.500 nach Spanien, 570 nach Malta und 340 nach Zypern.

  • Syrer

    66.700 Syrer registrierte die EU-Grenzschutzagentur Frontex 2014 bei einem illegalen Grenzübertritt auf dem Seeweg, 34.300 Menschen kamen aus Eritrea, 12.700 aus Afghanistan und 9.800 aus Mali.

  • Asylantrag

    191.000 Flüchtlinge stellten 2014 in der EU einen Asylantrag (dabei wird nicht unterschieden, auf welchem Weg die Flüchtlinge nach Europa kamen). Das sind EU-weit 1,2 Asylbewerber pro tausend Einwohner.

  • 123.000 Syrer...

    ...beantragten 2014 in der EU Asyl (2013: 50.000).

  • Asylbewerber in Deutschland

    202.700 Asylbewerber wurden 2014 in Deutschland registriert (32 Prozent aller Bewerber), 81.200 in Schweden (13 Prozent) 64.600 in Italien (10 Prozent), 62.800 in Frankreich (10 Prozent) und 42.800 in Ungarn (7 Prozent).

  • Steigende Zahl der Asylbewerber

    Um 143 Prozent stieg die Zahl der Asylbewerber im Vergleich zu 2013 in Italien, um 126 Prozent in Ungarn, um 60 Prozent in Deutschland und um 50 Prozent in Schweden.

  • Aufnahme der Flüchtlinge

    Mit 8,4 Bewerbern pro tausend Einwohner nahm Schweden 2014 im Verhältnis zur Bevölkerung die meisten Flüchtlinge auf. Es folgten Ungarn (4,3), Österreich (3,3), Malta (3,2), Dänemark (2,6) und Deutschland (2,5).

  • Überfahrt nach Italien oder Malta

    600.000 bis eine Million Menschen warten nach Schätzungen der EU-Kommission allein in Libyen, um in den nächsten Monaten die Überfahrt nach Italien oder Malta zu wagen.

„Flüchtlinge müssen einfacher ankommen können, schneller integriert und früher unabhängiger werden“, sagt Organisatorin und Netzaktivistin Anke Domscheit-Berg. Anfang September kam ihr die Idee zum Event. „Das können wir durch kluge Apps und Webdienste schaffen. So lassen sich leichter Verbindungen von Mensch zu Mensch knüpfen und das in Echtzeit.“ Einen direkten Austausch auf Augenhöhe, das ist es, was sich viele der Flüchtlinge, die zum Hackathon gekommen sind wünschen. „Nennt uns nicht immer Flüchtlinge, sondern lieber Neuankömmlinge“, ruft eine Frau aus dem Publikum.

Oft fehlt es an wesentlichen Informationen

Das sieht der 30-jährige Grafikdesigner Hekmat ähnlich. Vor drei Wochen ist er in Deutschland angekommen. In seiner Heimat Syrien war er nicht mehr sicher. Beim Hackathon hat er mitgemacht, um seine Erfahrungen zu teilen, aber auch und mit seinem Fachwissen als Designer helfen zu können. „Wir Flüchtlinge sind nicht eine Millionen Probleme. Wir können etwas und wollen uns einbringen“, so Hekmat.

Flüchtlinge in Deutschland Helfen per App

Das Interesse an der Flüchtlingshilfe ist hoch. Informationen darüber, wie Freiwillige helfen können, sind oft schwer zu finden. Derzeit entstehen zahlreiche Apps für Flüchtlinge und Helfer.

Quelle: dpa

Häufig fehlt es aber an wesentlichen Informationen, die eine Integration erschweren. Digitale Projekte wollen dabei helfen. Die passende App oder Plattform aber überhaupt zu finden, ist sowohl für Flüchtlinge als auch für Helfer ein Problem. Ihnen fehlt der Überblick. Um das zu ändern, ist während des Refugee Hackathons die Idee zum Projekt „The Brain“ entstanden: eine Plattform, die alle Angebote im Bereich digitaler Flüchtlingshilfe bündeln und verlinken soll.

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