Gute Quartalszahlen: Microsoft überrascht positiv – zumindest auf den ersten Blick

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KommentarGute Quartalszahlen: Microsoft überrascht positiv – zumindest auf den ersten Blick

von Michael Kroker

Der US-Softwaregigant bleibt ausweislich der gestern veröffentlichen Quartalszahlen auch weiterhin eine Profitmaschine. Die vermeintlich positiven Zahlen können die bestehenden Problemfelder aber nur dürftig kaschieren.

Nach einer ganzen Reihe von Negativmeldungen hat Microsoft in der vergangenen Nacht erstmals wieder positiv überrascht: Die am Donnerstag nach US-Börsenschluss vorgelegten Zahlen fürs dritte Geschäftsquartal des Redmonder Softwaregiganten waren leicht besser als von den Börsianern erwartet.

So kletterte der Microsoft-Umsatz zwischen Januar und März dieses Jahres  um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 20,49 Milliarden Dollar, dies noch leicht unterhalb der Analysten-Vorhersage von im Schnitt 20,56 Milliarden Dollar.

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Die Versionen von Windows 8

  • Entwickelt für verschiedene Geräte

    Mit der neuen Windows-Version wird das Microsoft-Betriebssystem erstmals auch auf Geräten mit Chips auf Technologie des britischen Entwicklers ARM laufen. Sie dominieren heute in Smartphones und Tablets. Allerdings grenzt Microsoft die ARM-taugliche Version unter dem Namen Windows RT klar vom der klassischen PC-Variante Windows 8 ab. Zwischen ihnen gibt es einige Unterschiede. Mit den beiden eng verwandt ist das Smartphone-System Windows Phone 8.

  • Windows RT

    Windows RT ist für die stromsparenden ARM-Prozessoren ausgelegt. Man kann die Software nicht separat kaufen, sondern nur vorinstalliert auf einem neuen Gerät. Von der Bedienung her sehen die beiden Versionen mit ihrem Kachel-Design auf den ersten Blick ziemlich identisch aus. Die Differenzen werden erst sichtbar, wenn man in den Desktop-Modus wechselt, der an das gewohnte Windows-Design anlehnt. In diesem Bereich werden auf Windows RT keine Programme von anderen Anbietern laufen. Das Betriebssystem unterstützt nur Apps aus Microsofts Windows Store. Die RT-Version von Windows Office enthält zudem bisher kein Outlook-Mailprogramm.

  • Windows 8

    Das normale Windows 8 ist ein klassisches PC-Betriebssystem, das aber wegen der Touch-Oberfläche auch für Tablet-Computer mit der nötigen Prozessorleistung geeignet ist. Somit laufen auch klassische Windows-Programme wie Photoshop, Word oder Spiele auf dem System – anders als bei Windows 8 RT. Zudem gibt es eine Pro-Version, die einige Funktionen für Business-Kunden enthält.

  • Windows Phone 8

    Das Smartphone-Betriebssystem Windows Phone 8 verwendet ebenfalls das Kachel-Design, das schon beim Vorgänger Windows Phone 7 seine Premiere hatte. Es ist mit den anderen neuen Windows-Versionen verwandt, aber konsequent auf die kleineren Handy-Bildschirme zugeschnitten. Ein Sahnehäubchen sind die eingebauten Nokia-Kartendienste. Sie bieten neben Navigation auch die neue Funktion CityLens, bei der Informationen zum aktuellen Aufenthaltsort in den Bildschirm eingeblendet werden, wenn man die Kamera auf einen Straßenzug richtet.

Beim von den Märkten besonders kritisch beäugten Gewinn pro Aktie hat Microsoft mit 0,72 Dollar die Erwartung von 0,68 Dollar jedoch übertroffen. Operativ haben die Redmonder einen Gewinn von 7,6 Milliarden Dollar eingefahren – ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Microsoft bleibt trotz aller Probleme also weiterhin eine Profitmaschine.

Am meisten überrascht hat Microsoft mit dem guten Abschneiden seines Windows-Geschäfts, zumindest auf den ersten Blick: So kletterte der Umsatz der Betriebssystemsparte im Jahresvergleich um 23 Prozent. Dies verwundert umso mehr, als das US-Marktforschungshaus IDC erst in der vergangenen Woche im PC-Markt für das erste Quartal 2013 einen Einbruch von fast 14 Prozent festgestellt hat – das größte jemals verzeichnete Minus seit Start der Marktbeobachtung vor fast 20 Jahren.

Mehr noch: Auch die jüngsten Zahlen zur Umstiegsrate auf Windows 8, den erst im vergangenen Oktober gestarteten jüngsten Aufguss von Microsofts Betriebssystem-Klassiker, waren negativ. So laufen ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung erst 3,2 Prozent aller Rechner mit Windows 8. Vorgänger Windows 7 hatte im gleichen Zeitraum bereits einen zweistelligen Marktanteil.

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Einen Grund für die Diskrepanz liefert Microsoft selber: So hat der Softwarekonzern das neue Betriebssystem bis Ende Januar zu Sonderkonditionen verkauft und hatte spezielle Upgrade-Optionen auf Windows 8 im Angebot. Unter Berücksichtigung jener Effekte sei der Umsatz die Umsatzentwicklung in der Windows-Sparte flach – sprich nur auf Vorjahresniveau.

Damit bleiben die Herausforderungen für Microsoft trotz eines leichten Zwischenaufatmens bestehen: Der Konzern muss schnellstmöglich die offensichtlichen Akzeptanzprobleme mit Windows 8 lösen. Und mehr noch als das alsbald Antworten auf den Wandel der IT-Industrie weg von herkömmlichen Rechnern hin zu Smartphones und Tablets finden – sonst droht in wenigen Jahren ein massiver Bedeutungsverlust des einstmals Monopol-artig dominierenden Unternehmens.

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