Hackerangriff auf Merkel-Webseite: Attacke war ein wichtiges Warnsignal

AnalyseHackerangriff auf Merkel-Webseite: Attacke war ein wichtiges Warnsignal

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Die Internetseiten von Bundeskanzlerin Angela Merkel und vom Deutschen Bundestag wurden am Mittwoch von Hackern lahmgelegt.

von Thomas Kuhn

Warum der jüngste Angriff auf die Internetseiten von Kanzlerin Angela Merkel, Bundesregierung und Bundestag völlig ungefährlich war - und dennoch ein überfälliges Warnsignal.

Im allgemeinen Schock über den Anschlag auf das Pariser Satiremagazin "Charlie Hebdo" ist die zeitgleiche Cyber-Attacke auf die offiziellen Internetseiten von Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Bundesregierung und des Bundestages weitgehend untergegangen. Und das zurecht.

Nicht bloß, weil ein paar Stunden digitaler Absenz von Regierung und Parlament ein Klacks sind gegen ein blutiges Attentat mit zwölf Toten. Der Fokus auf Paris verhinderte auch den sonst üblichen Aufregungsautomatismus, der sich entspinnt, wenn im Umfeld der deutschen Politik wieder einmal irgendwo ein Hacker zuschlägt. Da eskaliert dann schnell die Wortwahl, ist von Cyberwar und digitalem Krieg die Rede. Selbst wenn – wie jetzt vermutlich durch die ukrainische Hackergruppe CyberBerkut praktiziert – bloß ein paar Web-Server unter der Last zigtausender digitaler Seitenaufrufe die Grätsche machen.

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Lästig aber nicht gefährlich

Um es klar zu sagen: Das ist bestenfalls lästig. Unüblich ist es nicht. Solche „Distributed Denial of Service“ – kurz DDoS – genannten Attacken passieren ständig. Sie treffen private Webseiten, Unternehmen und nun hat es die Server des externen Dienstleisters erwischt, der die Online-Auftritte von Kanzlerin, Regierung und Parlament hostet.

Ein Risiko für Deutschland und seine Bürgerinnen und Bürger war und ist das nicht. Denn weder gelang mit den Angriffen der Zugriff auf sicherheitsrelevante oder staatstragende Informationen. Noch haben die gestörten Seiten irgendetwas mit den tatsächlich angriffsgefährdeten sogenannten „kritischen“ Infrastrukturen zu tun, ohne deren Funktionieren unser Staatswesen und unsere Gesellschaft tatsächlich erschreckend schnell aus den Fugen gerieten: Strom- und Telefonnetze, Wasserwerke oder Pipelines, Bank-Systemen und Kassenterminals im Handel.

Stillstand droht schon nach wenigen Stunden

Experten geben diesen Systemen nur wenige Stunden, maximal ein paar Tage, bis ihr Ausfall nach einem Hackerangriff gravierende Schäden verursacht und Deutschland wirklich lahmlegt. Gemessen daran sind ein paar stockende Bits auf www.Bundeskanzlerin.de nichts. Und selbst ein wirklich erfolgreicher Cyberangriff wie etwa kürzlich erst auf die E-Mail-Systeme und Geschäftsdaten von Sony-Pictures ist dagegen – trotz all seiner folgenden (politischen und wirtschaftlichen) Verwerfungen – eine Petitesse.

"Schwerer Angriff" Hacker legen Merkels Webseite lahm

Die Internetseiten von Bundeskanzlerin Angela Merkel und vom Deutschen Bundestag wurden von Hackern lahmgelegt. Hintergrund ist offenbar der Besuch des ukrainischen Premiers in Berlin.

Die Internetseiten von Kanzlerin und Bundestag wurden offensichtlich lahmgelegt. Quelle: dpa

Das Problem liegt an ganz anderer Stelle: Im Fall der lahmgelegten deutschen Regierungs- und Parlamentsseiten haben alle wichtigen Schutzprozesse funktioniert. Alle relevanten Stellen waren, so versichern involvierte IT-Schützer aus dem Umfeld der Regierung glaubhaft, kurzfristig informiert. Die Abwehr der Attacke lief an und binnen weniger Stunden waren die – wahrlich nicht gesellschaftsrelevanten – Online-Angebote wieder verfügbar.

Nur, hätte das auch für einen ernsthaften digitalen Angriff auf Deutschland gegolten? Was, wenn das Ziel tatsächlich die Steuerungssysteme kritischer Infrastrukturen gewesen wäre? Was, wenn es den Hackern wirklich darum gegangen wäre, Staat, Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig zu treffen? So, wie er etwa den EU-Staat Estland schon vor Jahren getroffen hat und der dort tagelang de facto zum Wirtschaftsstillstand führte.

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