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Internet: IP-Adressen bei zentraler Vergabestelle aufgebraucht

von Peter Zschunke (dpa) Quelle: Handelsblatt Online

Das Internet steht vor gewaltigen Umbauarbeiten. Alle IP-Adressen des bisherigen Standards für den Datenaustausch im Internet sind aufgebraucht. Nun wird das Internet-Protokoll auf eine breitere Basis gestellt - aus IPv4 wird IPv6.

Das bisherige Protokoll konnte nicht einmal alle 6,9 Milliarden Menschen mit einer Netzadresse versorgen. Quelle: dpa
Das bisherige Protokoll konnte nicht einmal alle 6,9 Milliarden Menschen mit einer Netzadresse versorgen. Quelle: dpa

BERLIN/MIAMI. Nach 30 Jahren ist Schluss: Alle IP-Adressen des bisherigen Standards für den Datenaustausch im Internet sind aufgebraucht. Dies teilte die oberste Vergabestelle für diese Kennzahlen, die IANA, am Donnerstag in Miami mit. IP-Adressen werden für jedes Gerät im Internet benötigt.

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Betroffen sind IP-Adressen nach dem bislang zu mehr als 99 Prozent verwendeten Standard IPv4. Die Vergabestelle IANA will nun die Einführung des Nachfolgers IPv6 beschleunigen, der eine nahezu unendlich große Zahl von IP-Adressen ermöglicht.

Die letzten fünf Blöcke von IP-Adressen wurden symbolisch an Vertreter der Vergabestellen in den Kontinenten vergeben. Als letzter nahm der Leiter der europäischen Vergabestelle RIPE, Axel Pawlik, die IP4-Adressen in einem Umschlag entgegen. Damit gehe ein Kapitel der Geschichte zu Ende, erklärte die IANA (Internet Assigned Numbers Authority). Die regionalen Vertreter erklärten, jetzt komme es darauf an, die Umstellung auf den neuen Standard IPv6 zügig umzusetzen.

Der 1981 eingeführte Internet-Standard IPv4 hat nur Platz für 4,3 Milliarden Adressen. Bei der IANA ist dieser Adressraum nun erschöpft. Jetzt wird nur noch der Mangel verwaltet, solange bis die langwierige Umstellung auf einen neuen Standard abgeschlossen ist: Die regionalen Vergabestellen wie die RIPE in Amsterdam können Telekommunikationsanbieter voraussichtlich noch bis Juni mit IPv4-Adressen versorgen, bis diese dann ebenfalls aufgebraucht sind.

Das 1981 eingeführte Internet-Protokoll der Version 4, kurz IPv4 genannt, wird von der neuen Version IPv6 abgelöst. Der verfügbare Adressraum von bislang 4,3 Milliarden eindeutigen IP-Adressen wird damit auf die unvorstellbar hohe Zahl von 340 Sextillionen Adressen erweitert.

Künftig aber sollen nicht nur Computer und Handys im Internet eine IP-Adresse erhalten, sondern auch alle möglichen anderen Geräte wie Stromzähler, Jalousien oder Kühlschränke. Die Branche schwärmt schon vom "Internet der Dinge".

Vorher aber müssen alle Geräte auf den neuen Standard gebracht werden. "Das ist so ähnlich wie bei der Umstellung von vierstelligen auf fünfstellige Postleitzahlen", erklärt Christoph Meinel, der das Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam leitet und Vorsitzender des deutschen IPv6-Rates ist. Automatische Postverteilanlagen müssen wissen, ob sie es mit vier oder mit fünf Stellen zu tun haben. Ebenso müssen die Netzgeräte bis hin zum DSL-Router daheim auf den neuen Standard umgestellt werden. Auch die Betreiber eines Web-Servers und die Internet-Zugangsanbieter müssen ihre Hausaufgaben machen.

"Im Backbone ist das Netz schon vollständig umgerüstet", sagt Hans-Martin Lichtenthäler bei der Deutschen Telekom mit Blick auf die mächtige Netz- und Leitungstechnik zur Verbindung der zahllosen Internetgeräte. Deren Netz nutzt eine als Dual Stack bezeichnete Technik, die es den Netzgeräten ermöglicht, sowohl IPv4 als auch das neue IPv6 zu verstehen. "Auf diese Weise ist das Netz bilingual geworden", versteht also beide "Sprachen".

Herrin aller IP-Adressen ist die Internet Assigned Numbers Authority (IANA). Sie verteilt sie mit Hilfe der Number Resource Organization (NRO) in Blöcken an fünf regionale Verwaltungsstellen wie die für Europa zuständige RIPE in Amsterdam. Von dort werden sie auf Antrag an die Telekommunikationsunternehmen weitergegeben.

"Wir haben noch einige freie Adressen, mit denen wir Kunden bedienen können", heißt es bei der Deutschen Telekom. Außerdem nutzen die Internet-Zugangsanbieter die Möglichkeiten einer "dynamischen Adressenverwaltung" - nach Beendigung einer Online-Sitzung wird die gerade noch verwendete Adresse einem neuen Nutzer zugeteilt. Ab Herbst will die Deutsche Telekom zunächst bei Geschäftskunden damit beginnen, die neuen IPv6-Adressen zu verteilen, ab Ende des Jahres beginnt dann auch bei den Privatkunden die neue Ära.

Meinel erwartet, dass bis Juni oder Juli auch die noch auf den unteren Vergabe-Ebenen verfügbaren IPv4-Adressen aufgebraucht sein werden. "Wer dann keine Adresse hat und eine haben will, kann keine mehr kriegen. Da hilft kein Jammern, da hilft nur ein Umstieg auf IPv6." Zeit genug gab es dafür - der neue Standard wurde bereits Ende 1995 auf den Weg gebracht.

Viele Telekommunikationsfirmen hätten ihre Hausaufgaben noch nicht vollständig erledigt, kritisiert der Potsdamer Informatiker. Nach der Umstellung der Geräte muss der Datenverkehr mit dem neuen Standard noch aufwendig getestet werden. "Diese Arbeiten kosten viel Geld, aber noch gibt es kein Geschäft damit zu machen." Bei den Betriebssystemen sieht es besser aus - die aktuellen Windows-, Mac- und Linux-Systeme können alle mit IPv6 umgehen.

Dass bis zum Abschluss der Umstellung noch viel zu tun ist, sieht Frank Orlowski, wenn er beim DE-CIX in Frankfurt am Main auf den Bildschirm mit dem aktuellen Datenaufkommen schaut: Der weltweit größte Internet-Knoten schleust ein Gigabit pro Sekunde an IPv6-Daten durch, beim IPv4-Verkehr aber sind es 1400 Gigabit. Orlowski sagt: "Da ist noch Raum für Wachstum."

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