ThemaIT-Sicherheit

alles zum Thema
_

Hacker: Im Netz von Anonymous

von Parmy Olson

Sie haben die Web-Seiten von Visa, Paypal und Scientology lahmgelegt, sind in Computernetze eingedrungen und haben die CIA attackiert: Wer steckt hinter dem gefürchteten Netzwerk Anonymous? Die Geschichte von einem Sicherheitsberater, der nach Antworten gesucht hat – und es bitter bereute. Ein Vorabdruck.

Damit wurde die Gruppe erstmals bekannt: 2008 attackieren Anonymous-Mitglieder im Projekt Chanology mehrfach Internet-Angebote von Scientology, nachdem die Organisation die Veröffentlichung eines internen Tom-Cruise-Interview bei YouTube verhindern will.

Bild: Reuters

Anzeige

Am 6. Februar 2011 ließen sich in Amerika Millionen Menschen auf ihre Sofas fallen, rissen Chipstüten auf und gossen Bier in Plastikbecher; alles zur Vorbereitung auf das größte Sportereignis des Jahres. An diesem Sonntag fand das Super-Bowl-Endspiel zwischen den Footballmannschaften der Green Bay Packers und der Pittsburgh Steelers statt. Während die Packers gewannen, musste Aaron Barr, Manager einer Internet-Sicherheitsfirma, hilflos zusehen, wie sieben Menschen, denen er nie begegnet war, sein Leben auf den Kopf stellten. Super Bowl Sunday war der Tag, an dem er mit Anonymous konfrontiert wurde.

Nach diesem Wochenende hatte das Wort „Anonymous“ eine neue Bedeutung. Es stand nicht mehr nur für anonym, sondern bezeichnete – mit großem A – auch eine ungreifbare, finstere Gruppe von Hackern, die mit allen Mitteln Gegner des freien Informationsflusses angriff, darunter Menschen wie Barr. Der hatte den Fehler gemacht, herausfinden zu wollen, wer sich hinter Anonymous verbarg.

Der Schlag erfolgte zur Mittagszeit, sechs Stunden vor dem Anstoß im Super Bowl. Barr saß in Jeans und T-Shirt auf dem Wohnzimmersofa in seinem Washingtoner Vororthaus, als er bemerkte, dass sich das iPhone in seiner Tasche seit einer halben Stunde nicht mehr gemeldet hatte. Normalerweise kam jede Viertelstunde eine E-Mail. Als er sein iPhone nahm und die E-Mails aufrufen wollte, erschien ein dunkelblaues Fenster mit zwei Wörtern, die sein Leben verändern sollten: kein E-Mail-Empfang. Das E-Mail-Programm fragte nach seinem Passwort, und Barr tippte es gehorsam in die Account-Einstellungen des iPhones: „kibafo33“. Es half nichts.

Der Super-GAU

Ratlos starrte er das Display an. Langsam wurde ihm klar, was diese Fehlermeldung bedeutete, und er bekam Angst. Vor einigen Stunden hatte er mit einem Hacker namens Topiary von Anonymous gechattet und geglaubt, dass er aus dem Schneider sei. Jetzt sah er, dass jemand seinen Account bei HBGary Federal geknackt, damit Zugang zu Zehntausenden Firmen-E-Mails gewonnen und ihn dann ausgesperrt hatte. Das hieß, dass irgendjemand irgendwo vertrauliche Vereinbarungen und Dokumente eingesehen hatte, die eine internationale Bank, eine angesehene Behörde der US-Regierung und seine eigene Firma kompromittieren konnten.

Immer mehr Geheimdokumente und nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Nachrichten fielen ihm ein. Barr stürmte die Treppe zu seinem Arbeitszimmer hinauf und setzte sich an den Laptop. Er wollte sich in seinen Facebook-Account einloggen, um mit einem ihm bekannten Hacker zu sprechen. Aber das Netzwerk war blockiert. Er versuchte es mit Twitter. Nichts. Dasselbe bei Yahoo. Fast alle seine Internet-Accounts waren gesperrt.

Auf seinem WLAN-Router blinkten wild die Kontrolllichter – er wurde mit Anfragen überschwemmt, mit denen die Angreifer sich in sein Heimnetzwerk vorarbeiten wollten. Er zog den Stecker.

Der Text ist ein Auszug aus dem Buch "Inside Anonymous - Aus dem Innenleben des globalen Cyber-Aufstands" (Redline Verlag, München, 22 Euro). Versandkostenfrei zu bestellen unter www.wiwo-shop.de (zum Vergrößern bitte Bild anklicken) Quelle: Pressebild
Der Text ist ein Auszug aus dem Buch "Inside Anonymous - Aus dem Innenleben des globalen Cyber-Aufstands" (Redline Verlag, München, 22 Euro). Versandkostenfrei zu bestellen unter www.wiwo-shop.de (zum Vergrößern bitte Bild anklicken) Quelle: Pressebild

Aaron Barr war früher beim Militär gewesen. Der breitschultrige Mann mit den pechschwarzen Haaren und dichten Augenbrauen, hatte sich nach zwei Semestern für das Collegestudium bei der US-Marine gemeldet. Schnell wurde er zum SIGINT Officer, zum Abhörexperten im Geheimdienst, als Analytiker, ein eher seltenes Fachgebiet. Es folgten zahlreiche Auslandsposten: Aufträge in ganz Europa, von der Ukraine über Portugal bis nach Italien.


2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.07.2012, 12:37 UhrFunxxsta

    Die Antwort darauf, wer Anonymus ist, ist doch ganz einfach. Anonymus ist nicht WER - Anonymus ist WAS. Anonymus ist die Antwort auf ungezuegelte Gier, Lobbyismus, geteuerte Medien, korrupte und inkomptene Politiker, agrressive und manipulatorische Staaten welche Kriegen einen humanistischen Hintergrund andichten, an sogenannte Sicherheitsdienstleite die o.g Partizipanten gegen die oeffetliche Wahrnehmung ihrer Intentionen schuetzen moechten. Anonymus ist die Medizin gegen die Krankheiten unserer Gesellschaftsform. Und das ist gut so!

  • 17.07.2012, 16:25 UhrRBoeck

    Und so stellt sich heraus, dass Anonymous doch einen "Kopf" hat - zwar nichts Neues, aber wenigstens Schriftlich!

    Ich bin gespannt auf den Scientology-Part, da ich mir so vielleicht die wahnhaften Attacken gegen diese Kirche erklären kann. In ihren Aktionen und Demonstrationen scheren sie sich weder um Menschenrechte noch um sonst welche Rechte und dass diese Anonymousspinner solchen Anklang finden, ist mir schleierhaft!

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Microsoft gegen Apple: Weniger Gelaber von Siri, mehr Aufgaben erledigen
Microsoft gegen Apple: Weniger Gelaber von Siri, mehr Aufgaben erledigen

Der Softwaregigant aus Redmond nutzt die Sprach-App beim iPad in einem Werbe-Spot für Windows-8-Tablets. Microsoft lernt...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.