IFA 2015: So sieht der Medienkonsum der Zukunft aus

ThemaIFA 2015

IFA 2015: So sieht der Medienkonsum der Zukunft aus

von Thomas Kuhn

Persönlicher, sozialer, vielfältiger: Die Digitalisierung verändert unseren Medienkonsum - und das Tempo des Wandels beschleunigt sich. Ein IFA-Ausblick - und fünf Thesen zur Zukunft des Medienkonsums.

Heute kann sich das kaum einer mehr vorstellen. Doch es gab sie tatsächlich einmal. Die Zeiten in denen der heimische Fernseher das familieninterne Lagerfeuer, an dem sich Vater-Mutter-Kind allabendlich versammelten und – mindestens – die Tagesschau gemeinsam verfolgten. In denen Elsner, Kulenkampff oder Carrell Millionen samstagabendlich vor den Mattscheiben versammelten und die TV-Quoten in hohe, zweistellige Sphären schossen.

Die Zeiten, in denen mangels anderer Sender spätestens ab dem fünften Programmplatz nur Rauschen über den Fernsehschirm flimmerte. Die Zeiten, in denen eine 13-jährige Anke Engelke jeweils Anfang September die jüngeren TV-Zuschauer schon nachmittags um drei Uhr vor den Fernseher lockte, weil das Kinderferienprogramm im ZDF zur Internationalen Funkausstellung zu einer Zeit startete, zu der üblicherweise nur das Testbild den Schirm füllte.

Anzeige

Wenn Ende dieser Woche in Berlin wieder die heute nur noch IFA genannte Elektronikmesse ihre Tore fürs Publikum öffnet, dann werden bestenfalls noch ein paar altgediente Messeveteranen unter den Ausstellern und Besuchern an diese Zeiten aus den späten Siebzigern und Achtzigern erinnern. Der jüngere Teil der Messegäste navigiert durch ungezählte Kabel- und Satellitenkanäle und ist vom Medienkonsum via Internet und übers Smartphone sozialisiert.

TV dominiert weiter den Medienkonsum

Trotzdem, und das überrascht, hat der Fernsehkonsum – trotz der wachsenden Medienkonkurrenz – seine dominierende Stellung im persönlichen Unterhaltungsmix der Deutschen behalten.

Nicht nur das: Seit Mitte der Neunzigerjahre hat die tägliche TV-Nutzungsdauer jedes Bundesbürgers sogar noch um rund 20 Prozent zugenommen. 221 Minuten sah der Durchschnittsdeutsche im vergangenen Jahr täglich fern. Mit knapp 170 Minuten liegt die tägliche Nutzung des Internets damit noch immer deutlich niedriger, auch wenn der Web-Konsum natürlich weit stärker gestiegen ist und sich die Onlinezeit pro Tag seither fast verdreifacht hat.

Mehr TV, mehr Internet... und das, obwohl weder die Arbeitszeiten in vergleichbarem Maße zurückgegangen wären (oder der Tag ein paar zusätzliche Stunden bekommen hätte). Das macht deutlich, wie sehr sich der Medienkonsum im Umbruch befindet. Auch wenn dieser Wandel auf den ersten Blick noch gar nicht so sehr ins Auge sticht.

Die wichtigsten Infos zur IFA 2015

  • An wen sich die IFA richtet

    Die IFA in Berlin gilt als eine der bedeutendsten Messen für Unterhaltungselektronik und ist die älteste Schau dieser Art in Deutschland. Seit 2005 findet sie nicht mehr alle zwei Jahre, sondern jährlich statt, im Jahr 2008 sind auf Wunsch der Hersteller auch erstmals Haushaltsgeräte hinzugekommen. Die Messe hat sich mit diesen Entscheidungen erfolgreich als Schauplatz für die vernetzte digitale Welt neben wachsender Konkurrenz etwa durch die Consumer Electronics Show CES in Las Vegas behauptet. Anders als die Fachmesse CES ist die IFA in erster Linie eine Publikumsmesse mit einem umfangreichen Unterhaltungsprogramm. Inzwischen nutzen auch viele Hersteller aus der traditionellen PC-Branche die Messe für einen Auftritt.

  • Wer zur IFA geht

    2014 präsentierten nach IFA-Angaben 1.538 Ausstellern auf rund 149.500 Quadratmetern ihre Produkte und zogen so mehr als 240.000 Besucher an. Die Messe generierte 2014 nach eigenen Angaben in den sechs Messetagen ein Ordervolumen von rund 4,25 Milliarden Euro.

  • Was der IFA-Besuch kostet

    Tageskarte 17 Euro, im Vorverkauf 12 Euro (bis 3.9.), ermäßigt 12 Euro (für Studenten, Lehrlinge etc.); Schülerticket 8 Euro, Schulklassenticket 35 Euro (bis 31.8.); Familienticket (2 Erwachsene, 3 Kinder) 35 Euro; Happy-Hour-Ticket 12 Euro (gültig ab 14.00 Uhr); für Kinder bis 6 Jahre kostenfrei.

  • Seit wann es die IFA gibt

    Die erste „Große Deutsche Funkausstellung“ fand in Berlin im Dezember 1924 mit 268 Ausstellern und 170 000 Besuchern statt. 1930 sprach Albert Einstein ein Grußwort zur Eröffnung, das über Rundfunk übertragen wurde. Während der Nazizeit wurde 1933 der erste Volksempfänger unter dem Funkturm präsentiert, 1935 feierte das erste Tonbandgerät Magnetophon K1 von AEG Premiere.

Pünktlich zum Start der IFA also fünf Thesen, wie die Digitalisierung unsere Unterhaltung verändert:

These 1 – Alles Strömt

Was haben die Platten- und Studiobosse nicht schon den Untergang der Musikindustrie bejammert, den baldigen Tod des Video-Verkaufs prognostiziert. Was haben sie über Raubkopien und illegale Tauschportale geklagt. Der Blick auf die Absatzzahlen von CDs etwa zeigt, dass das Geschäft gar nicht mal so schlecht läuft. Mit fast 416 Millionen Euro Umsatz läuft das Geschäft hierzulande im ersten Halbjahr gerade mal 3,4 Prozent schlechter als das im Vorjahr. Und auch beim Videoverkauf liegen DVD und Blu-ray-Disks mit 536 Millionen Euro nur 5,9 Prozent schlechter als zwölf Monate zuvor.

Keine Frage, wenn man nur auf den Verkauf der Silberscheiben schaut, die Geschäfte liefen auch schon mal besser. Aber der entscheidende Punkt liegt ganz woanders:

Während der klassische Medienvertrieb langsam schrumpft, schießen die Umsätze mit Streaming-Inhalten aus dem Netz fast raketenartig in die Höhe. Verglichen mit dem Vorjahr legten die Umsätze mit Musik-Streaming-Angeboten – egal ob dem Abruf einzelner Titel, der mit Abos von Diensten wie Spotify, Deezer oder Soundcloud – im ersten Halbjahr 2015 um fast 90 Millionen Euro zu, ein Plus von fast 74 Prozent im Vorjahresvergleich. Noch extremer sieht es bei Videoinhalten aus: Amazon, Netflix, Maxdome und wie sie alle heißen, sorgten alleine im ersten Halbjahr für 145,4 Millionen Euro Umsatz, ein Zuwachs um gut 116 Prozent.

Was die Deutschen beim Thema Smart Home interessiert

  • Interesse an Assistenz-Systemen im Smart Home

    “Smart Home”, “Connected Home“ oder auf gut Deutsch „Heimvernetzung“: Die Begriffe sind für viele Deutsche unbekannten Begriffe mehr. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom haben fast zwei Drittel aller Bundesbürger (65 Prozent) ab 14 Jahren schon einmal davon gehört. 2014 waren es erst 51 Prozent. Doch nicht für Anwendungsmöglichkeiten, die Hilfe im Alltag versprechen, interessieren sich die Deutschen gleich stark. Ein Überblick.

    Quelle: Bitkom

  • 80 Prozent...

    … der Deutschen können sich vorstellen, ein System zur Erkennung unverschlossener Wohnungstüren zu nutzen. Das würde per Smartphone-Nachricht warnen, wenn man vergisst, die Tür abzuschließen.

  • 78 Prozent...

    … der Befragten können sich vorstellen, eine intelligente Uhr zu verwenden, die automatisch Gesundheitsdaten wie Blutdruck, Blutzucker, Puls oder Körpertemperatur misst.

  • 72 Prozent...

    … halten es für denkbar, ihren Fußboden mit einer Funktion auszustatten, die Alarm schlägt, wenn ein Bewohner stürzt.

  • 63 Prozent...

    … der Deutschen können sich vorstellen,  ein System zu nutzen, das warnt, wenn der  Herd nicht ab- oder Wasser nicht ausgestellt ist.

  • 14 Prozent...

    würde eine intelligente Matratze nutzen, die automatisch Alarm schlägt, wenn es Auffälligkeiten im Schlafverhalten gibt oder  eine Person beispielsweise nicht mehr aufsteht.

Und der Trend wird sich nicht mehr umkehren. Nahezu jeder neu verkaufte Fernseher besitzt mittlerweile einen Online-Anschluss. Apps für alle relevanten Mediendienste sind integriert – oder lassen sich über Medienadapter, wie Googles Chromecast oder den Amazon Fire TV auch auf älteren Fernseher abrufen.

Spätestens da lösen sich dann auch die Grenzen zwischen TV- und Internet-Konsum auf.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%