Gamescom 2013: Wenn Realität und Spielewelt verschmelzen

Gamescom 2013: Wenn Realität und Spielewelt verschmelzen

von Andreas Menn und Oliver Voß

Mobile Geräte bringen Computer-Spiele neuerdings auf die Straße. Erstmals entstehen virtuelle Abenteuer, in denen reale und digitale Welt miteinander verschmelzen. Wenn hinter dem nächsten Supermarkt-Regal ein Cyber-Krieger lauert.

Jorge Steffen hat es auf das Denkmal von Johannes Rau abgesehen. Es ist ein Montagabend am Düsseldorfer Rheinufer, und Steffen, 45, im bürgerlichen Leben Marketingexperte, geht vor der Statue des legendären Landesvaters in Stellung. Um sie zu erobern, zückt er sein Smartphone; auf dem Display erscheint eine Schaltfläche: „Target!“ Steffen drückt zu – und entfesselt ein Bombardement auf die bronzene Skulptur.

Es ist zwar nur virtuelle Munition, die Steffen verschießt. Aber für Menschen wie ihn und seine Freunde ist die Sache dennoch ernst. Immer öfter zieht es sie abends in die Düsseldorfer Altstadt zur wohl größten Schnitzeljagd der Welt: Das Computerspiel Ingress lockt weltweit mehr als eine Million Menschen auf die Straßen und Plätze ihrer Städte. Um bei dem von Google entwickelten Spiel erfolgreich zu sein, reicht es nicht, am heimischen Rechner Monster abzuknallen. Die Spieler müssen mit Smartphone und GPS-Ortung draußen gegeneinander antreten.

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Die Spielregeln gleichen einem mexikanischen Bandenkrieg: Zwei Fraktionen kämpfen um die Vorherrschaft in einem Stadtviertel, die „grünen Auserwählten“ und der „blaue Widerstand“.

Steffen gehört zu den Grünen. Nach zwei Minuten virtuellem Beschuss hat er sich das Rau-Denkmal erstritten. Dennoch steht es für sein Team gerade nicht gut, denn der Stadtplan auf seinem Handy ist voller blauer Punkte. Und so sucht Steffen nach weiteren Landmarken, die seine Leute erobern können – 1600 davon sind allein für Düsseldorf eingetragen, darunter Denkmäler, Kirchen oder Bürogebäude.

Lange hat Steffen kein Spiel so sehr begeistert. „Ingress holt die Spieler von der Couch“, sagt er. Denn wer mit dem Smartphone die Weltherrschaft erringen will, muss sich bewegen.

Ingress ist der erfolgreichste Vertreter einer völlig neuen Spielegattung. Mit dem Boom von Smartphones und Tablets erlebt die Branche einen Aufstieg der mobilen Spiele. Und die bieten Nutzern und Anbietern völlig neue Möglichkeiten. Sie werden auf der großen Spielemesse Gamescom, die diese Woche in Köln ihre Tore öffnet, mehr Aufmerksamkeit erregen denn je.

Weltweiter Umsatz und Marktanteil von Handy- und Tabletspielen Quelle: PwC

Weltweiter Umsatz und Marktanteil von Handy- und Tabletspielen (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: PwC

Nach neuesten Zahlen des Branchenverbandes Bitkom zockt schon die Hälfte der Spieler in Deutschland per Smartphone oder Tablet. Mobile Spiele sind laut den Beratern von PricewaterhouseCoopers in den nächsten fünf Jahren das am stärksten wachsende Segment. Das Umsatzziel für das Jahr 2017: 14,4 Milliarden Euro (siehe Grafik).

Damit erobern Rätsel-Rallyes und grafisch aufwendige Action-Abenteuer den Alltag, die früher nur auf Schreibtisch-Computern und Konsolen möglich waren. Zudem entstehen völlig neue Genres und Spielweisen – virtuelle Schnitzeljagden à la Ingress sind da nur der Anfang.

Künftig blenden Handydisplays und neuartige Datenbrillen wie Google Glass virtuelle Figuren und Gegenstände realgetreu ins Sichtfeld ein. Spätestens dann, so viel ist klar, wird die ganze Welt zu einem gigantischen Spielfeld.

Das große Ziel der Entwickler ist die sogenannte Immersion – der Zustand also, in dem Spieler vergessen, dass sie sich während des Spiels in einer künstlichen Welt bewegen. Dazu feilen sie an Cyber-Brillen, die dem Auge ein Pixeluniversum als echte Welt vorgaukeln. Sie erforschen sogar Techniken, die den Spielern täuschend echt Berührungen vorgaukeln, sodass sich beispielsweise virtuelle Tennisbälle fast so schlagen lassen wie echte.

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