Fujitsu-Vordenker Reger: Der PC verliert an Bedeutung

Fujitsu-Vordenker Reger: Der PC verliert an Bedeutung

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Joseph Reger, CTO des Computerherstellers Fujitsu Technology Solutions ist der Ansicht, dass der PC immer mehr von der Bildfläche verschwinden wird.

von Thomas Kuhn

Joseph Reger, 54, ist CTO des Computerherstellers Fujitsu Technology Solutions. Der Physiker und Informatiker ist einer der wichtigsten Vordenker des japanischen Technologiekonzerns. Auf der Cebit erläutert er im Gespräch mit WirtschaftsWoche-Gadget-Inspektor Thomas Kuhn, warum der PC seine besten Jahre hinter sich hat.

WirtschaftsWoche: Herr Reger, angesichts der Flut neuer Smartphones und Tablet-Computer, die auch auf der Cebit zu sehen sind, prognostiziert mancher Marktbeobachter bereits das Ende des PC-Zeitalters. Ist es tatsächlich so, dass die klassischen Computer aus dem Alltag verschwinden?

Reger: Natürlich verschwinden PCs klassischer Bauart nicht. Es gibt weiterhin jede Menge Einsatzfelder, bei denen ein Desktop- oder Laptop-Rechner mit vollwertiger Tastatur, regulärem Bildschirm und Maus-Bedienung die sinnvollste Hardware-Konstellation ist. Und folglich sieht man auch dieses Jahr wieder jede Menge dieser Geräte auf der Cebit. Trotzdem stimmt die These – wenn man sie im übertragenen Sinne versteht, ob die Dominanz des PCs zu Ende geht. Das tut sie mit Sicherheit.

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Das klingt wie ein Widerspruch. Können Sie den erklären?

Über drei Jahrzehnte waren Desktops und Laptops für die Menschen die einzig relevanten Formen, um persönlich einen Computer zu nutzen. Entsprechend hat der PC seinen Siegeszug durch Büros und Wohnungen angetreten. Die Zeiten aber sind vorbei. Heute bringen moderne Smartphones und Tablets eine so beträchtliche Rechenleistung mit, dass sie eine ähnliche Benutzererfahrung möglich machen wie der stärkste, modernste PC. Zugleich ermöglichen sie eine intuitivere Steuerung bei handlicherem Format und längeren Laufzeiten. Das sind Geräte, mit denen wir Menschen digitale Inhalte ganz anders nutzen als in der Vergangenheit; passiver, konsumierender. Und weil die Mehrheit von uns eben keine Kreativen sind, sondern Konsumenten, gewinnen die neuen Geräte enorm an Relevanz. Formfaktoren und Gewichte der uns begleitenden Computer verschieben sich. Zulasten der PCs.

Wie weit geht das?

Schwer zu sagen. Ich möchte mal behaupten, dass in vielen Fällen, in denen heute ein Privatanwender noch einen PC auf dem Tisch stehen hat, gar keiner wirklich benötigt würde. Denn in Wahrheit arbeiten viele Menschen gar nicht in größerem Maße kreativ damit, sondern rufen nur Inhalte aus dem Netz ab, lesen E-Mails oder schauen sich fertige Videos an. Es weiß bloß noch keiner genau, wie sich die Gewichte von Kreativen und Konsumenten in der multimedialen Welt tatsächlich aufteilen. Grob geschätzt könnte die Relation bei uns bei eins zu neun liegen.

Die Frage die sich daran anschließt ist, ob das an Kreativität reicht, um als Gesellschaft innovativ genug zu sein. Entscheidend wird sein, nicht wie viele, sondern dass genügend Menschen kreativ sind. Aber das ist natürlich eine Frage, die sich nicht daran entscheidet, mit welcher Form von Computer wir arbeiten.

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