Innovationsforum 2015: Was Industrie 4.0 für die Wirtschaft bedeutet

Innovationsforum 2015: Was Industrie 4.0 für die Wirtschaft bedeutet

von Lothar Kuhn

Beim Deutschen Innovationspreis diskutierten Unternehmenslenker über die nächste Stufe der digitalen Revolution: die totale Vernetzung – und welche spannenden Geschäftsmodelle sie ermöglicht.

Den Rasen mähen sie schon länger, die Wohnung saugen sie auch: Roboter sind im Haushalt angekommen und nehmen uns lästige Arbeiten ab. Nun steht die zweite Generation der Maschinenhelfer kurz vor der Marktreife. Etwa ein Roboterarm, der am Herd verschiedene Gerichte zubereitet, so gut wie ein Sternekoch. Oder rollende Helfer, die älteren, wenig beweglichen Menschen auf Zuruf ein Buch oder eine Decke bringen.
Schon bald werden die Blech-Bediensteten unsere Gesten verstehen und auf einen Wink reagieren. Und anhand unserer Gespräche erahnen, dass es Zeit wird, die Getränke zu servieren. „Wir erleben eine Revolution in der Robotik“, erklärte Dominik Bösl, Corporate Innovation Manager des Roboterhersteller Kuka, auf dem von der Unternehmensberatung Accenture organisierten Innovationsforum in München. Die Veranstaltung findet traditionell im Vorfeld der Verleihung des Deutschen Innovationspreises statt.

Hilfe, ein Roboter klaut meinen Job!

  • Bedrohte Jobs

    Dass die Zeichen der Zukunft auf digital stehen - geschenkt. Doch ein Journalist der britisch-amerikanischen Webseite Mashable hat darüber einen Artikel veröffentlicht, welche Jobs schon im nächsten Jahr von Robotern ersetzt werden könnten. Das Ergebnis ist überraschend: Ein Blick in die Gegenwart zeigt, dass die Zukunft oft schon da ist.

  • Reinigungskraft

    Sie heißen Scooba 230 oder Braava 380: Roboter, die selbstständig den Boden saugen oder wischen, gibt es schon seit ein paar Jahren. Aber bei aufwendigen Reinigungen, wie zum Beispiel das Entfernen von Bakterien und Keime, war der Mensch bislang unersetzbar. Doch das ändert sich zunehmend. In einem kalifornischen Krankenhaus ist bereits ein Putzroboter im Einsatz, der gezielt zur Bekämpfung von Keimen programmiert wurde. Mithilfe von UV-Licht befreit er das Hospital von Bakterien und Schimmel.

  • Lehrer

    Ob E-Learning oder Moocs: Die größten Bildungstrends der letzten Jahre fanden nicht in den Klassenräumen statt, sondern im Internet. Doch dass der Beruf des Lehrers aussterben könnte – daran haben bislang nur die wenigsten gedacht. In einer Schule im US-amerikanischen Connecticut, lernen Kindern mit Robotern – und das sehr erfolgreich. Zwar kann der Roboter noch keinen Lehrer ersetzen, aber er bringt immerhin die Qualifizierung eines Lehr-Assistenten mit.

  • Sportler

    Der vierfache Weltfußballer Lionel Messi kann ihn nicht bezwingen. Drei Mal nimmt er Anlauf und schießt mit voller Wucht auf das Tor – doch der Torwart hält den Ball. Jedes Mal. Doch nicht Manuel Neuer, Iker Casillas oder Gianluigi Buffont bewachen das Netz, sondern ein sonderlich grinsender Roboter. Jetzt arbeiten japanische Wissenschaftler an einem Roboter, der neben dem Fangen auch Werfen, Rennen und sich richtig positionieren kann. Das wäre dann der erste Roboter, der in der Lage wäre, in einer Mannschaft mit anderen Menschen zu spielen.

  • Pfleger

    Kranke zu pflegen kann nicht nur psychisch belastend sein, sondern auch körperlich. Etwa um den Patienten aufzuhelfen, sich umzudrehen oder umzubetten. In einem Krankenhaus in Singapur erledigt das nun ein Roboter. Das wohl intelligenteste Bett der Welt unterstützt den Patienten bei den Bewegungen und schätzt selbstständig die Geschwindigkeit ein.

  • Verkäufer

    Wer im US-amerikanischen San Jose den Orchard Supply Hardware Store betritt, wird von einer rollenden weißen Säule namens OSHbot begrüßt. Der Roboter hat ein kleines Display mit integrierter Kamera, in das die Kunden ihre Wünsche äußern können. Zum Beispiel, indem sie eine bestimmte Schraube vor die Kamera halten. OShbot identifiziert die Schraube und führt den Kunden dann direkt zum entsprechenden Regal. Auch über die Lagerbestände weiß er zu jeder Zeit Bescheid.

    Ein Video von Oshbot: http://www.mercurynews.com/business/ci_26815593/robots-helping-customers-at-san-jose-orchard-supply

  • Concierge

    In einem Hotel in der US-amerikanischen Stadt Cupertino, mitten im Tech-Paradies Silicon Valley gelegen, begleitet ein Roboter namens SaviOne, die Gäste des Drei-Sterne-Hotels Aloft in ihre Zimmer. In diesem Jahr befand sich das Projekt noch in der Testphase, ab 2015 soll eine kleine Armee von Robotern die Gäste der Starwood-Hotelkette, zu der auch das Aloft gehört, glücklich machen.

  • Schauspieler

    Schauspieler müssen sich jede Rolle hart erkämpfen, bei so gut wie jedem Casting ist die Konkurrenz groß. Und künftig wird sie noch größer. In diesem Jahr wurde eine Rolle in der Theateraufführung von Franz Kafkas „Die Verwandlung“ von einem Roboter gespielt. Gregor Samsa, der sich eines Morgens in ein Ungeziefer verwandelt sieht, wacht in der neuen Interpretation als Roboter auf.

    Video: http://www.newsplay.de/video/Newsplay/International/video-Theater-Experiment-Roboter-spielt-Kafka-wissenschaft-technik-forschung-Frankreich-804828.html

  • Pilot

    In einem Flugzeug ist schon viel automatisiert – doch so ganz ohne Piloten aus Fleisch und Blut ging es bislang nicht. Das will das Advance Institute of Science and Technology in Südkorea ändern. Pibot ist ein Roboter mit Armen, Beinen und einem Kopf. Und soll ein Flugzeug durch schwierige Manöver fliegen. Im nächsten Jahr wird das wahrscheinlich noch nicht möglich sein, zumindest nicht im normalen Passagierverkehr. Aber Pibots Zeit wird kommen, und wahrscheinlich schneller als heute gedacht.

Bösl war einer der vielen Manager, Unternehmer und Gründer, die ihre Ideen und Erwartungen zur nächsten Stufe der digitalen Revolution vorstellten. Sie wird das traditionelle Geschäft der deutschen Industrie tiefgreifend verändern – und auch die Art, wie wir arbeiten. Diese technologische Disruption bietet aber gleichzeitig die Chance, Unternehmens- wie Privatkunden zahlreiche neue und attraktive Dienste anzubieten, so das Fazit der Experten.
Allein die Umsätze mit Robotern sollen sich bis 2030 auf 680 Milliarden Dollar gegenüber heute mehr als verdoppeln. „Es wird eine Generation R heranwachsen, für die intelligente, autonome Roboter zum Alltag gehören werden“, erwartet der Kuka-Manager. Damit das passiert, müssen die Maschinen mit Sensoren aufgerüstet werden, damit sie etwa erkennen, wenn ihnen ein Mensch gefährlich nahe kommt. Sie werden zudem ständig mit dem Internet verbunden sein, um in riesigen Rechenzentren per künstlicher Intelligenz die vielen anfallenden Daten auszuwerten. Diese totale Vernetzung smarter Maschinen firmiert unter dem Begriff Industrie 4.0 – und bestimmt gerade die Debatten um die Zukunft des Wirtschaftsstandorts.

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Die Entwicklungsstufen Künstlicher Intelligenz

  • 1950 - Alan Turing

    Der britische Informatiker entwickelt den nach ihm benannten Test. Er soll ermitteln, ob eine Maschine denken kann wie ein Mensch. Ein russischer Chat-Roboter soll ihn 2014 erstmals bestanden haben.

  • 1956 - Dartmouth-Konferenz

    Experten einigen sich auf den Begriff "Künstliche Intelligenz". Der Rechner IBM 702 dient ersten Forschungen.

  • 1974 - Erster KI-Winter

    Katerstimmung bei den Forschern: Die Fortschritte bleiben hinter den Erwartungen zurück. Computer sind zu langsam, ihre Speicher zu klein, um die Daten von Bildern oder Tönen zu verarbeiten. Budgets werden gestrichen, erst ab 1980 geht es wieder voran.

  • 1997 - Deep Blue

    Der Supercomputer von IBM siegt im Schachduell gegen Weltmeister Garry Kasparov. Die Maschine bewertete 200 Millionen Positionen pro Sekunde. 2011 siegt IBMs Software Watson in der Quizsendung "Jeopardy".

  • 2005 - Ray Kurzweil

    Der KI-Forscher sagt in einem Buch für das Jahr 2045 den Moment der "Singularität" voraus: Die Rechenleistung aller Computer erreicht die aller menschlichen Gehirne. Seit 2012 arbeitet Kurzweil für Google an KI-Systemen.

  • 2014 - KI-Boom

    Ein Google-Programm beschreibt präzise in ganzen Sätzen, was auf Fotos zu sehen ist. Nahrungsmittelkonzern Nestlé kündigt an, 1000 sprechende Roboter namens Pepper in seinen Kaffeeläden in Japan als Verkäufer einzusetzen. Physiker Stephen Hawking warnt: KI könne eines Tages superschlau werden – und die Menschheit vernichten.

  • 2045 - Roboter-Revolution

    Computer sind schlau wie Menschen – und machen sogar Witze. Fabriken, Verkehr und Landwirtschaft sind nahezu komplett automatisiert.

Auch viele andere Geräte und Maschinen werden die Ingenieure aufrüsten. Etwa Aufzüge, wie Andreas Schierenbeck berichtete. Er ist Vorstandsvorsitzender des größten deutschen Liftherstellers ThyssenKrupp Elevator. Schon heute stattet das Unternehmen Aufzüge so mit Sensoren aus, dass sie bis zu drei Monate bevor ein Defekt auftreten wird, automatisch einen Servicetechniker rufen. Das reduziert die Wartungsarbeiten und verhindert, dass jemand im Aufzug stecken bleibt.

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