Internet: Foursquare steht am Scheideweg

Internet: Foursquare steht am Scheideweg

von Matthias Hohensee

Prominente Internet-Gründer in den USA entscheiden sich gegen den frühzeitigen Verkauf ihrer Startups. Facebook und Google liefern das Vorbild.

Das Angebot klang verlockend. Rund eine Milliarde Dollar bot Yahoo im Spätsommer 2006 für das damals gerade mal zweieinhalb  Jahre alte Startup Facebook. Doch Aufsichtsratschef Peter Thiel, der dem Gründerteam um Mark Zuckerberg das Startkapital für die Entwicklung des sozialen Netzwerks gegeben hatte, winkte ab.

Nach Meinung des deutschstämmigen Finanziers war Facebook zu diesem Zeitpunkt schon „mindestens vier Milliarden Dollar wert“. Gegenwehr von Zuckerberg brauchte Thiel nicht zu fürchten, der Jungunternehmer wollte ohnehin nicht verkaufen. „Mark ist da furchtlos, der hat die ganze Dot.com-Pleite von 2000 ja nicht erlebt“, erzählte Thiel damals der WirtschaftsWoche. Viele im Silicon Valley hielten Thiel für übergeschnappt.

Anzeige

Facebook bildet Gegengewicht zu Google

Am Mittwoch wurde auf der gerade laufenden Entwicklertagung in San Francisco bekannt, dass Facebook knapp vor der 500 Millionen Nutzer Grenze steht. Mittlerweile wird Facebook länger und häufiger als die Suchmaschine Google genutzt. Wieviel das größte soziale Netzwerk der Welt tatsächlich wert ist, manche sprechen gar von 20 Milliarden Dollar, kann nur ein Börsengang entscheiden.

Eins ist klar: Es sind auf jeden Fall mehr als vier Milliarden Dollar. Hätten Thiel und Zuckerberg Yahoos Werben nachgegeben, gäbe es Facebook in dieser Form heute nicht. Die ganze Internet-Szene im Silicon Valley hätte sich anders entwickelt, zumal Facebook sich mehr und mehr als Gegengewicht zum mächtigen Google-Konzern etabliert.

Ob Möchtegern-Käufer Yahoo etwas aus Facebook gemacht hätte, ist fraglich. Yahoo war damals schon mehr mit sich selbst beschäftigt, seine Bilanz beim Integrieren von Aufkäufen ist durchwachsen. Gerade erst verscherbelte Yahoo-Chefin Carol Bartz den im September 2007 für 350 Millionen Dollar gekauften Email-Spezialisten Zimbra an die Softwarefirma VM Ware – mit einem erheblichen Verlust.

Foursquare am Scheideweg

Wie Thiel und Zuckerberg stehen nun Dennis Crowley und Naveen Selvadurai am Scheideweg. Die beiden haben Foursquare gegründet, das derzeit heißeste Startup im noch jungen Markt für ortsbezogene Dienste.

Über eine dreiviertel Million Leute melden regelmässig via Mobiltelefon auf dem Dienst, wo sie sich gerade befinden, sie „checken ein.“ Foursquare hat gerade sein einjähriges Jubiläum gefeiert. Und nun sollen das Duo und seine Geldgeber ein Angebot von Yahoo zur Übernahme auf dem Tisch haben – angeblich zwischen 100 und 125 Millionen Dollar. Nicht so viel wie damals bei Facebook.

Doch im Gegensatz zu dem sozialen Netzwerk ist das in New York angesiedelte Startup jünger und ist von der Ausrichtung her noch eindimensional. Derzeit ist Foursquare eher ein spielerischer zusätzlicher Internet-Dienst, bei dem es darum geht, seinen Aufenthaltsort zu dokumentieren.

Die Yahoo-Offerte sickerte schnell durch. Und das war auch so gewollt. Denn die Alternative ist, eigenständig zu bleiben und mehr Wagniskapital einzusammeln. An Interessenten mangelt es nicht. Doch nicht alle sind bereit, zu pokern.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%