Hacker: Spam boomt, wenn die Angst regiert

Hacker: Spam boomt, wenn die Angst regiert

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Vor allem in Russland und der Ukraine nehmen Cyberangriffe zu.

von Mark Fehr

Krisen wie in Griechenland oder der Ukraine sind ein ungewolltes Konjunkturprogramm für Cyberkriminelle. Verängstigte Bürger tappen angesichts beunruhigender Großereignisse leichter in die digitalen Fallen der Hacker.

In Griechenland haben die Banken erst seit dem 20. Juli wieder regulär geöffnet. Die wochenlange Schließung sollte besorgte Sparer davon abhalten, ihre Konten leer zu räumen. Diese krisenbedingte staatliche Zwangsmaßnahme hat eine gefährliche Nebenwirkung: Sie lässt das Geschäft internationaler Cyberkrimineller aufblühen.

„Verängstigte Bürger tappen angesichts beunruhigender Großereignisse leichter in die digitalen Fallen der Hacker“, sagt Robert Arandjelovic, Experte für IT-Sicherheit bei Blue Coat Systems aus Sunnyvale in Kalifornien. Beim Phishing sei ein regelrechtes Trendjacking zu beobachten. Im Klartext: Internetkriminelle beziehen sich in ihren per Email verschickten Ködern auf Themen, die gerade breit in Medien und Gesellschaft diskutiert werden.

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Fünf einfache Sicherheitstipps fürs Mobilbanking

  • Gute Passwörter

    Zugang zum Mobilgerät sowie zur darauf installierten App mit sicheren und unterschiedlichen Passwörtern schützen.

  • Offene Hotspots meiden

    Lieber über die Mobilfunkverbindung ins Konto gehen, da öffentliche Hotspots etwa in Hotels meist nicht gesichert sind.

  • TAN-Liste sichern

    Manche Nutzer scannen die Liste mit Transaktionsnummern und speichern diese auf dem Mobilgerät, um sie unterwegs dabei zu haben. Das ist so gefährlich, wie die Geheimnummer auf einer Girokarte zu notieren.

  • Vorsicht bei mobilen TANs

    Bankingapp nicht auf demselben Gerät nutzen, das die mobilen Transaktionsnummern empfängt, generiert oder entschlüsselt.

  • Nur Apps der eigenen Bank nutzen

    Banken könnten den Ausgleich von Schäden verweigern, wenn diese bei Nutzung von Apps eines Fremdanbieters entstanden sind.

Verzweifelte Griechen klicken auf getürkte Bank-Mails

Beispiel Griechenland: Dort sind die Bankschalter mittlerweile zwar wieder geöffnet, doch die Auszahlungen bleiben auf 420 Euro pro Woche begrenzt. In dieser Situation warten alle Sparer gespannt auf Nachrichten ihrer Bank zum Stand der Dinge oder zur Änderung der Restriktionen. Dadurch steigt laut Blue Coat die Wahrscheinlichkeit, dass Internetnutzer getürkte Mails öffnen, die angeblich von ihrer Bank kommen und den dort enthaltenen Anweisungen folgen. Dann lesen Schadprogramme die Kontodaten aus und stoßen Zahlungen zu Lasten des Opfers an. Die Banken selbst sind wegen ihrer kritischen Lage mit anderen Dingen beschäftigt und versäumen es dann oft, ihre Kunden vor dem erhöhten Spamrisiko warnen.

Für die zweite Jahreshälfte 2014 hat die internationale Anti-Phishing-Arbeitsgruppe (APWG) 124.000 Angriffe gezählt. Das ist zwar nicht mehr, als schon im Halbjahr davor. Doch die Reichweite der Attacken ist deutlich gestiegen. Sie liefen laut APWG über 95.000 Webseiten. Ein Rekordwert.

Laut Blue Coat stellen auch solche Hacker eine Gefahrenquelle dar, die es nicht auf den Diebstahl von Sparguthaben abgesehen haben, sondern auf Staats- und Firmengeheimnisse. Angesichts von Finanzkrisen steigt die Gefahr, dass Beamte oder Angestellte vermeintliche Nachrichten ihrer Bank schon am Dienstrechner öffnen und Hackern dadurch ungewollt eine Tür in die internen Netzwerke öffnen.

Cyberangriffe in Russland und Ukraine nehmen zu

Was den Kriminellen nach Einschätzung von Blue Coat ebenfalls in die Hände spielt: Krisen lassen die Jugendarbeitslosigkeit und die Wut auf die Regierung steigen. Das erleichtere es Hackern, Handlanger für ihre Aktionen zu rekrutieren. Die Verzweifelten ergreifen jede Gelegenheit, sich etwas dazu zu verdienen. Hinzu komme die Motivation enttäuschter Jugendlicher, dem Staat und der Gesellschaft eins auszuwischen.

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Statistiken zur steigenden Spam-Gefahr in Griechenland liegen noch keine vor. Aber schon andere Brandherde haben sich als Beschleuniger von Cyberattacken erwiesen. So ist laut Blue Coat wegen des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine die Zahl der Computerangriffe in beiden Ländern gestiegen. Hackergruppen nehmen dort wichtige Internetseiten und andere Ziele unter digitalen Beschuss. Auch die gewaltsame Ausbreitung des Islamischen Staats im Mittleren Osten ging mit Cyberangriffen in und aus der Region einher, darunter die Attacke auf den französischsprachigen Fernsehsender TV5 Monde.

Dies heiße nicht, dass Attacken nur von Griechen, Russen, Ukrainern oder IS-Sympathisanten ausgingen, wie Sicherheitsexperte Arandjelovic erklärt. Stattdessen strahlten Krisengebiete eine große Anziehungskraft auf Hacker aus allen Teilen der Welt aus. Die versuchen dann, aus der Angst Profit zu schlagen.

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