Internet: Googles neuester Coup: Chrome - blitzender Browser-Star

Internet: Googles neuester Coup: Chrome - blitzender Browser-Star

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Mit Chrome ist Google ein großer Wurf gelungen

Der Überraschungs-Coup ist gelungen. Googles neue Browser Chrome verspricht, ein Hit zu werden. Schon mehr als eine Million Mal ist die Software seit ihrer Veröffentlichung gestern Abend von den Servern des Konzern herunter geladen worden. wiwo.de hat den Neuling einem kurzen Praxistest unterzogen.

Gleich vorneweg: Googles neuer Browser Chrome soll wohl vor allem Microsoft das Fürchten lehren. Doch vor der neuen Browser-Software, die Google überraschend gestern Abend - wie üblich - als Beta-Version der Internet-Gemeinde präsentiert hat, brauchen Bill Gates und seine Truppe noch nicht zu zittern. Noch nicht. Vielleicht waren sich die Programmierer an Googles Stammsitz im kalifornischen Mountain View, über die sämtliche Assoziationen, die der Name des neuen Programms wecken kann, durchaus bewusst: Schließlich weiß jeder, dass die Chromteile am Auto in der Regel viel Pflege benötigen. So ist das beim Neuling in der Google-Familie auch.

Chrome wartet mit drei wesentlichen Neuerungen auf:

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die äußerst schlichte Bedienungsoberfläche, die allerdings gewöhnungsbedürftig ist, ein einziges Eingabefeld, die so genannte Omnibox, für Suchanfragen wie für die Eingabe von Internet-Adressen und die Unter-Prozesse (Tabs) laufen als separate Prozesse ab (bei Fehlern stürzt nicht gleich der gesamte Browser ab, sondern nur das Tab)

Rasend schnell

Schon die Installation der Software nach dem Download verläuft rasend schnell. Schließlich werden auch nur 475 Kilobyte auf die Festplatte des eigenen Computers geschaufelt. Wer sich dagegen schon an Microsofts neuen Internet Explorer 8 Beta 2 heranwagen will, muss eine Datenmenge von 16 Megabyte herunterladen und danach den Rechner neu starten.

Schlicht kommt Chrome daher. Alles ist in Weiß und Hellblau gehalten. Der Browser kann auch vom "Gelegenheitssurfer" intuitiv bedient werden. Nur wenige Schaltflächen verzieren die Menüleiste. Wer mehr möchte, muss klicken: Dann fährt Chrome weitere Menüs heraus, etwa das "Optionen-Menü" hinter dem Schraubenschlüssel-Logo. Dort können wichtige Browser-Einstellungen vorgenommen werden.

Das Herzstück des Google-Neulings aber sind die Tabs, die eigenständigen Fenster. Sie geben die Webseite wieder, die der Nutzer oben in die "Omnibox" eingegeben hat. Dass dieses "Alleskönner"-Eingabefeld ast unmittelbar am oberen Bildschirmrand angeordnet ist und nicht - wie bei anderen Browsern - erst nach mehreren Symbolleisten auftaucht, spiegelt die Gewohnheiten eines typischen Internet-Nutzers wider. Dieser kann die Tabs beliebig hin- und herschieben oder auch in einem eigenen Browserrahmen herauslösen. 

Ganz gleich, ob man eine Webseite oder nach der Adresse einer Bankfiliale sucht: Einfach den Begriff in die Omnibox eingeben und Chrome schlägt die passende Webseite vor. Ein wenig erinnert das an Firefox, doch Googles Chrome kann noch mehr. Steuert der Nutzer eine gefährliche Webseite an, warnt ihn die Software dazu. Google dafür eine Schwarze Liste von Webseiten auf den eigenen Servern abgelegt, mit der die Suchanfragen eines jeden Nutzers abgeglichen werden.

Wer schnell im Web unterwegs sein will, dürfte an Chrome künftig kaum vorbei kommen. Denn in Sachen Geschwindigkeit ist dem Konzern aus Mountain View in der Tat der große Wurf gelungen: 100 Mal schneller als die Konkurrenz soll Chrome sein, hat der Branchendienst Cnet nachgemessen. Dabei spielt es auch keine Rolle, wie viele Tabs der Nutzer geöffnet hat. Und wenn eine Webseite einmal hakt, ist nicht gleich der Neustart des gesamten Browsers notwendig. Den für jede Webseite - also jeden Tab - verwendet Chrome einen eigenen Prozess. Tritt ein Fehler auf, schließt man einfach den Tab und öffnet einen neuen.

Zweifelhafte Datensicherheit

Auch zum Thema Datensicherheit will Google mit dem neuen Browser einen Beitrag leisten. Im Inkognito-Modus werden keine Daten auf dem eigenen Computer aufgezeichnet, also beispielsweise Cookies (welche etwa die Einstellungen des Nutzers abspeichern), temporäre Dateien und die Liste der zuletzt besuchten Webseiten. So etwas gibt es schon bei Apples Safari, und auch Microsoft will beim Internet Explorer 8 eine solche Möglichkeit schaffen.

Dennoch: „Aus Datenschutzsicht kann man Chrome zurzeit nicht empfehlen“, sagte Christian Krause vom Unabhängigen Landesdatenschutzzentrum Schleswig-Holstein der Deutschen Presse-Agentur heute. Seine Kritik entzündet sich an einer Identifikationsnummer, die das Programm bei der Installation automatisch erstellt. Sie wird zwar laut Unternehmen nur für Aktualisierungen der Software eingesetzt. „Schon beim Start des Computers wird nach Updates gesucht und damit auch die Nummer übermittelt“, monierte Krause jedoch. Damit seien Nutzer für Google theoretisch eindeutig identifizierbar.

Negativ fällt darüber hinaus auf, das Chrome noch nicht über einen eigebauten Nachrichten-Ticker ("RSS-Reader") verfügt. Auch die bei Firefox so beliebten Add-Ons (kleine Programme, die den Browser mit weiteren Funktionen ausstatten) fehlen bislang.

Kampfansage an Microsoft

„Wenn als Resultat von Chrome der Internet Explorer 9 deutlich schneller wäre, würden wir das als Erfolg ansehen“, sagte Google-Gründer Sergey Brin bei der Vorstellung von Chrome in Anspielung auf eine Programmversion von Microsoft, die es noch gar nicht gibt. Google will also den Wettbewerb verschärfen, damit alle Browser schneller und sicherer laufen - und damit auch die eigenen Online-Anwendungen, mit denen man dem Rivalen aus Redmond und seinen kostenpflichtigen „Office“-Produkten einheizt. Daher ist auch nicht verwunderlich, dass Google den Quellcode offenlegt.

So erreicht man so Entwickler, die freiwillig ihre Arbeitskraft einbringen. Und andere Open-Source-Projekte wie Mozilla, das den Firefox-Browser entwickelt, dürfen Funktionen aus Chrome übernehmen und für die Verbreitung der Technologie sorgen. Demnächst müssen sich die Microsoft-Programmierer also vielleicht doch warm anziehen. Kurzfristig dürften vor allem Firefox und Mozilla unter dem neuen Shootingstar unter den Internet-Browsern zu leiden haben.

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