Google I/O: Voller Kurs auf künstliche Intelligenz

Google-Entwicklerkonferenz: Voller Kurs auf künstliche Intelligenz

von Matthias Hohensee

Googles Entwicklerkonferenz macht deutlich, dass der Suchkonzern seine Hardware-Ambitionen zurückfährt. In Zukunft soll es um den Ausbau intelligenter Software-Lösungen gehen. Aktionäre werden das mögen.

Was hatte es nicht alles an Gerüchten über mögliche Produktankündigungen auf der Google Entwicklerkonferenz gegeben – Brillen für erweiterte und virtuelle Realität, eine neue Variante des Google Home Lautsprechers mit Display als Antwort auf Amazons Wettbewerber Echo oder gar ein neues Smartphone. Nichts davon wurde am Mittwochabend bei Google-Chefs Sundar Pichais Keynote gezeigt.

Mehr noch: Die zweistündige Präsentation machte deutlich, dass Google entgegen früherer Erwartungen nicht stärker in Hardware expandieren wird, sondern dafür lieber auf Partner setzt und ihnen die Schnittstellen zu Suche, Künstlicher Intelligenz und digitalen Diensten liefert.

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Das sehen Googles Aktionäre wegen der dünnen Margen und dem Risiko, dass man auf Hardware sitzen bleibt, viel lieber. Noch in diesem Jahr sollen HTC und Lenovo in Zusammenarbeit mit Google und Chipdesigner Qualcomm beispielsweise autonome Datenbrillen für Virtuelle Realität (VR) vorstellen. Sie müssen nicht mehr mit einem Smartphone oder Computer gekoppelt werden und setzen auf Googles VR-Plattform Daydream.

Amazon Echo Show Alexa jetzt auch mit Bildschirm

Amazons Lautsprecher „Echo“, mit dem man sich unterhalten kann, wurde zu einem Überraschungserfolg. Ein neues Modell hat nun ein Display - und lässt Nutzer auch Videotelefonate machen.

Amazons Echo Show erlaubt Videotelefonate. Quelle: AP

Statt einem Produktreigen konzentrierte sich Pichai bei seiner Keynote im Shoreline Amphitheatre direkt neben dem Google Hauptquartier auf den Kurs, den der Suchkonzern einschlägt. Die vor ein paar Jahren ausgegebene Maxime „Mobil zuerst“ wird durch „Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen zuerst“ ergänzt. Damit sollen Googles Suchmaschine und seine Dienste künftig einfacher und intuitiver nutzbar werden.

Googles Assistant kommt aufs iPhone und versteht bald deutsch

Pichai zielt dabei bewusst über Systemgrenzen hinweg. Während Apple seinen digitalen Agenten Siri exklusiv für seine Produkte reserviert, wird der Google Assistant ab sofort nicht nur für Android, sondern auch fürs iPhone angeboten. 100 Millionen Nutzer hat er laut Pichai bereits. Ab Sommer soll er auch deutsch verstehen. Dann kommt auch Googles Lautsprecher Home mit dem dort integrierten digitalen Assistenten nach Deutschland.

Während Amazon gerade seinen populären Echo Lautsprecher mit einem Display ergänzte, setzt Google auf bereits im Haushalt vorhandene Bildschirme. Informationen seines Assistenten können aufs Smartphone gebeamt werden und über Googles TV-Stick Chromecast auf den Fernseher.

Weil Amazon mit seinem Echo-Lautsprecher sowie Samsung mit seiner VR-Datenbrille für Galaxy Smartphones in Kooperation mit Facebooks Oculus VR-Sparte einen Nerv trafen, sah sich Google gezwungen, im vergangenen Jahr selber stärker in Hardware einzusteigen. Denn es galt die Gefahr einzudämmen, dass sich die digitalen Agenten und virtuellen Welten der Konkurrenz durchsetzen. Das hätte die Internet-Suche, Googles wichtigste Profitquelle, bedroht.

Nun hat Google dort seine Pflöcke eingeschlagen und kann seinen ohnehin ungeliebten Ausflug in die Welt der Hardware etwas zurückfahren. Sein eigentliches Ziel, über die Bedürfnisse, Vorlieben und Persönlichkeit seiner Nutzer noch viel mehr zu erfahren, wissen und zu prognostizieren, wird noch ehrgeiziger verfolgt. Google mag den Aufstieg der sozialen Netzwerke verschlafen und dann an Facebook verloren haben, aber das hindert den Silicon Valley Konzern nicht daran, die dadurch fehlenden Informationen über seine breite Palette von Diensten einzusammeln, von Android-Telefonen, über seine Suchmaschine, Email -und Photodienste, Youtube oder seinen digitalen Assistenten.

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