Internet der Dinge: Das Geschäft mit dem Megatrend

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Internet der Dinge: Das Geschäft mit dem Megatrend

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Das Internet der Dinge sprengt Branchen und ebnet den Weg für grandiose Geschäfte: Daten von Lenkradwinkel, Federung, Pedalkraft und Sattelhöhe sollen jetzt dem US-Hersteller Santa Cruz Bicycles helfen, noch bessere Räder zu bauen.

von Dieter Dürand

Mountainbikes voller Sensoren, Bergwerke ohne Menschen: Die Vernetzung von Geräten und Computern sprengt Branchen und eröffnet grandiose Geschäfte. Wer jetzt schläft, riskiert seine Zukunft.

Mit dem Mountainbike durch die Wildnis der Rocky Mountains zu streifen – davon träumen viele Kunden des kalifornischen Zweiradbauers Santa Cruz Bicycles. Doch der Traum wird schnell zur Plackerei, wenn auf den steilen, schmalen Gebirgspfaden das Hinterrad ständig durchdreht. Damit die Hobbysportler dann nicht frustriert die Tour abbrechen, bietet der Hersteller Hilfe an. Bis zu sieben Sensoren im Rad messen so ziemlich alles, was fürs Fahren wichtig ist: Tempo, Beschleunigung, Lenkradwinkel, Sattelhöhe, Pedalkraft, Federung. Das Smartphone des Bikers sendet die Daten an die Firmenzentrale. Dort erkennen Experten sehr schnell, was der Bergkletterer falsch macht. Umgehend schicken sie ihm Tipps auf sein Display, wie er Fahrstil und Sitzposition ändern muss, damit die Räder besser packen und er mit weniger Kraftaufwand vorankommt.

Der neue Service – noch in der Testphase – ist weit mehr als eine nette technische Spielerei. Er gibt den Blick frei auf den neuen Wertschöpfungskosmos des Internets der Dinge, wie die Vernetzung aller nur denkbaren Maschinen und Geräte plakativ genannt wird. Die Santa-Cruz-Manager zum Beispiel wollen mit dem Dienst nicht nur Kunden binden. Die Daten verraten ihnen zugleich, wie sie noch bessere Räder bauen können.

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Zahl vernetzter Geräte weltweit (in Milliarden)

Damit schälen sich die Konturen einer Zukunft heraus, in der sich ganze Branchen werden neu sortieren müssen: Was wir gerade erleben, ist die Verschmelzung von digitaler und realer Welt, die gewohnte Strukturen und Branchengrenzen auflöst, ja geradezu hinwegfegt, sagt Michael Porter, einer der führenden Management-Vordenker der Harvard Business School: „Der Wettbewerb verschiebt sich von einzelnen Produkten hin zu komplexen Produktsystemen und Diensten.“

Seine Folgerung: Wer die Transformation verschläft, fällt in die Bedeutungslosigkeit. Denn das Internet der Dinge steht für einen Technologiesprung, der ökonomischen Mehrwert verspricht wie schon lange keine Innovation mehr. Bereits in zehn Jahren werde die Vernetzung von allem und jedem die Welt um umgerechnet zehn Billionen Euro reicher machen, prognostiziert McKinsey. Das entspricht knapp zwei Dritteln der jährlichen Wirtschaftsleistung der USA. Unternehmen profitieren vor allem, weil sie Kosten senken und neue Geschäftsmodelle anbieten können. Verbraucher sparen Zeit und erhalten vielseitigere Produkte – meist sogar billiger.

Gegenwärtig sind einer Studie der britischen Marktanalysten von Machina Research zufolge global gut 14 Milliarden Geräte, Maschinen und Computer miteinander vernetzt. 2023 werden es fast 38 Milliarden sein (siehe Grafik). Noch schneller vernetzen Sensoren Gebäude, Autos und Fabriken: Rund eine Billion wird in etwa zehn Jahren rund um die Erde Werte messen und senden, schätzt Christoph Kutter, Leiter der Fraunhofer-Einrichtung für Mikrosysteme und Festkörper-Technologien EMFT in München. Dann können sich Werkstücke selbst bei der nächsten freien Maschine anmelden, um bearbeitet zu werden. Oder Drohnen können in riesigen Warenlagern an Paletten vorbeifliegen, um die Bestände zu erfassen – alles völlig automatisiert.

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1 Kommentar zu Internet der Dinge: Das Geschäft mit dem Megatrend

  • Mein Eindruck ist, dass hier vor allem der deutsche Mittelstand und damit die Säule unserer Wirtschaft einen Megatrend verschläft. Während große Unternehmen und Start-ups längst auf den Zug aufgesprungen sind und fleißig Produkte und Ideen für das Internet der Dinge umsetzen, denkt der Mittelstand zunächst an die Risiken und Gefahren, die mit einer Vernetzung verbunden sind, und sagt sich, das will er aber nicht und lässt lieber die Finger davon. Ein böser Fehler, der sich schon bald rächen könnte.

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