Internet: Die Überholspur im Netz wird kommen

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Internet: Die Überholspur im Netz wird kommen

von Jürgen Berke und Matthias Hohensee

Noch halten Europa und die USA an der Gleichbehandlung aller Daten und Akteure im Web fest. Doch die Netzneutralität ist bald Geschichte. In Zukunft wird es unweigerlich Überholspuren geben für wichtige, unerlässliche oder lebensnotwendige Dienste. Offen ist nur, zu welchem Preis – und wer die Regeln festlegt.

Feuerwache Berlin-Wilmersdorf, kurz vor elf Uhr vormittags. Das Funkgerät piept, Verdacht auf Schlaganfall. Der Notarzt rast im Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn Richtung Gendarmenmarkt. Beim Schlaganfall können Sekunden entscheiden, ob der Patient zum Pflegefall wird oder weiter wie bisher leben kann.

Der Rettungswagen ist der Einzige in Berlin mit Computertomograf und direkter Internet-Anbindung. Noch am Notfallort sendet der Arzt Röntgenbilder in die Berliner Universitätsklinik Charité, wo Kollegen die Gefäßverschlüsse im Gehirn sofort erkennen und den Befund in den Krankenwagen zurückspielen.

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Die Internet-Anschlüsse der deutschen Haushalte

  • 63,8% der Haushalte...

    ...besitzen einen Internet-Anschluss von 50 Megabit pro Sekunde und mehr.

    Stand: Sommer 2014; Quelle: TÜV Rheinland

  • 70,7% der Haushalte...

    ...besitzen einen Internet-Anschluss von 30 Megabit pro Sekunde und mehr.

  • 78,2% der Haushalte...

    ...besitzen einen Internet-Anschluss von 16 Megabit pro Sekunde und mehr.

  • 89,0% der Haushalte...

    ...besitzen einen Internet-Anschluss von 6 Megabit pro Sekunde und mehr.

  • 94,9% der Haushalte...

    ...besitzen einen Internet-Anschluss von 2 Megabit pro Sekunde und mehr.

  • 96,2% der Haushalte...

    ...besitzen einen Internet-Anschluss von 1 Megabit pro Sekunde und mehr.

Doch es gibt einen Wermutstropfen: Der Notarzt erhielte die Diagnose noch schneller, wenn er die Röntgenbilder während der Fahrt ins Krankenhaus senden könnte. Solche Datenmengen aber würden in der Umgebung des Krankenwagens den Datenverkehr aller anderen Mobilfunkkunden stark verlangsamen. Das darf nach den heutigen Grundregeln des Internets, wonach alle Nutzer gleichbehandelt werden müssen, nicht passieren.

„Ich bin für Gerechtigkeit im Web“, sagt der Berliner Neurologe Heinrich Audebert, der das Schlaganfall-Projekt an der Charité-Klinik leitet. „Aber wir brauchen auch auf der Datenautobahn dieselben Sonderregeln wie im Straßenverkehr.“

Die Auseinandersetzung um Vorfahrtsregeln für mobile medizinische Daten liefert einen ersten Vorgeschmack darauf, wohin die Reise im Internet in den kommenden Jahren gehen wird. Bisher ist die Vorfahrt für besonders eilige Dienste wie die Übertragung lebensrettender Daten verboten. In nicht mehr ferner Zukunft wird dies jedoch anders sein. Die jetzt vorgelegten Reformpläne der EU-Kommission öffnen zumindest ein Stück weit die Tür für den größten Umbau in der Geschichte des World Wide Web – zum Internet der verschiedenen Geschwindigkeiten. „Es wird in Zukunft zwei Internets geben“, prophezeit Ulf Ewaldsson, Technik-Vorstand des schwedischen Netzausrüsters Ericsson, „ein professionelles mit Vorfahrtsregeln für die Industrie und ein konventionelles für die Verbraucher.“

Anstieg des Datenverkehrs pro Gerät bis 2017

  • Tsunami im Internet

    Anstieg des Datenverkehrs pro Gerät bis 2019 (in Megabyte pro Monat)

    Quelle: Cisco

  • Tablet

    +8691 MB

  • Smartphones

    +3162 MB

  • Laptop

    +2948 MB

  • körpernahe Geräte

    +338 MB

Das Thema erregt Internet-Nutzer und Anbieter von Diensten im Web wie kein anderes. Unversöhnlich stehen sich Gegner und Befürworter gegenüber. Netzpolitiker aller Parteien bekämpfen als Vertreter der reinen Lehre jede Ausnahme von der Netzneutralität, sie sehen darin den Einstieg in ein Zwei-Klassen-Web. Die Telekommunikationskonzerne, die gern Internet-Zugänge mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Vorfahrtsregeln anbieten würden, so der Vorwurf, wollten damit nur mehr Geld verdienen – nach dem Motto: Wer nicht bezahlt, muss auf die Kriechspur. Noch heute wirkt bei der Deutschen Telekom der Aufruhr im Sommer 2013 als Trauma fort. Der Konzern hatte versucht, die Geschwindigkeit der Internet-Anschlüsse ab einer bestimmten Datenmenge zu drosseln, es sei denn, der Kunde zahle mehr. Ein gigantischer Shitstorm im Internet sowie das Landgericht Köln zwangen die Telekom zum Rückzieher.

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