Frequenz-Auktion: Das Milliardenspiel beginnt

Frequenz-Auktion: Das Milliardenspiel beginnt

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Deutsche Telekom, Telefonica und Vodafone pokern bei der Versteigerung der Bundesnetzagentur.

von Thomas Kuhn

Ab Mittwoch versteigert die Bundesnetzagentur den wertvollsten Rohstoff der Mobilfunkbranche: Die Netzbetreiber bieten um Frequenzen für Sprach- und Datenübertragung. Den Bürgern soll das schnelleres Internet in abgelegenen Regionen bringen – dem Finanzminister einen Milliardenerlös. Worum genau geht es – und welches Unternehmen braucht welche Frequenzen? Die wichtigsten Antworten.

Sie haben die Strategien monatelang durchgespielt. In immer neuen Szenarien haben die Projekt-Teams der drei großen deutschen Netzbetreiber hinter verschlossenen Türen die Auktion simuliert, die möglichen Strategien der Konkurrenz durchdacht, Gebote abgegeben und versucht, Muster zu erkennen. Wenn Jochen Homann, der Präsident der Bundesnetzagentur, am Mittwoch in Mainz die Versteigerung von 31 Frequenzblöcken für Sprachtelefonie und mobile Datenübertragung startet, geht es nicht nur um den wertvollsten Rohstoff der Mobilfunkbranche. Es beginnt auch der wohl größte Feldversuch zur Spieltheorie in diesem Jahr.

Denn den Kontrahenten ist die Abstimmung untereinander strikt verboten. Die Biet-Computer sind extrem abgeschottet. Zudem arbeiten die Auktionsteams von Deutscher Telekom, Telefónica und Vodafone in hermetisch abgeschlossenen Büros, den sogenannten „War-Rooms“.

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Jeglicher direkte Informationsfluss zöge – wenn er denn entdeckt würde – den unmittelbaren Ausschluss aus dem Verfahren nach sich. Angesichts der Tatsache, dass auch fast alle Frequenzen im 900- und im 1800-Megahertz-Band neu versteigert werden, mit denen der digitale Mobilfunk vor rund zwanzig Jahren gestartet ist, hätte ein Rauswurf aus der Auktion für die Betroffenen katastrophale wirtschaftliche Folgen.

Wie viele Milliarden werden es?

Andererseits sind die Zeiten lange vorbei, da die Milliarden bei den Netzbetreibern locker saßen und sich die Gebote – wie bei der Versteigerung der UMTS-Frequenzen im Jahr 2000 – auf atemberaubende knapp 51 Milliarden Euro hochschaukeln konnten. Ab dieser Woche geht es daher in Mainz für die Mobilfunker nicht bloß darum, sich die für ihren Netzausbau nötigen eigenen Frequenzen zu sichern. Mindestens so wichtig ist, möglichst rasch eine Idee davon zu bekommen, was denn die Konkurrenz plant – und so unnötige, kostentreibende Bieterrunden zu vermeiden.

Bei der bisher letzten Frequenzauktion vor fünf Jahren hatten sich die Gebote der damals noch vier Netzbetreiber am Ende auf rund 4,4 Milliarden Euro summiert. Wie viel Geld die Versteigerung in diesem Jahr in die Kassen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble spülen wird, muss sich zeigen. Addiert man die Mindestgebote für alle angebotenen Frequenzpakete, ergibt sich ein Erlös von wenigstens 1,5 Milliarden Euro.

Effizient bieten oder strategisch?

Dass es dabei bleibt, glaubt keiner der Konkurrenten. Wie viel mehr es wird, hängt (auch) davon ab, wie schnell die Kontrahenten die Strategien der anderen durchschauen und ob sie dann besonders kosteneffizient bieten. Oder vielleicht auch nicht, um die künftige Investitionskraft der Konkurrenz durch besonders hohe Preise für die Frequenzen zu schwächen. Denn je mehr Geld die Frequenzen kosten, desto weniger bleibt für die Investitionen ins Netz, aber auch in Marketingaktionen zur Kundengewinnung, übrig.

Zahlen und Fakten zum Mobilfunk-Markt

  • Rund eine Milliarde...

    Smartphones wurden im vergangenen Jahr weltweit verkauft. Bei den genauen Zahlen gehen die großen IT-Marktforscher etwas auseinander: IDC kam auf etwa 1,001 Milliarden Computer-Handys und Gartner auf knapp 968 Millionen. Die Differenz geht vor allem auf unterschiedliche Schätzungen zum Absatz von Geräten mit dem Google-Betriebssystem Android zurück.

  • 82 Prozent...

    beträgt der Anteil der Smartphones in Deutschland, schätzt der Branchenverband Bitkom. Am Umsatz mit Handy-Verkäufen dürften die Smartphones in Deutschland sogar 97 Prozent ausmachen.

  • 78 Prozent...

    betrug der laut Marktforschern der Anteil der Software Android weltweit. Damit ist die Google-Software ist mit Abstand das meistverkaufte Smartphone-System.

  • 300 Millionen...

    Smartphones hat Samsung laut Gartner im vergangenen Jahr verkauft. Damit setzt der südkoreanische Konzern weltweit die meisten Computer-Handys ab. Samsung hält einen Marktanteil von 31 Prozent.

  • 150 Millionen...

    Smartphones verkaufte hingegen Apple, die Nummer zwei im Geschäft. Damit kommt der kalifornische Konzern auf einen Marktanteil von gut 15 Prozent. Da die iPhones aber deutlich teurer sind als die durchschnittlichen Telefone der Konkurrenz, bringen sie höhere Gewinne. Experten schätzen, dass ein Löwenanteil der Hersteller-Profite bei Apple landet.

  • Drei Prozent...

    Marktanteil hält Microsofts Windows Phone neben der Dominanz von Android und Apples iOS. Smartphone-Pionier Blackberry rutschte auf nur noch 0,6 Prozent ab, wie IDC ermittelte.

Um welche Frequenzen also geht es? Wer braucht sie? Wofür können die Unternehmen sie überhaupt verwenden? Und: Wer könnte welche Strategie verfolgen?

Nötiges – und Neues

Betrachtet man die angebotenen Frequenzen, lässt sich die Versteigerung in zwei Teilauktionen gliedern. Zum einen werden alle Übertragungsrechte neu ausgeschrieben, die im 900-Megahertz-Band liegen. Zur Verdeutlichung: Hier sind einst die D-Netze gestartet, darin sind also vor allem die Telekom (das alte D1-Netz) und Vodafone (früher einmal als Mannesmann Mobilfunk mit dem D2-Netz) aktiv.

WLAN gegen LTE Der Kampf um die schnellste Internetverbindung

Die Mobilfunkfrequenzen können dem Boom bei Smartphones und Co. nicht mehr standhalten. Deshalb droht nun zu Hause und im Büro der Datenstau: Mobilfunkanbieter strecken die Hände nach den WLAN-Frequenzen aus.

LTE und Co. gegen WLAN Quelle: imago, Montage

Telefónica hat hier deutlich weniger Netzkapazität. Denn sowohl E-Plus als auch die frühere Viag Interkom (inzwischen längst in O2 umfirmiert) waren als sogenannte E-Netze im 1800-Megahertz-Band gestartet.

Die 1800er-Frequenzen werden ebenfalls neu vergeben, allerdings nicht vollständig. Sowohl die Telekom als auch E-Plus behalten einen Teil ihrer Kapazität; nämlich den Teil, den sie vor fünf Jahren ersteigert hatten. Der Rest wird neu verteilt.

Neben diesen „traditionell“ von den Mobilfunkern genutzten Frequenzen kommt nun zusätzliche Kapazität im 700- und im 1500-Megahertz-Band auf den Auktionstisch. Vor allem die Bandbreite bei 700 Megahertz – derzeit noch durch das digitale Antennenfernsehen DVB-T belegt – ist für die Netzbetreiber interessant.

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