Ice Bucket Challenge: Ein Eimer Gutes

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Ice Bucket Challenge: Ein Eimer Gutes

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Manche nervt es, aber der Hype im Internet geht weiter: Duschen mit Eiswasser. Die „Ice Bucket Challenge“ bringt Spenden, Aufmerksamkeit für eine seltene Krankheit und Schlagzeilen für Prominente.

von Lukas BayQuelle:Handelsblatt Online

Die "Ice Bucket Challenge" ist ein weltweiter Trend. Jetzt hat auch Miriam Meckel mitgemacht, die künftige Chefredakteurin der WirtschaftsWoche.

Erwachsene Menschen, die sich ohne Not einen Eimer Eiswasser über den Kopf gießen. Ist das nicht infantil und albern? Ja, möglicherweise. Ein Hype? Ganz sicher. Und doch ist die so genannte „Ice Bucket Challenge“ (zu Deutsch: Eiseimer-Herausforderung) die wohl erfolgreichste Charity-Kampagne des Jahres, und bringt der Erforschung und Behandlung der Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) jeden Tag neue Millionen an Spendengeldern.

Die Kampagne funktioniert über die Macht der Bilder. Zum einen, weil alle mitmachen können, zum anderen weil sie die Reichen und Mächtigen in ganz selbstironischer Pose zeigt: wie begossene Pudel. Von Milliardär Bill Gates über Facebook-Chef Mark Zuckerberg bis zum ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush. Und wenn selbst Berufszyniker und Egomanen wie Charlie Sheen auf einmal 10.000 Dollar für eine Krankheit geben, von der sie vor einer Woche nicht einmal wussten, dass sie existiert, dann spricht das für die Kampagne. Kann man nicht auch ohne Eiswasser spenden? Kann man. Aber macht man es auch?

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Natürlich muss man zugeben, dass bei manchen Prominenten, die sich derzeit mit Eiswasser übergießen, der Hintergrund der Kampagne längst verloren gegangen ist. Wenn Helene Fischer sich im weißen Sport-BH von zwei leichtbekleideten Herren mit einem Champagner-Kühler übergießen lässt und Oliver Pocher an der Tanke den Clown spielt, ohne das Wort ALS auch nur zur erwähnen, verkommt die „Ice Bucket Challenge“ zur klamaukigen Wasserschlacht.

Gabor Steingart nimmt Ice Bucket Challenge anVideo abspielen
Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart nimmt Nominierung anGabor Steingart nimmt Ice Bucket Challenge an

Richtiggehend peinlich wird es sogar, wenn die eigentlich gute Idee der Kampagne zur Eigenwerbung missbraucht wird. Negativbeispiel ist hier Ryanair-Chef Michael O’Leary, der in seinem Eiseimer-Video die Preise der Konkurrenz kritisiert, um dann Lufthansa-Chef Carsten Spohr, Air-France-Chef Alexandre de Juniac und IAG-Chef Willie Walsh zu nominieren.


Furcht vor dem Thailand-Effekt

Solche Videos sind für die Kritiker ein willkommener Anlass, um die Kampagne insgesamt in ein schlechtes Licht zu rücken. Doch der Erfolg gibt ihr Recht. Die amerikanische ALS-Stiftung präsentiert täglich neue Rekord-Spendensummen. Am Dienstag zählte sie 22,9 Millionen Dollar, am Donnerstag waren es schon 41,8 Millionen Dollar. Im Vorjahr waren im gleichen Zeitraum gerade einmal 2,1 Millionen eingesammelt worden. Hinzu kommen sämtliche Spenden an andere ALS-Stiftungen, die in dieser Summe nicht enthalten sind.

Sie funktioniert auch, weil sie berührt, ohne zu moralisieren. Man erfährt beispielsweise, dass die Mutter des geschätzten Kollegen Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur für „digitale Medien“ bei der FAZ, ebenfalls an ALS erkrankt ist und stellt so einen ganz persönlichen Bezug zu einer Krankheit her, deren Namen alleine man sich nur schwer merken kann. (Wofür stand ALS noch mal? Ohne im Artikel zu spicken…)

Zwei Gefahren bringt die Kampagne aber doch: Denn der Hype um die ALS-Kampagne sorgt dafür, dass Spenden sich stark auf einen Zweck konzentrieren. Während die Kassen der ALS-Stiftungen nun prall gefüllt sind, rücken Hilfskampagnen für syrische Flüchtlinge, die Wasserversorgung in Afrika oder die Aids-Forschung in den Hintergrund. Ähnlich war es schon, als 2011 ein Tsunami Thailand überrollte. Während die Spenden in Rekordhöhe schossen, klagten andere Hilfsorganisationen über sinkende Spenden.

Bei anhaltendem Erfolg der Kampagne sollte auch die ALS-Stiftung darum ihre Aufmerksamkeit nutzen, um auch für andere hilfreiche Programme zu werben. Dann wäre das Strohfeuer nützlich für alle. Und dann dient all die Albernheit auch einer guten Sache.

Quelle:  Handelsblatt Online
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