Gründer: Die meisten Start-Up-Produkte sind zum Scheitern verurteilt

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Gründer: Die meisten Start-Up-Produkte sind zum Scheitern verurteilt

Zu viele Gründer im deutschsprachigen Raum setzen auf Me-Too-Produkte, die heute mehr denn je von vorne herein zum Scheitern verurteilt sind. Das muss sich ändern.

In einem E-Mail-Ordner mit der Aufschrift “zu erledigen” liegen eine Reihe von Startup-Pitches, deren nähere redaktionelle Bearbeitung ich seit längerem vor mir herschiebe. Alle haben eines gemeinsam: Es sind junge Webdienste aus dem deutschsprachigen Raum, die nicht schlecht aussehen, deren Konzepte durchaus modern anmuten – und deren Ideen wir in den letzten Monaten und Jahren schon etwa tausendfach in abgewandelter Form zu Gesicht bekamen. Noch nie schienen die Chancen für derartige Projekte, nachhaltige Erfolge zu werden, schlechter als heute.

Egal ob Bookmarking- und Clipping-Tools im Pinterest-Stil, Gutschein- und Rabattportale, mobile Social-Apps oder Marktplätze für irgendwas: Alles existiert im Jahr 2012 in zigfacher Ausführung bereits, und jedes Mal, wenn sich wieder ein Gründer-Team an einem Me-Too-Produkt versucht, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass daraus ein Unterfangen wird, auf das in einem Jahr mehr als fünf Menschen nicht mehr verzichten möchten. 99,9 Prozent der Startups, die wir heute in den besonders heißt umkämpften Segmenten aus dem Boden sprießen sehen, dürften in zwei Jahren wieder verschwunden sein. Mindestens.

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Ende 2012 ist der Markt gesättigter denn je, was Consumer-Anwendungen angeht. In den USA, und erst recht im strukturell deutlich schwächeren deutschsprachigen Internetraum. Das bedeutet nicht, dass Newcomer gar keine Chance mehr haben, sich ihren Teil vom Kuchen zu sichern. Doch dazu sollten sie sich Themen verschreiben, die sich stark von den bisherigen, den Großteil des digitalen Zeitbudgets vereinnahmenden Giganten abheben – von Facebook bis Twitter, von Instagram bis WhatsApp, von YouTube bis Google+, von Reddit bis Tumblr, von Pinterest bis Groupon – anstatt sie in irgendeiner Form nachzuahmen oder ihre Konzepte geringfügig abzuändern und dann anzunehmen, dafür gäbe es eine echte Nachfrage. Diese existiert fast nie.

Airtime und Oink

In den USA gab es in diesem Jahr eine Reihe Aufmerksamkeit erregender Flops – von Color (gefloppt bereits 2011, aber endgültig zerbrochen 2012) über Airtime bis zu Oink. Alles Dienste, die mit viel Kapital von prominenten Gründern lanciert wurden, aber niemals auch nur in die Nähe ihrer selbst formulierten hohen Ansprüche kamen. Weder von Findery, dem Location-Startup von Flickr-Gründerin Caterina Fake, noch den neuen Projekten der Twitter-Gründer Evan Williams and Biz Stone’s, Lift und Branch, hört man Erfolgsmeldungen.

Immerhin, ihr drittes Projekt unter dem Dach des Entwicklerstudios “Obvious”, Medium, scheint sich ganz gut zu entwickeln und findet vermehrt positive Erwähnungen in Netzmedien. Aber sonst war 2012 auch für viele erfolgsverwöhnte US-Gründer und Startups ernüchternd. Es sagt viel aus, dass Talentakquisitionen und der berühmt-berüchtigte, glorifizierte "Pivot" einen nicht unwesentlichen Teil der Meldungen ausmachten, die man bei den einschlägigen US-Branchenmedien in den vergangenen zwölf Monaten bestaunen konnte. Mindestens 1000 US-Startups werden innerhalb eines Jahres aufgrund fehlender Anschlussfinanzierungen in Folge mangelnden Interesses verschwinden, glaubt PandoDaily-Chefin Sarah Lacy.

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