Google Buzz: Die Sorgen des Riesen

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Google Mit-Gründer Sergey Brin - kann Google mit Buzz im Web 2.0 den Anschluß halten?

von Sebastian Matthes

Mit seinem neuen Dienst Buzz will Google Twitter und Facebook angreifen. Damit will der Suchkonzern Twitter und Facebook überflüssig machen. Kann das funktionieren?

Wenn man sie schon nicht kaufen kann, dann imitiert man sie. Der Suchmaschinenkonzern Google hat mit Google Buzz einen Dienst für Mini-Nachrichten im Netz gestartet. Buzz kann das, was soziale Netzwerke wie Facebook und der Kurznachrichtendienst Twitter schon lange bieten: Sie ermöglichen Nutzern über kurze Textsplitter miteinander zu kommunizieren. Anders als Twitter und Facebook wird Google Buzz aber kein eigenständiges Portal, sondern in das Mailprogramm Googlemail integriertGoogle lockt die Kunden mit dem Versprechen, Buzz werde mehr Ordnung in die Informationsflut bringen. Der neue Dienst soll nicht nur die Nachrichten von Bekannten anzeigen, sondern sie auch nach Wichtigkeit und Interessen des Nutzers strukturieren. Google tut also wieder das, was der Konzern am besten kann: Daten sichten, auswerten und zu Interessenprofilen verarbeiten. Datenschützer werden davon wenig begeistert sein.

Umso mehr, weil bei Nachrichten, die mobil verschickt werden, auf Wunsch eine GPS-Kennung angeheftet werden, sodass die Mitteilungen den Aufenthaltsort des Nutzers anzeigen.

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Damit will Google der jüngsten Entwicklung im Netz begegnen. Denn derzeit kommen ortsbasierte Dienste wie Gowalla und Foursquare groß in Mode, bei denen Nutzer anderen über ihr Mobiltelefon mitteilen wo sie gerade sind. Vor allem das Netzwerk Foursquare wächst enorm: Laut dem US-Analysehaus Hitwise hat die Plattform in nur drei Monaten um 200 Prozent zugelegt. Auch hier soll Google angreifen.

Die Wettbewerber müssen sich über Google Buzz keine Sorgen machen

Seit Jahren versucht Google vergeblich, in das sogenannte Social Web einzusteigen. Der erste Versuch war der Facebook-Wettbewerber Orkut, der sich bis heute nur in wenigen Ländern wirklich durchsetzen konnte. Auch die Kommunikationsplattform Wave, die Google mit viel Getöse herausbrachte, zündete bislang nicht im Massenmarkt.

Buzz ist nun ein neuer Versuch. Und es wird höchste Zeit. Zahlreiche Studien zeigen, dass Internet-Nutzer einen immer größeren Teil ihrer Online-Zeit in sozialen Netzwerken verbringen. Kurznachrichten, mit denen Nutzer von Facebook und Twitter ihren Freunden ihre Befindlichkeit oder interessante Netzfundstücke mitteilen, sorgten zudem in den vergangenen Jahren für Euphorie in der Internet-Szene. Die Mini-Nachrichten sind zugleich die Basis des sogenannten Echtzeit-Internet, das jederzeit abbildet, welche Themen Menschen in aller Welt gerade beschäftigen. Erst vor wenigen Wochen hat Google mit Twitter vereinbart, diese Informationen in Echtzeit nutzen zu dürfen und blendet inzwischen auch die sogenannten Tweets als Suchergebnisse ein.  

Doch so wie Buzz heute aussieht, müssen sich die Wettbewerber keine allzu großen Sorgen machen. Weshalb sollte ein Nutzer zu Buzz wechseln, wenn er dort nicht einmal die Nachrichten seiner Facebook-Freunde empfangen kann? Das Gleiche gilt für Twitter: Zwar kann Buzz Nachrichten anzeigen, die Nutzer über ihren Twitter-Account verschicken. Doch Mitteilungen, die man bei Buzz veröffentlicht, werden umgekehrt nicht automatisch bei dem Kurznachrichtendienst angezeigt. Das klingt kompliziert – und genau das ist es auch. Es gibt wenig Hinweise darauf, dass Buzz die Kommunikation, wie von Google vollmundig versprochen, erleichtert.

Nutzer enger an das Googleversum binden

Stattdessen will Google mit Buzz & Co. die Nutzer noch enger an das Googleversum binden. Wer Buzz nutzen will braucht einen Gmail-Account und soll am besten auch nichts anderes benutzen. Umgekehrt werden übrigens alle Gmail-Nutzer automatisch Buzz-Nutzer, auch wenn sie es gar nicht wollen, wird der Dienst automatisch in ihrem Emailpostfach eingebunden wird. Das ist zwar nicht illegal. Aber erinnert eher an Methoden von Microsoft aus den Neunzigerjahren. 

Kein Wunder. Damit Buzz erfolgreich wird, muss Google eine neue Buzz-Gemeinde aufbauen. Und das wird schwer. Twitter hat zwischen 25 und 30 Millionen Nutzern weltweit, Facebook kommt nach eigenen Angaben sogar auf 400 Millionen. Die Kräfteverhältnisse sind klar. Googlemail muss versuchen, seine laut Comscore 176 Millionen Gmail-Nutzer zu überzeugen, über Buzz mitzuschnattern. Doch wer über Twitter und Facebook mit Tausenden Menschen verbunden ist, hat wenig Gründe, zu Googles Dienst zu wechseln.

Schlimmer noch: Facebooks vor wenigen Tagen bekannt gewordener Plan, einen eigenen Emaildienst aufzubauen ist für Googlemail wesentlich gefährlicher als Buzz für Facebook und Twitter. Noch verdient Google mit seiner Suchtechnik Milliarden. Doch erste Internet-Apologeten sind bereits der Ansicht, Facebook könne Googles Internet-Dominanz brechen.

Ähnlich sehen es auch Blogger und Fachjournalisten aus aller Welt. Kevin Rose, Gründer der Empfehlungsplattform Digg, ist sich beispielsweise "nicht sicher ob Buzz in mein Arsenal an social media Werkzeugen passt" und es gibt sogar schon Tipps, wie man Buzz aus seinem Gmail-Zugang entfernt.

Vielleicht ist ja jetzt die Zeit vorbei, in der die Masse begeistert tobt, sobald Google ein neues Produkt auf den Markt bringt.

Das Beispiel zeigt aber auch, dass Kurznachrichten à la Twitter kein kurzfristiger Hype waren. Sie haben sich längst als Kommunikationsinstrument im Netz etabliert. Und dazu wird Googles Dienst, trotz aller berechtigter Kritik, beitragen.

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