Internet: Die Fußball WM – das Ende der Netzneutralität

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KommentarInternet: Die Fußball WM – das Ende der Netzneutralität

von Thomas Stölzel

Wer die Fußball-WM auf dem Smartphone anschaut, kann zwischen verschiedenen Angeboten wählen. Die MobileTV-App der Deutschen Telekom sticht die Konkurrenz jedoch mit unfairen Mitteln aus.

Die Fußball WM in Brasilien und die Netzneutralität im deutschen Handynetz ­– da besteht auf den ersten Blick nicht unbedingt ein Zusammenhang. Und doch, als ich vor wenigen Tagen unterwegs WM-Spiele auf dem Smartphone schauen wollte, hatte ich die Wahl zwischen einer Reihe kostenloser und kostenpflichtiger TV-Apps. Am Ende habe ich MobileTV von der Deutschen Telekom gewählt. Preis: 7,50 Euro pro Monat.

Der Grund für meine Entscheidung war ganz einfach: Das durch MobileTV verbrauchte Datenvolumen wird nicht auf meinen Mobilfunkvertrag angerechnet. Zum Glück, komme ich doch mit meinen fünf Gigabyte pro Monat auch so schon selten hin. Doch ist das Telekom-Angebot fair?

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Warum der Ausbau des Internets für die Deutsche Telekom so teuer ist

  • Infrastruktur

    Deutsche Telekom: Kupferkabel im Ortsnetz

    Kabel Deutschland/ Unitymedia: Koaxialkabel im Ortsnetz

  • Haushalte

    Deutsche Telekom: 40 Millionen

    Kabel Deutschland/ Unitymedia: 24,6 Millionen

  • Anwendung

    Deutsche Telekom: Telefonie, Internet, Fernsehen

    Kabel Deutschland/ Unitymedia: Telefonie, Internet, Fernsehen

  • Technik

    Deutsche Telekom: VDSL

    Kabel Deutschland/ Unitymedia: Docsis 3.0

  • 1. Ausbauschritt

    Deutsche Telekom: Beschleunigung auf 50 Megabit pro Sekunde in 51 Städten mit 12 Millionen Haushalten; Investition: 2–3 Mrd. Euro

    Kabel Deutschland/ Unitymedia: Internetfähigkeit im gesamten Kabel-TV-Netz herstellen; Geschwindigkeit: 150 Megabit/Sekunde; Investition: 5,5–6 Mrd. Euro

  • 2. Ausbauschritt

    Deutsche Telekom: Beschleunigung auf 100 Megabit pro Sekunde für 24 Millionen Haushalte bis zum Jahr 2016; Investition: 6 Mrd. Euro

    Kabel Deutschland/ Unitymedia: Mit marginaler Investition Beschleunigung auf 200 bis 300 Megabit pro Sekunde jederzeit möglich; Investition: <1 Mrd. Euro

  • Langfristiges Ziel

    Deutsche Telekom: Einstieg ins Gigabit-Zeitalter durch den kompletten Austausch von Kupfer durch Glasfaser in allen Ortsnetzen; Investition: bis zu 80 Milliarden Euro

    Kabel Deutschland/ Unitymedia: Einstieg ins Gigabit-Zeitalter, aber nur marginale Investition erforderlich, da die vorhandenen Koaxialkabel auf den letzten Metern im Ortsnetz weiter genutzt werden

  • Investitionen

    Deutsche Telekom: bis zu 80 Mrd. Euro

    Kabel Deutschland/ Unitymedia: bis zu 1 Mrd. Euro

  • Preissteigerung

    Deutsche Telekom: pro Anschluss 5-10 Euro/ Monat

    Kabel Deutschland/ Unitymedia: pro Anschluss 0-5 Euro/ Monat

Der Konkurrenz gegenüber sicher nicht. Die Telekom als Eigentümerin des Mobilfunknetzes verschafft dem eigenen Angebot kurzerhand einen gewaltigen Wettbewerbsvorteil, den andere Produkte wie Sky Go, Zattoo und wie sie alle heißen nicht haben.

Damit tritt genau das ein, wovor die Verfechter der Netzneutralität seit Jahren warnen ­– jenem ungeschriebenen Gesetz, dass vorschreibt, dass alle Daten gleichberechtigt durch das Netz zu leiten sind.

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Der Deutschen Telekom und anderen Telekommunikationsriesen ist dieser Grundsatz schon seit längerem ein Dorn im Auge. Massiv leisten sie Lobby-Arbeit, um Regierungen rund um den Globus zum Umdenken zu bewegen. Der Grund: Sie wollen Internetdienste wie Sky Go, Maxdome, Spotify und YouTube zu Kasse bitten, wenn sie Videos oder Musik schnell und ungehindert zum Nutzer leiten wollen. Begrenzte Datenvolumen wie im Mobilfunk weltweit üblich, machen es den Netzbetreibern besonders leicht, eine solche Datenmaut durchzusetzen.

Indem die Telekom die Latte durch MobileTV hochlegt, wird sich die TV-Konkurrenz wohl nicht lange wehren können. Zu wertvoll ist das knappe Gut Datenguthaben für den heutigen Mobilfunkkunden. Das macht den rosa Riesen  am Ende in jedem Fall zum Gewinner ­– selbst wenn das Produkt eher Mittelmaß ist. Denn technisch und optisch ist die App nicht gerade auf dem neuesten Stand. Doch wenn’s um Fußball geht und Guthaben spart, nimmt der Nutzer das hin.

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