Internet: Bloggerkrieg bei AOL

von Oliver Voß

Mit dem Kauf prominenter Blogs wollte sich AOL neu erfinden - doch einer der bekanntesten steht nun vor dem Rauswurf. Und auch über die generelle Zukunft des Internetoldies wird wieder spekuliert.

Am kommenden Montag versammelt sich das Who-is-Who des Silicon Valley im San Francisco Design Center zur TechCrunch Disrupt Konferenz. LinkedIn-Gründer Reid Hoffmann, Googles-Mobilchefin Marissa Mayer, wichtige Investoren wie Peter Thiel und John Doerr oder der Schauspieler und an diversen Start-Ups beteiligte Ashton Kutcher sprechen dort über die neusten Trends und heißesten Gründungen.

Doch das am heftigsten diskutierte Thema dort wird wohl die Zukunft des Gastgebers. Michael Arrington ist der Gründer von TechCrunch und hat die Seite in den vergangenen sechs Jahren zu einem der einflussreichsten Blogs der Welt gemacht. Vor gut einem Jahr verkaufte er die Seite für 25 Millionen Dollar an AOL - das könnte ihm nun zum Verhängnis werden.  

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Streit um Risikokapitalfonds

Denn der Rausschmiss von Arrington ist laut Informationen von „Fortune“ beschlossene Sache – es gehe nur noch um die Frage des wie. Seit Tagen hatten sich Arrington und AOL öffentlich bekriegt, es geht dabei um die redaktionelle Unabhängigkeit von TechCrunch und einen millionenschweren Risikokapitalfonds, den Arrington auflegen wollten. AOL wollte sich selbst mit acht Millionen Dollar beteiligen, hatte dabei Anfangs aber nicht bedacht, dass es einen Interessenskonflikt geben könnte, wenn Arringtons Seite über Internet-Gründungen schreibt, an denen dessen Chef selbst beteiligt ist.   

Daher sprach Arianna Huffington, oberste Herrscherin über alle AOL-Inhalte, ein Machtwort: Arrington soll seinen Investitionsfonds haben - aber Chefredakteur von TechCrunch bleiben könne er damit nicht.

Der Blogger reagierte mit einem Ultimatum: Entweder AOL garantiert TechCrunch die beim Kauf versprochene redaktionelle Unabhängigkeit und lässt das Blog in Ruhe - oder es soll an ihn und andere Alt-Eigentümer zurückverkauft werden.

Doch das scheint seine Gegenspielerin kalt zu lassen. Pikanterweise ist Huffington selbst eine  prominente Bloggerin, ihre "Huffington Post" ist zu einer wichtigen Stimme in der amerikanischen Medienlandschaft geworden und gehört in den USA zu den am meisten besuchten Websites.

315 Millionen Dollar legte AOL Anfang des Jahres für das Blog auf den Tisch. Nachdem die misslungene, 100 Milliarden Dollar schwere „Jahrhundert-Fusion“ mit dem Medienriesen Time Warner wieder getrennt wurde, versucht AOL-Chef Tim den Internetoldie als Medienunternehmen und Inhalteanbieter neu zu erfinden.

Doch wie es überhaupt mit AOL weitergeht ist auch fraglich. In den nicht einmal zwei Jahren seit der Trennung von Time Warner summieren sich die Verluste auf fast 800 Millionen Dollar. Daher gibt es immer wieder Spekulationen über die Zukunft. So wurde ein Rückzug von der Börse kolportiert und vor einigen Tagen legte die Aktie um fast neun Prozent zu, nachdem bekannt wurde, dass sich die AOL die Übernahme-Spezialisten Allen & Co. und Wachtell Lipton als Berater engagiert habe. Schon länger kursierende Spekulationen um einen Verkauf von AOL wurden dadurch noch mehr befeuert.  

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