Herdentrieb im Internet: Bewertungsportale überflutet von positiver Stimmung

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Herdentrieb im Internet: Bewertungsportale überflutet von positiver Stimmung

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Je mehr Likes eine Nachricht oder ein Produkt hat, desto mehr positive Bewertungen folgen.

Internetnutzer wollen keine Stimmungsmuffel sein. Sobald etwas positiv bewertet wurde, springen sie auf den Zug auf und befeuern die Kommentarspalte mit Zustimmung. Vor allem auf Vergleichsportalen ist dieser Herdentrieb gefährlich.  

Forscher aus den USA und Israel haben nachgewiesen, dass Internetnutzer auf Bewertungsplattformen zu positiven Kommentaren neigen, wenn bereits Zustimmung vorliegt. Wurde ein Kommentar zuerst positiv bewertet, zog er weitere Unterstützung an. „Die kleine Manipulation einer einzigen positiven Erstbewertung führte aufgrund des sozialen Einflusses zu einer signifikant höheren Gesamtbewertung“, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Science“. Auch Facebook hat die positive Grundstimmung bei Nutzern in sozialen Netzwerken erkannt und gar nicht erst einen „Don’t Like“-Button eingeführt.

Bei einer negativen Erstbewertung beobachteten die Wissenschaftler einen Ausgleichseffekt. Die nächste Bewertung war oft positiv - offenbar wollten andere Nutzer den schlechten Eindruck der ersten Bewertung ausgleichen. „Während sich positiver Einfluss ansammelt und eine Tendenz zu Bewertungsblasen aufweist, wird negativer Einfluss von der Menge der Nutzer korrigiert“, fassen die Forscher ihre Ergebnisse zusammen.

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Anbieter auf Vergleichsportalen wie Ciao, Qype oder Holidaycheck werden jubeln. Sie brauchen nach der Analyse der Forscher also nur einen ersten positiven Kommentar unter ihr Produkt setzen, prompt sprudeln weitere Lobeshymnen ein. Und das Geschäft mit manipulierten Online-Bewertungen hat sich längst professionalisiert. Verschiedene Studien schätzen die Fake-Rate auf Vergleichsportalen auf 20 bis 30 Prozent. Agenturen werden extra beauftragt, anonym und vor allem authentisch Bewertungen über Hotelurlaube, Restaurantbesuche oder Elektronikware abzugeben.

So erkennen Sie gefälschte Bewertungen

  • Verhalten der Autoren

    Wenn ihnen Kommentare verdächtig vorkommen, werfen Profis immer erst einen Blick auf die Autorenprofile. Wie viel und worüber hat der Nutzer noch geschrieben? Normale Autoren verfassen entweder sehr viele Berichte zu unterschiedlichsten Produkten oder nur einen einzigen Testbericht: Der ist dann aber tendenziell kritisch, weil der Kunde verärgert ist. Ein einzelner negativer Kommentar ist daher oft authentisch. Bei gefälschten Testberichten schreiben Nutzer in der Regel unter Pseudonym – meist nur einen einzigen, sehr positiven Bericht. Betrüger sind oft auch noch nicht lange auf den jeweiligen Seiten angemeldet, bevor sie eine Bewertung schreiben

  • Sprache der Bewertung

    In gekauften Erfahrungsberichten, das zeigen Studien, stehen besonders viele Marketingbegriffe wie etwa "geschmackvolle Einrichtung im landestypischen Stil". Zudem branchenspezifische Begriffe: Das Gemüsefach des Kühlschranks heißt dann "Frischhaltezone" oder im Hotel ist ein "Late Arrival" möglich.

  • Zahl der Bewertungen

    Ein schneller Anstieg von Berichten ist ein Indiz für Fälschungen – noch dazu wenn sich die Bewertungen in der Tendenz von den vorhandenen unterscheiden. Betrüger schreiben außerdem oft direkt nach dem Marktstart eines Produktes falsche Jubelarien. Auch ein wenig verkauftes Produkt oder ein selten aufgerufenes Hotel mit überproportional vielen Bewertungen ist verdächtig.

  • Was tun?

    Wer eine auffällige Bewertung entdeckt, kann mithilfe einer Suchmaschine schauen, ob die fragwürdigen Formulierungen noch bei anderen Portalen auftauchen – oder gar in den Selbstbeschreibungen von Anbietern. Oft ist das der Fall.

Die Internetgemeinde tut ihren Rest. Jeder zweite Internetnutzer (51 Prozent) hat bereits online seine Erfahrungen mit Produkten oder Dienstleistungen geteilt. Das sind knapp 28 Millionen Deutsche, so das Ergebnis einer Bitkom-Umfrage. „Kundenbewertungen sind für Online-Händler zur wichtigsten Währung geworden“, sagt der Chef des Hightech-Verbands Bernhard Rohleder. Immerhin schenken  Internetznutzer Rezensionen auf Online-Plattformen und Blogs großes Vertrauen. In einem Ranking des US-Marktforschungsunternehmens Forrester folgen sie auf Platz zwei direkt hinter den Empfehlungen von Freunden und der Familie. 

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