Intelligente Computer: Die Menschwerdung der Maschine

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InterviewIntelligente Computer: Die Menschwerdung der Maschine

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Kluge Denker unter sich: Informatiker Kounev zwischen smarten Server-Systemen.

von Dieter Dürand

Neue Hightech-Computer werden selbsterkennend, vorausschauend und anpassungsfähig sein. Der Informatiker Samuel Kounev meint, der Menschwerdung der Maschine ganz nahe zu sein.

Ruhig gleitet der Blick des Forschers mit dem schütteren Haupthaar über die Hügel rund um Würzburg, während er mit sanfter Stimme Ungeheuerliches ausspricht. „Wenn wir die Welt weiter in ständig wachsendem Tempo mit Datenzentren zupflastern, haben wir eines Tages mehr Rechenfabriken als Wälder.“

Kann das wirklich passieren?

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Samuel Kounev nickt. Dem gebürtigen Bulgaren ist anzusehen, dass ihn diese Vorstellung bedrückt. Kounev leitet seit April den Lehrstuhl für Software Engineering an der Universität Würzburg.

Tatsächlich eröffnen Giganten wie Google, Amazon und Apple fast täglich immer größere Rechenmonstren, um die anschwellende Datenflut zu bändigen. Selbst vor Nordschweden machen sie nicht halt, weil sich Server wegen der dort oft eisigen Temperaturen preiswerter kühlen lassen. Wäre das Internet ein Staat, würde es schon heute auf Platz sechs des Länderrankings der globalen Stromverbraucher liegen.

Zur Person

  • Samuel Kounev

    Kounev, 38, studierte in Sofia Mathematik und Informatik. Er ist einer der weltweit führenden Köpfe bei der Entwicklung intelligenter Softwaresysteme. Dabei kooperiert er mit IT-Konzernen wie SAP, Salesforce, VMware und Oracle. Seit April lehrt Kounev an der Universität Würzburg.

Ein Ende des Irrsinns ist nicht in Sicht – im Gegenteil. Täglich setzen Nutzer weltweit Zehntausende zusätzliche Tablets, Smartphones und tragbare Computeruhren in Gang. Sie jagen unaufhörlich noch mehr Bits und Bytes um den Globus. Mehr als 25.000 neue Apps lassen jeden Monat den Datenverkehr weiter anschwellen, von 2010 bis 2020 soll er sich verfünfzigfachen.

Doch mittlerweile droht die Rechenpower neuer Chipgenerationen nicht mehr schnell genug zu wachsen, um die Daten auch künftig weiter strömen zu lassen. Leistungssprünge durch neuartige Kohlenstoff-Chips, Biorechner oder Ionenspeicher werden noch Jahre auf sich warten lassen. Vordenker Kounev, dessen steile Karriere ihn über die angesehene britische Universität Cambridge und das Karlsruher Institut für Technologie ins Frankenland führte, hält sie ohnehin für die falsche Antwort.

Sein Ansatz: Er will mit Software, die selbstständig denkt und handelt, den Daten-GAU abwenden. Sie könne die vorhandenen Rechenkapazitäten um ein Vielfaches besser nutzen. Das, so sagt er, öffne das Tor zu einer Informationstechnik (IT), in der Effizienz die bisherige unglaubliche Ressourcenverschwendung ablöst.

Herr Kounev, Sie wollen Computer bauen, die sich ihrer selbst bewusst sind. Sie zitieren dafür den berühmten Satz des französischen Philosophen René Descartes: „Ich denke, also bin ich.“ Hätten Ihre Maschinen eine Art menschlichen Geist?

Nein, das wäre zu hoch gegriffen.

Von 2010 bis 2020 verfünfzigfacht sich die zu verarbeitende Datenmenge. (Für eine detailliertere Ansicht, klicken Sie bitte das Bild an)

Von 2010 bis 2020 verfünfzigfacht sich die zu verarbeitende Datenmenge. (Für eine detailliertere Ansicht, klicken Sie bitte das Bild an)

Was verstehen Sie dann unter Self-Aware-Computing, um den englischen Fachterminus zu benutzen?

Diese Systeme haben drei Merkmale: Sie kennen ihre Ziele und wissen, aus welchen Speichern, Prozessoren, Programmen und Netzwerkelementen sie bestehen. Auf dieser Basis können sie verlässliche Prognosen erstellen und so Probleme voraussehen, denen sie ohne menschliches Zutun entgegensteuern. Kurzum: Sie sind selbsterkennend, vorausschauend und anpassungsfähig – alles Eigenschaften mit Analogien zum menschlichen Denken.

Warum soll das der Computerei einen Leistungsschub bringen?

Weil nur solche Systeme sich selbstständig dynamisch und effizient auf ständig wechselnde Aufgaben einstellen und diese lösen können. Und das höchst ressourcensparend.

Heutige Systeme können das nicht?

Bestenfalls rudimentär. Sie sind zu starr, Entwickler müssen sie unentwegt anpassen. Doch kaum sind sie neu programmiert, hat sich die Welt schon wieder verändert. So hinken sie der Entwicklung ständig hinterher.

Ihre intelligente Technik löst dieses Problem?

Nehmen wir die Verkehrssteuerung. Wirklich wirkungsvoll ist sie nur, wenn das System anhand der Informationen, die Kameras und Sensoren über die Fahrzeugströme liefern, Ampelphasen anders schaltet und Autos per Navigationsgerät umleitet, bevor sie sich stauen. Und bei seinen Prognosen auch Tagesbaustellen und Unfälle einkalkulieren kann.

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