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Hackernetzwerk: Wie Anonymous Scientology in die Knie zwang

von Parmy Olson

Die spektakulären Attacken auf Scientology waren die Geburtsstunde von Anonymous. Wie sich das Netzwerk gegen die Sekte organisierte und einzelne Mitglieder dafür büßen mussten.

Damit wurde die Gruppe erstmals bekannt: 2008 attackieren Anonymous-Mitglieder im Projekt Chanology mehrfach Internet-Angebote von Scientology, nachdem die Organisation die Veröffentlichung eines internen Tom-Cruise-Interview bei YouTube verhindern will.

Bild: Reuters

Bevor die Hacker und späteren Anonymous-Größen Topiary, Sabu und Kayla einander begegnen, HBGary angreifen und sich entschließen konnten, als LulzSec eine Folge anderer Ziele zu attackieren, musste aus Anonymous zunächst etwas Umfassenderes werden als nur ein Haufen Jugendlicher in zweifelhaften Foren oder einzelner Telefonstreich-Witzbolde wie Topiary. Anonymous musste mehr als nur lästig werden. Das gelang durch den Auftritt des Filmstars Tom Cruise in einem Video, das die Scientology-Sekte unbedingt unterdrücken wollte.

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Cruise gehörte der Sekte seit 1990 an und war schnell ihr bekanntester Repräsentant aus den Reihen der Prominenten geworden. Im Jahr 2004 gab er einem Filmteam von Scientology ein Interview, welches als Video ausschließlich für Sektenmitglieder vorgesehen war. Das Video hatte alles, was einen richtigen Propagandafilm ausmacht: Zuerst sah man die Erde im Weltraum, dann Lichtblitze, und man hörte das Geräusch geschwungener Schwertklingen, als das Symbol der Sekte ins Blickfeld kam. Eine elektrische Gitarre stimmte schwungvoll die Titelmelodie von Mission: Impossible an, und Cruise erschien im schwarzen Rollkragenpullover und mit strenger Miene. „Ich halte es für eine Auszeichnung, sich Scientologe nennen zu dürfen“, sagte er. Während im Hintergrund weiter der Titelsong aus Mission: Impossible spielte, lieferte Cruise einen seltsamen, zunehmend zusammenhanglosen Monolog ab, den das Video in Ausschnitten zeigte.

Das Tom-Cruise-Video

„Die Zeit ist da, klar?“, erklärte er. „Die Leute werden sich an dich um Rat wenden, also mach dir das lieber klar. Mach es dir klar. Und wenn nicht?“ Er lächelte. „Geh und informiere dich, klar? Aber tu nicht bloß so, als wüsstest du Bescheid oder so. Wir sind für dich da, wenn du Hilfe brauchst, das weißt du.“ In einem anderen Ausschnitt saß Cruise zunächst grinsend mit geschlossenen Augen da; dann brach er plötzlich in Lachen aus. „Die haben gesagt, du hast also eine SP [Abkürzung für den Scientology-Jargonbegriff Suppressive Person, „Unterdrückende Person“] getroffen? Ha ha ha ha! Und ich sah sie an. Ha ha! Wissen Sie, es ist wirklich toll, denn eines Tages ist es vielleicht wirklich so. Wow.“

Einige von Cruise’ Sätzen ergaben durchaus Sinn, die meisten taten es allerdings nicht. Die Sekte war nicht besonders versessen darauf, das Video an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen. Im Jahr 2007 schickte dann ein ungenanntes Sektenmitglied eine DVD mit dem Film an die Anti-Scientology-Aktivistin Patty Pieniadz.

Diese, ehemals selbst eine hochrangige Scientology-Angehörige, hielt das Video ein Jahr lang zurück und wartete auf den richtigen Moment, um es wirkungsvoll an die Öffentlichkeit zu bringen. Als sie erfuhr, dass am 15. Januar 2008 eine neue Tom-Cruise-Biografie veröffentlicht werden wurde, sah sie den Augenblick gekommen. Sie bot das Video dem Fernsehsender NBC exklusiv an, aber der zog sich zu ihrer Überraschung in letzter Minute wegen der ungeklärten Urheberrechte zurück.

Pieniadz hatte nur noch wenige Tage Zeit und damit nur noch eine Option: das Internet. Da sie keine Ahnung hatte, wie man Videos hoch lädt, schickte sie DVD-Kopien an mehrere Bekannte und hoffte, dass es seinen Weg auf YouTube finden wurde. Einer der Empfänger war Mark Ebner, ein investigativer Journalist aus Los Angeles. Am 15. Januar um 2 Uhr morgens Westküstenzeit schickte Ebner eine Nachricht an den Gründer des Medieninformationsdienstes Gawker, Nick Denton. Er fragte an, ob Gawker den Film, der schnell unter der Bezeichnung „Das irre Tom-Cruise-Video“ bekannt werden sollte, auf seiner Seite einstellen wollte. Denton war, so Ebner, „benebelt“ vor Aufregung.

Gleichzeitig erschienen die ersten Kopien auf YouTube und wurden vom Betreiber umgehend wieder entfernt, formell aus Urheberrechtsgründen. Die Scientology-Sekte war berüchtigt für ihre Prozesssucht, und der Google- Konzern als Eigentümer von YouTube hatte erst im Jahr zuvor eine Milliarde Dollar Schadensersatz an Viacom zahlen müssen, ebenfalls wegen einer Copyrightfrage. Man wollte kein Risiko eingehen.

Das Video verbreitete sich wie ein Lauffeuer

Gawker ließ sich dagegen nicht abschrecken. Am 15. Januar veröffentlichte der Gründer und Herausgeber Denton das Video in einem Blogpost namens „Das Cruise-Indoktrinationsvideo, das Scientology unterdrücken wollte“. Im Begleittext schrieb er: „Gawker stellt dieses Video der Öffentlichkeit zur Verfügung, weil es Nachrichtenwert hat, und wird es nicht wieder entfernen.“ Das Video verbreitete sich viral wie ein Lauffeuer. Bis jetzt ist Dentons Blogpost über 3,2 Millionen Mal aufgerufen worden, während eines der auf YouTube hochgeladenen Exemplare, das tatsachlich überlebt hat, inzwischen mehr als 7,5 Millionen Klicks bekommen hat.

Die 4chan-Nutzer greifen ein

Dank 4chan und /b/ wurde die Sache für Scientology aber schnell noch peinlicher. [4chan ist ein so genanntes Imageboard, eine Art Forum, in der die anonymen Nutzer vor allem Bilder veröffentlichen. Es ist die Wiege der Anonymous-Bewegung. /b/ ist dabei das populärste Subforum bei 4chan. Anmerkung der Redaktion] Noch am selben Tag, um 19.37 Uhr Ostküstenzeit, legte eine angeblich weibliche /b/-Nutzerin, die Gawkers Blogeintrag gesehen hatte, einen Diskussionsthread an. Der Titel lautete einfach „Scientology-Raid?“

Der Text ist ein Auszug aus dem Buch "Inside Anonymous - Aus dem Innenleben des globalen Cyber-Aufstands" (Redline Verlag, München, 22 Euro). Versandkostenfrei zu bestellen unter www.wiwo-shop.de (zum Vergrößern bitte Bild anklicken) Quelle: Pressebild
Der Text ist ein Auszug aus dem Buch "Inside Anonymous - Aus dem Innenleben des globalen Cyber-Aufstands" (Redline Verlag, München, 22 Euro). Versandkostenfrei zu bestellen unter www.wiwo-shop.de (zum Vergrößern bitte Bild anklicken) Quelle: Pressebild

Weil 4chan ein sogenanntes Imageboard war, ein Forum zur Verbreitung von Bildmaterial, musste auch auf /b/ jeder Erstposter ein Bild hochladen. Die Userin nahm einfach das weiß-goldene Scientology-Logo und hängte einen Text voller Klischeephrasen daran, der die /b/-Gemeinde aufscheuchen sollte: "Ich glaube, es ist Zeit, dass /b/ etwas Großes bewerkstelligt. Die Leute müssen sehen, dass mit /b/ nicht zu spaßen ist ... Was ich meine, ist ein Angriff auf die offizielle Scientology-Webseite. Es wird Zeit, dass wir unsere Ressourcen für eine gerechte Sache einsetzen. Es ist Zeit für ein neues großes Ding, /b/. Sprecht euch ab, findet einen besseren Ort für die Planung, und dann zieht durch, was möglich ist und getan werden muss. Es ist Zeit, /b/."

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.08.2012, 13:16 Uhrann

    An Robin Boeck und Sabine Weber beide Scientologen aus Berlin

    SCIENTOLOGY LÜGT UND BETRÜGT !

    So ist es, das gehört ihr abgeschafft und verboten !!!

  • 12.08.2012, 13:06 Uhrann

    so schauts aus Träumer obin Boeck (Scientologe aus Berlin): UND TSCHÜSS !!!

    Physische Misshandlungen, komplexe Kontrollsysteme und eine Kriegskasse von rund einer Milliarde Dollar – Mark Rathbun, Ex-Jurist von Scientology, rechnet im heute.de-Interview mit Scientology ab. (11.08.2012)

    Schon länger bröckelt und brodelt es in den schicken Machtzentralen von Scientology in Los Angeles. Der Psychokonzern, der in Amerika als Religion anerkannt ist, bestreitet dies natürlich gegenüber jedem der fragt, doch Austritte und Skandale zeichnen ein anderes Bild. Sowohl in Europa als auch in den USA verliert Scientology an Boden. Gott sei Dank !

    seht:

    http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/web/heute-Nachrichten/4672/23818856/5cf9d6/Eskalierende-Gewaltkultur-bei-Scientology.html

  • 07.08.2012, 15:38 UhrRBoeck

    Wer belügt hier wen? Es ist interessant, dass die mit den größten Scheuklappen immer davan ausgehen, dass man selbst der einzige ist, der den Durchblick hat - doch Sie werden mir das Gleiche vorwerfen, daher macht diese ganze Diskussion keinen Sinn!
    Doch ich weiß gar nicht, wie man so "überzeugt" so einen Unsinn reden kann, denn im Gegensatz zu Ihrer Meinung, berüht meine auf dem was ich tatsächlich gesehen und erlebt habe, während Ihre nur ein Echo der medialen Gehirnwäsche ist. Es klingt natürlich alles sehr emotional was Sie hier schreiben und deckt sich mit dem, was die Massenmedien schreiben, doch das beweist leider nur, dass Sie ein Echo dieser Maschinerie sind ... die Wirklichkeit sieht (zum Glück) anders aus! Aber wem erzähle ich das?

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