Internet: Google: Schrecklich netter Cyberschnüffler

Internet: Google: Schrecklich netter Cyberschnüffler

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Google-Lenker: Gründer Sergey Brin (links) und Larry Page (rechts) mit Vorstandschef Eric Schmidt

Exzessiver als jedes andere Unternehmen im Web speichert Google die Daten seiner Nutzer. Längst verbergen sich die Cyberschnüffler der weltgrößten Suchmaschine auch an Stellen im Netz, wo sie keiner vermutet.

Der knallharte Bannstrahl aus der Chefetage passte so gar nicht zum einschmeichelnden Image, mit dem der kalifornische Web-Gigant Google bei der weltweiten Internet-Gemeinde um Vertrauen wirbt. Da stellen sich die Macher der vermutlich weltbesten Internet-Suchmaschine gerne als nette Kerle dar, die – geleitet vom Firmenmotto „Tue nichts Böses“ – immer neue, attraktive Angebote fürs weltweite Netz austüfteln. Gepflegt wird auch die Legende, nach der sich die Gründer Larry Page und Sergey Brin bei der Farbgebung des Firmenlogos von bunten Lego-Steinen inspirieren ließen.

Und dann das: Als das kalifornische Internet-Nachrichtenportal News.com im Sommer 2005 persönliche Daten von Google-Vorstandschef Eric Schmidt ins Netz stellte, verhängte der Web-Riese kurzerhand einen Auskunftsboykott über den Online-Dienst. „Nach dem Erscheinen des Berichts“, erinnert sich der damalige News.com-Chefredakteur Jai Singh, „rief ein Google-Sprecher an und erklärte, dass ein Jahr lang kein Google-Mitarbeiter unsere Anfragen beantworten werde.“ Google-Chef Schmidt war offenbar tief beleidigt.

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Ausgerechnet Schmidt, dessen Unternehmen intensiver Daten über seine Nutzer sammelt als jedes andere im Web. Dabei hatte News.com-Reporterin Elinor Mills alle Details in nur 30 Minuten im Internet gefunden – und die besten Dienste bei der Recherche leistete dabei Googles Suchmaschine. Sie spuckte unter anderem Angaben über Schmidts Privatvermögen aus (geschätzte 1,5 Milliarden Dollar), fand heraus, dass er mit dem Verkauf von Google-Aktien 90 Millionen Dollar erlöst hatte, und dass bei einem Spenden-Dinner in Schmidts Villa 3,25 Millionen Dollar für den damaligen demokratischen Präsidentschaftskandidaten Al Gore zusammengekommen waren. Nach beißendem Spott aus der Internet-Community hob Google den Bann nach zwei Monaten wieder auf.

Google merkt sich alles

Gut möglich, dass eine heutige Recherche noch mehr Details aus Schmidts Privatleben ans Licht befördern würde. Warum auch sollte es ihm besser ergehen als seinen Kunden, die sich mit ihren Daten immer häufiger im engmaschig geknüpften Netz der weltgrößten Suchmaschine verfangen – ob sie nun wollen oder nicht. Gerald Reischl, Autor des jüngst erschienenen Buchs „Die Google-Falle“, sieht die Entwicklung mit Sorge. „Längst hat Google rund um die Suche ein Netz von Web-Diensten geflochten, bei deren Gebrauch die Nutzer Abermillionen von Daten auf Googles Servern hinterlassen“, moniert er.

Ob beim Bezahlen mit Checkout, Googles Online-Geldbörse, oder bei der Google-Suche vom Handy, ob bei der Textverarbeitung mit Google Docs oder beim Verwalten von Terminen in Googles Online-Kalender – immer protokolliert der Internet-Konzern mit, was seine Nutzer im digitalen Google-Imperium gerade treiben. Unter anderem erfassen die Kalifornier Datum und Uhrzeit des Zugriffs, die IP-Adresse – quasi die Internet-Hausnummer – des PCs von dem die Abfrage stammt und die vom Nutzer gesuchten Begriffe. Ob jemand Details zu einer seltenen Krankheit recherchiert, von der er womöglich nicht einmal dem Ehepartner erzählt hat, oder bloß den nächstgelegenen Glaser sucht – Google merkt sich alles).

Zwar versichert der Konzern, sorgsam mit den Informationen umzugehen und sie keinesfalls zu missbrauchen. Doch eine unabhängige Kontrollstelle gibt es bis heute nicht. Und so warnt beispielsweise der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix davor, sich allzu blauäugig auf die Redlichkeit von Googles „völlig unverbindlichen“ Zusagen zu verlassen. Er misstraut der Sammelwut der Kalifornier: „Die wissen, wenn sie wollen, über jeden ihrer Nutzer genau Bescheid.“

Der Dauerkrake kan man kaum entkommen

Schon die allgemein zugänglichen Informationen erlauben tiefe Einblicke in die Privatsphäre von jedermann. Unternehmer, Manager, Fernsehstars und andere  Berühmtheiten fürchten seither um ihre Sicherheit und die ihrer Familien. Als die WirtschaftsWoche vor Jahresfrist aufdeckte, wie spielend leicht sich die Villen und Grundstücke von Prominenten wie TV-Moderator Günter Jauch, Designer Wolfgang Joop oder Microsoft-Gründer Bill Gates mithilfe von Googles Suchmaschine und des digitalen Globusses Google Earth ausspionieren lassen, bemühten einige ihre Anwälte – um gegen die WirtschaftsWoche, nicht gegen Google vorzugehen.

Was Prominente und Datenschützer gleichermaßen in Rage bringt, ist, wie ungeniert die kalifornischen Bildersammler per Satellitenfoto und Straßenaufnahmen in Gärten und Häuser spähen. Selbst wer Google-Dienste bewusst meidet, um der Sammelwut zu entgehen, kann der Datenkrake kaum noch entkommen. Immer mehr Web-Anbieter erfassen die Besucher auf ihren Seiten mit der Google-Software Analytics und lassen die Daten von Google auswerten. Nach einer im Frühjahr veröffentlichten Untersuchung des Internet-Beratungsunternehmens Ontraxx.net gleichen mehr als 80 Prozent der wichtigsten 300 000 internationalen und deutschsprachigen Web-Seiten ihre Daten mit Google ab. Auf rund einer Viertelmillion Seiten dokumentiert Google Analytics das Kommen und Gehen der Online-Kundschaft.

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