Internet: Das Superhirn aus dem Hause Google - Seite 4

Internet: Das Superhirn aus dem Hause Google

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Für Bak in Aarhus sind solche Debatten so weit weg wie die 8700 Kilometer entfernte Google-Zentrale. Er will Programme schreiben, gute Programme. Politik sollen andere machen. Auch das Interesse an seiner Person stört ihn. Er kann nicht begreifen, dass sich Menschen mehr für ihn interessieren als für Computerprogramme. Es bereitet ihm regelrecht Bauchschmerzen, wenn wieder einmal jemand sagt, er sei das Genie hinter dem Chrome Browser.

In letzter Zeit hat er ziemlich oft Bauchschmerzen. Denn in Dänemark ist Bak ein Held. Einer, der es geschafft hat, den Weg aus einem kleinen Fischerdorf ins Silicon Valley zu gehen – und zurück. Vor allem die Studenten lieben ihn. Das ahnte sein alter Professor Ole Lehrmann Madsen sofort, als Bak zurückkehrte. Er überredete seinen Ex-Studenten, es mit einem Seminar an der Universität Aarhus zu versuchen. Dort, wo er bis 1988 Informatik studierte. „Er ist in seinem Feld einer der Besten der Welt, ein Vorbild“, sagt Madsen. Für ihn ist die Rückkehr des einstigen Schülers ein später Triumph: Als er dessen Master-Arbeit betreute, versuchte er ihn zu überzeugen, zu bleiben. Eine Doktorarbeit, eine Assistenz, irgendwas. Doch der junge Mann hatte andere Pläne. Er wollte etwas Eigenes aufbauen, an konkreten Problemen arbeiten.

Bak, der Held

Denn Bak ist nicht der Typ für die akademische Mühle. Schon deshalb, weil er Diskussionen für Zeitverschwendung hält. Über seine Jahre bei Sun erzählen Weggefährten, dass er Meetings auf 20 Minuten begrenzte. Um sicherzugehen, dass keiner länger redet, mussten alle stehen. Nicht, weil Bak den Kontakt mit Kollegen scheut. Die beschreiben ihn als offenen, hilfsbereiten Chef, jederzeit ansprechbar.

Aber eben auch als einen, der sehr effizient und fokussiert arbeite. Dauert ihm ein Gespräch zu lange, tritt er auf der Stelle, geht einen Schritt vor und zurück und klopft mit den Fingern ungeduldig auf der Naht seiner Jeans herum. Als suche er nach eine Taste, um so zum nächsten Kapitel zu springen.

Nur wenn es um Programmiersprachen geht oder um die Leistungsfähigkeit von Browsern, können Gespräche nicht lange genug dauern. Zwar hat Chrome je nach Statistik erst einen Marktanteil zwischen 0,5 und 3,0 Prozent und ist verglichen mit Microsofts Internet Explorer ein Winzling. Rund drei Viertel aller europäischen Nutzer surfen laut dem Marketingdienstleister Adtech mit dem Programm aus Redmond.

Der Geschwindigkeitswettbewerb hat begonnen

Trotzdem: Seit Chrome auf dem Markt ist, sind Browser deutlich schneller geworden. Die großen Konkurrenten, vor allem der Firefox der Mozilla-Genossenschaft, aber auch Apples Safari-Browser, besitzen inzwischen quasi eingebaute Nachbrenner. „Google ist es gelungen, einen regelrechten Geschwindigkeitswettbewerb unter den Browsern zu entfachen“, sagt Jo Bager von der Computerfachzeitschrift „C’t“. Verantwortlich dafür ist auch Baks V8.

Beinahe genauso stolz wie auf solche Ergebnisse ist der Däne auf seine „skandinavische Work-Life-Balance“. Etwas, was es im Silicon Valley nicht gibt. Das inzwischen zehnköpfige Bak-Team beginnt morgens zwischen sieben und acht Uhr. Programmiert wird seit einigen Monaten in einem Gebäude der Universität Aarhus. Mit ein paar roten, blauen und gelben Sitzkissen, einer Kaffeemaschine und einem Kühlschrank mit kalten Getränken hat das Büro sogar etwas Google-Flair abbekommen.

Zu viel davon will Bak nicht. „Das lenkt ab“, sagt er. Wichtiger sei, dass seine Leute um 18 Uhr heimgehen. Wenn nicht gerade eine Videokonferenz nach San Francisco angesetzt ist, steigt auch er dann aufs Rennrad und fährt die zehn Kilometer zu seinem Hof. Und dann gilt eine eiserne Regel: Nach Feierabend rührt er keinen Computer mehr an. „Wenn man keine Pause macht, hat man keine Ideen mehr“, sagt Bak. Und die braucht er, denn sein Job ist zwar nicht mehr geheim, aber noch längst nicht erledigt: In spätestens drei Jahren soll Chrome viermal schneller sein als heute.

Nur bei einem Projekt kommt Bak einfach nicht voran. Die Farbeimer stehen immer noch aufgereiht vor der grauen Wand.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.08.2009, 00:55 UhrAnonymer Benutzer: Joachim

    Tolle Arbeit Herr Matthes !
    Vom dänischen Hof zur großen browserpolitik und zurück.
    Hatte eigentlich gar keine Lust auf das Thema Google - aber der Artikel ist so schön geschrieben ... :-)

  • 29.07.2009, 10:39 UhrAnonymer Benutzer: roland

    Spannendes Stueck - und das Lars bak in seinem Stall (!!) an der neuesten Software "basteln" durfte, ist ja wohl der Kracher, echt stark. Sprechen seien kinder denn nun Daenisch? Toll auch, dass Google solche Einblicke in das Seelenleben seiner Entwickler gibt. Kannte ich ncoh gar nicht solch eine haltung. Gut so, wenn sich Google weiter oeffnet.

  • 29.07.2009, 10:38 UhrAnonymer Benutzer: roland

    Spannendes Stueck - und das Lars bak in seinem Stall (!!) an der neuesten Software "basteln" durfte, ist ja wohl der Kracher, echt stark. Sprechen seien kinder denn nun Daenisch? Toll auch, dass Google solche Einblicke in das Seelenleben seiner Entwickler gibt. Kannte ich ncoh gar nicht solch eine haltung. Gut so, wenn sich Google weiter oeffnet.

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