Forschung: Computermaus & Co: Das Neueste aus der Denkfabrik PARC

Forschung: Computermaus & Co: Das Neueste aus der Denkfabrik PARC

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Die Idee zur Computermaus kam aus der Denkfabrik PARC in Palo Alto

Im Forschungslabor PARC wurden einst die Computermaus und der Laserdrucker erfunden. Ein Besuch in der berühmtesten Denkfabrik des Silicon Valley.

Es ist acht Uhr morgens in Palo Alto, Kalifornien. Sophie Vandebroek ist schon seit mehreren Stunden auf den Beinen, hat mit ihrem Mitarbeiterstab an der US-Ostküste telefoniert und die erste Runde E-Mails abgefeuert.

Die 45-jährige zierliche Frau mit den kurz geschnittenen dunklen Haaren, modischer Brille und einem ansteckenden Lachen ist eine Ausnahmeerscheinung. Die gebürtige Belgierin ist der einzige weibliche Technologievorstand eines großen börsennotierten US-Konzerns. Seit Februar 2006 leitet sie die Forschung beim Kopierpionier Xerox, der mit Druckern, Scannern, Kopierern und Software für das Dokumentenmanagement im vergangenen Jahr 17,2 Milliarden Dollar umsetzte.

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Vandebroeks Mission: Sie soll den Koloss Xerox – 57.400 Mitarbeiter in 160 Ländern – mit stets neuen Produkten unablässig in Schwung halten. Dazu steht ihr ein jähr-liches Forschungs- und Entwicklungsbudget von knapp einer Milliarde Dollar zur Verfügung. Hinzu kommt eine halbe Milliarde Dollar, die Kooperationspartner Fujitsu beisteuert. Das meiste Geld fließt in die Produktentwicklung; vom Rest werden unter anderem weltweit fünf Forschungszentren finanziert, etwa das legendäre PARC – Palo Alto Research Center auf den Hügeln über Palo Alto, in dem sich Vandebroek heute morgen aktuelle Projekte vorstellen lässt.

Aus den Fenstern des Flachbaus haben die Forscher einen traumhaften Blick auf das Silicon Valley. Die Aussicht ist offenbar anregend. Jedenfalls wurde in dem 1970 gegründeten Center entwickelt, was den Arbeitsalltag von Millionen Menschen gravierend veränderte. Dazu gehört die Computermaus, der Laserdrucker und eine Textverarbeitungssoftware, die dem Benutzer schon beim Tippen zeigt, wie der spätere Ausdruck auf Papier aussehen wird. Elemente zur einfachen, beinahe idiotensicheren Bedienung von Computerprogrammen, die heute selbstverständlich sind – grafische Symbole, Menüleisten und Fensterstrukturen –, wurden im Forschungszentrum Palo Alto erdacht und programmiert.

Spielwiese für weltfremde Wissenschaftler?

„Im PARC haben einige der hellsten Köpfe der Welt gearbeitet“, sagt Zukunftsforscher Paul Saffo. Beispielsweise der heutige Google-Chef Eric Schmidt. Einziger Schönheitsfehler der Erfolgsgeschichte: Zumeist machten andere Unternehmen wie Apple oder Microsoft mit den Entwicklungen des PARC das große Geld. Das hat dem Forschungszentrum den zweifelhaften Ruf einer Spielwiese für weltfremde Wissenschaftler eingetragen. Vandebroek missfällt die Einschätzung. „PARC hat sich für Xerox sehr wohl bezahlt gemacht, allein schon wegen der Verkaufszahlen des Laserprinters“, protestiert sie. Allerdings hält es die Technologiechefin durchaus für notwendig, Projekte zu straffen und stärker auf den Markterfolg hin auszurichten.

Nicht nur die Xerox-Forscher stehen unter Druck. In allen börsennotierten Unternehmen sind die Aktionäre weniger an wissenschaftlichem Ruhm als an einer Steigerung der Profite interessiert. Das bekommen auch die Entwickler von IBM und Hewlett-Packard zu spüren. HP-Konzernchef Mark Hurd hat kürzlich die Parole ausgegeben, sich auf eine geringere Zahl von Projekten zu konzentrieren und diese dafür finanziell besser auszustatten. Hurd will eine größere Zahl konkreter Produkte mit realem Umsatzpotenzial sehen.

Sophie Vandebroek, Xerox-Forschungschefin

Sophie Vandebroek, Xerox-Forschungschefin

Das PARC hat die Neuausrichtung weitgehend vollzogen. Im Jahr 2002, Xerox war damals tief in die roten Zahlen gerutscht, gliederte der Konzern das Zentrum in eine selbstständige Tochterfirma aus und unterstützt es seither nur noch mit rund 60 Millionen Dollar jährlich, etwas mehr als die Hälfte des Etats. Den Rest müssen die Forscher durch eigene Projekte finanzieren: Etwa die Hälfte der Aufträge kommt von externen Kunden und Gründern.

Wie die Kooperation funktioniert, zeigt das Beispiel SolFocus. Die Solarfima, die mit 63 Millionen Dollar Wagniskapital ausgestattet ist, bewegt sich im heftig umkämpften Markt für Solar-Konzentratoren. Sie fokussieren das Sonnenlicht auf die Solarzellen, wodurch die Energieausbeute steigt. Doch der Prototyp überzeugte die PARC-Forscher nicht – zu groß, zu anfällig und zu aufwendig war das System. Zusammen mit dem Startup entwickelten sie ein neues Design: eine flache Glasplatte, auf der optische Linsen aufgebracht sind, die das Licht in 500-facher Stärke auf die nur einen Zentimeter großen Solarzellen lenken, die in der Mitte der Linse aufgebracht sind. Die Qualität der Zellen entspricht derjenigen aus der Weltraumforschung. PARC ließ sich die Entwicklungsarbeiten mit SolFocus-Aktien bezahlen. Wie groß der Anteil an dem Unternehmen ist, verrät PARC-Chef Bernstein erst nach einigem Zögern: „Weniger als zehn Prozent.“

Neuartige Suchmaschine

Ein ähnliches Finanzierungsmodell soll Powerset auf die Sprünge helfen. Die Ausgründung von PARC entwickelt eine neuartige Suchmaschine, die konkrete Fragen beantworten kann. Firmen wie AskJeeves haben das mit Millionensummen schon früher versucht – und sich die Zähne daran ausgebissen. Doch Powerset-Technikchef Barney Pell ist überzeugt, dass er das Problem mit der Hilfe von Xerox lösen kann.

Informatikspezialisten des Unternehmens arbeiten seit der Mitte der Neunzigerjahre an Software, die den Inhalt von Textdokumenten versteht. Viele Erkenntnisse daraus sind in die Beta-Version von Powerset eingeflossen. Auf die Frage: „Wann wurde Google gegründet?“ gibt sie schon die richtige Antwort: „Am 7. September 1998“, und belegt sie mit Quellen. Das funktioniert so schnell, weil die Suchmaschine derzeit nur das Online-Lexikon Wikipedia abfragt. „Die Suchanfrage können wir aber auch auf das gesamte Internet anwenden“, behauptet Christopher Dance, der sich im französischen Grenoble auf die Entwicklung semantischer Suchmaschinen spezialisiert hat.

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