
Sie hatten etwas von schwarzen Löchern an der Wohnzimmerwand, die Flachbildfernseher der vergangenen Jahre. Wer als Produzent oder Besitzer eines LCD- oder Plasmariesen Eindruck machen wollte, präsentierte Riesenmonitore mit bis zu handbreiten Display-Rahmen, die die opulenten Fernsehbilder - wie Passepartouts sorgsam gerahmte Bilder - mehr oder minder schmückend einfassen sollten.
Das sah, zumindest bei eingeschaltetem Programm, einigermaßen ansehnlich aus. Spätestens aber, wenn die Riesen-Glotze ausgeschaltet wurde, blieb an der Wand nur noch ein schwarzer Fleck von der Größe eines mittleren Beistelltisches zurück. Ein Eindruck, den die breiten Bildschirmrahmen noch verschärften.
Damit zumindest ist es in diesem Jahr vorbei. Quer durch alle Hallen und bei allen Herstellern ist nun die Liebe zur schlanken Linie ausgebrochen. OB LG oder Philips, Loewe oder Samsung, Panasonic oder Sony - die Branche übt sich in Minimalismus. Fast überall umschließen teils nur noch wenige Millimeter breite Metalleinfassungen oder allenfalls noch daumenbreite Kunststoffrahmen die Display-Scheiben.
Das verringert nicht nur den Platzbedarf der ohnehin tendenziell immer größeren Monitore. Heute braucht selbst mancher neue 40- bis 42-Zöller heute weniger Platz im Schrank oder auf dem Sideboard, als vor Jahresfrist noch viele 37-Zöller.
Bild: PressePhilips 42PFL6907K
Sein Displayrahmen ist so dünn, dass das TV-Bild des neuen Philips vor der Wand zu schweben scheint. Das Ambilight-Hintergrundlicht, dessen Farbe sich an den Bildinhalt anpasst, verstärkt diesen Effekt noch.
1400 Euro
Bild: PresseLG 42LM670S
Das Online-Portal des LG bietet nicht nur Zugriff auf TV-Apps, Videos und 3-D-Filme aus dem Internet. Die Flash-Software im Browser ermöglicht es auch, Abermillionen von Multimediainhalten aus dem Netz wiederzugeben.
1300 Euro
Bild: PresseSamsung UE40 ES 8090
Mikrofon und Web-Cam im Displayrahmen machen es nicht nur möglich, Videotelefonate über die integrierte Skype-TV-App zu führen. Samsungs Smart-TV lässt sich damit zudem per Sprachbefehl und Handbewegungen steuern.
1700 Euro
Bild: PressePanasonic TX-P50 VT50E
Um die Navigation im Web zu erleichtern, steckt in der Fernbedienung der VT-Serie ein Touchpad. Via WLAN lassen sich TV-Bilder und Videos auch auf Tablet oder Smartphone übertragen.
Preis: 2100 Euro
Bild: PresseLoewe Connect ID 40
Der Fernseher bringt nicht nur hochauflösende TV-Bilder auf den Schirm. Sein Festplatten-Rekorder zeichnet sie Wunsch auch auf. Den Weg ins Netz öffnen TV-Apps und ein vollwertiger Web-Browser.
2400 Euro
Bild: PresseSony KDL-40 HX855
TV-Bilder und Media- und Videotheken im Netz führt Sonys Web-Fernseher übersichtlich zusammen. Über zahlreiche nachladbare TV-Apps lassen sich Gerät und Funktionen zusätzlich personalisieren.
1400 Euro
Philips 42PFL6907K
Sein Displayrahmen ist so dünn, dass das TV-Bild des neuen Philips vor der Wand zu schweben scheint. Das Ambilight-Hintergrundlicht, dessen Farbe sich an den Bildinhalt anpasst, verstärkt diesen Effekt noch.
1400 Euro
Schlanke Bauform in Perfektion
Es führt auch zu einem neuen Bildeindruck. Denn wer die Mega-Monitore einschaltet, der erlebt ein Fernsehbild, dass mangels breitem Rand fast schon vor der Wand zu schweben scheint. Zur Perfektion bringt das Philips mit seiner Ambilight-Technik, bei der im TV-Geräterahmen eingebaute Farb-LEDs die Farben des jeweils aktuellen Fernsehbildes auf die Wand hinter dem Fernseher abstrahlen. Damit setzt sich zumindest der Farbeindruck quasi übergangslos vom TV-Bild auf die Umgebung fort. Ein Effekt der insbesondere bei den neuen ultraschlanken Rahmen noch stärker zum Tragen kommt.
Aber auch ohne Ambilight profitieren die Hersteller davon, dass die benötigte Elektronik, um die Displays anzusteuern, inzwischen extrem geschrumpft ist. So passt sie fast komplett hinter das Panel und muss nicht mehr - zumindest teilweise - auch neben der Frontscheibe liegen. Dazu kommt dass die ebenso platz- wie stromsparende LED-Beleuchtung mittlerweile selbst bei günstigeren TV-Geräten zu haben ist. Die winzigen Leuchten haben die älteren Leuchtröhren abgelöst und ermöglichen heute selbst dann noch schlanke Bauformen, wenn das Licht bei den preisgünstigeren sogenannten Edge-LED von der Seite ins Display strahlt.
Und schon jetzt ist abzusehen, dass sich der Trend zu schlanken Gehäuseformen noch weiter fortsetzen wird. Möglich machen das die brandneuen Fernseher mit sogenannten OLED-Displays. Mit denen haben in Berlin insbesondere LG und Samsung für Aufsehen gesorgt. Insbesondere, weil die bisher vorwiegend bei Smartphones eingesetzte Bildschirmtechnik durch eine enorme Brillanz und Farbstärke des Bildes glänzt.
Doch es ist noch eine weitere Eigenschaft der OLED-Monitore, die auf absehbare Zeit das Ende der Schwarzen Löcher an den Wohnzimmerwänden besiegeln wird: OLEDs benötigen keine zusätzliche Beleuchtung der Displays mehr. Statt dessen leuchtet jedes einzelne Pixel des Bildschirms selbst. Und so ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die TV-Neuheiten auf der IFA ganz ohne zusätzlichen Gehäuserahmen auskommen.
Und selbst dass ist wohl nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zum ultimativ unauffälligen Fernseher: Der chinesische Elektronikkonzern Haier hat bereits einen TV-Prototypen gezeigt, dessen Display - ausgeschaltet - komplett durchsichtig ist.














