Internet: Anfang vom Ende der Anonymität

Internet: Anfang vom Ende der Anonymität

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Ende der Anonymiät?

von Oliver Voß

Mausibär75 adé. Noch tummeln sich die meisten Internetnutzer unter dem Schutz anonymer Pseudonyme. Das größte Onlinespiel will das nun verbieten. Ein Kulturwandel hat begonnen, an dessen Ende steht Identifizierbarkeit statt Anonymität.

Die Meldung klingt zunächst nach einem exklusivem Problem für Computerspieler: Der Anbieter des erfolgreichsten Online-Spiels „World of Warcraft“ will künftig in seinem Forum nur noch Einträge unter echtem Namen erlauben. Viele Spieler sind empört und fürchten, bald für jeden googelnden Personalchef als Liebhaber virtueller Schlachten mit Elfen, Trollen und Magiern identifizierbar zu werden. Denn obwohl selbst viele der heutigen Führungskräfte mit C64,  Amiga und Playstation groß geworden sind, werden Computerspiele von vielen Nichtspielern immer noch mit Amokläufern und realitätsfremden Nerds assoziert.     

Doch hinter dem Streit um Warcraft findet sich eine viel tiefer gehende Debatte: Wie viel Anonymität soll es künftig im Internet noch geben? Der Streit um die Nutzung von Klarnamen oder Pseudonymen ist zwar so alt wie das Internet selbst. Doch jetzt zeichnet sich ein Kulturwandel ab. War es bislang völlig selbstverständlich, sich im Internet unter dem Schutz eines Nicknames auf den ersten Blick weitgehend unidentifizierbar bewegen zu können, wird die Verwendung des echten Namens zur neuen Normalität.

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"Das Internet wird erwachsen"

„Es ist wie ein Lernprozess“, sagt die wohl bekannteste US-Bloggerin Arianna Huffington, „so wie sich die Verkehrsregeln ändern und das Internet erwachsen wird, geht der Trend von der Anonymität weg.“

Sie überlegt derzeit, die Kommentarregeln in ihrer „Huffington Post“ zu verändern und auch andere Medien, wie die „Washington Post“ oder die „New York Times“ überlegen Registrierungen zur Pflicht zu machen und Klarnamen zu bevorzugen. In Deutschland verlangt die „Badische Zeitung“ seit Februar von ihren Nutzern, bei Online-Kommentaren Vor- und Nachnamen zu nennen.    

Der vielleicht wichtigste Treiber dieser Entwicklung sind soziale Netzwerke wie Facebook, StudiVZ oder Xing. Dort ist es üblich oder zum Teil Pflicht, sich mit seinem Klarnamen anzumelden. Zwar finden sich auch bei Facebook zahlreiche Fantasienamen, doch die Seite behält es sich vor, Fakeprofile zu entfernen.   

Seriosität statt Pseudonym

Zudem gibt es immer mehr Nutzer, die bewusst unter ihrem echten Namen im Internet auftreten. „Auf obskuren Nutzernamen gebildete Profile interessieren mich immer weniger“, schreibt der Gründer des Videoportals Sevenload, Ibrahim Evsan. Viele Blogger äußern sich ähnlich. Da sie zumindest über das Impressum identifizierbar sind, wollen sie auch im Falle persönlicher Kritik wissen, mit wem sie es zu tun haben, argumentiert Martin Weigert in seinem Blog Netzwertig.

„Seit einigen Jahren vollzieht sich ein Wandel im Web – aus dem, was einmal dem Wilden Westen glich, wird zunehmend ein professionelles, seriöses Umfeld, in dem User sich nicht länger hinter Pseudonymen verstecken“, schreibt Weigert. Ein wichtiger Treiber dabei ist auch der Trend zur Selbstvermarktung im Internet. „Personal Branding“ wird immer wichtiger und viele Nutzer versuchen bewusst durch die Nutzung zahlreicher Social-Media-Plattformen, eigene Blogs und Kommentare ihr Profil im Netz so positiv wie möglich zu präsentieren – natürlich unter dem Klarnamen.

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