Internet: Scheindebatte ums Leistungsschutzrecht

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KommentarInternet: Scheindebatte ums Leistungsschutzrecht

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Journalistische Anbieter im Netz und Suchmaschinen-Anbieter sind sich derzeit uneins. In der Debatte um das neue Leistungsschutzrecht läuft Google Sturm, Verlage hingegen fordern noch strengere Richtlinien

von Max Haerder

Das geplante Leistungsschutzrecht mutiert zu einer „Lex Google“. In der Debatte ums Geldverdienen im Netz entsteht der Eindruck, Suchmaschinen seien der natürliche Feind des Journalismus. Derzeit ist das Gegenteil der Fall. Die Medien sind an ihrer Hungerlage selbst schuld.

Zu Beginn ein paar Fragen: Haben Online-Medien ein Interesse daran, dass Internet-Nutzer ihre Artikel per Suchmaschine finden oder nicht? Ja, sie haben. Ein nicht unwesentlicher Teil ihrer Leser steuert nicht direkt auf die Seiten, sondern wird von Google & Co. dorthin geleitet. Wer bei Google News (und anderen) das Wort „Leistungsschutzrecht“ eintippt, weil er sich dafür interessiert, wird hoffentlich auch diesen Text hier finden.

Könnten Verlage verhindern, dass ihre Artikel, Analysen, Reportagen, Kommentare über den Suchmaschinenweg gefunden werden? Ja, sie könnten. Es tut aber keiner. Und warum nicht? Ganz einfach, weil sie davon profitieren: von größerer Reichweite, mehr Lesern, Aufmerksamkeit und – zumindest grundsätzlich – höheren Werbeeinnahmen. SEO – search engine optimization ist nicht ohne Grund zur Kernkompetenz von Redaktionen geworden.

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Google der Schmarotzer

Man könnte also meinen, Verlage, Medienhäuser, allgemein: journalistische Anbieter im Netz und Suchmaschinen seien ideale Partner in der digitalen Welt. Wer die Debatte um den Entwurf des neuen Leistungsschutzrechts der Bundesregierung verfolgt, dem drängt sich jedoch genau der gegenteilige Eindruck auf. Google läuft dagegen Sturm und will einen Runden Tisch, bitte gleich im Kanzleramt. Großverlagen wie Axel Springer und den Verlags-Verbänden ist er hingegen viel zu lasch, weil nun nur noch Suchmaschinen für die Nutzung von Textanreißern bezahlen sollen (und nicht mehr, wie in einem ersten Entwurf, auch Unternehmen oder Profi-Blogger).

Schließlich, so das Argument der Leistungsschutzrechtler, bauten Suchmaschinen ihr Geschäftsmodell (Nachrichten nach Schlagwörtern übersichtlich zu ordnen) ausschließlich mit den Steinen anderer (den journalistischen Texten). Weil aber die Produktion dieser Inhalte Zeit und Geld koste, müsse diese Leistung der Verlage geschützt und honoriert werden. Kurzum: Google, der Schmarotzer.

Das klingt einleuchtend, ist aber trotzdem nur die halbe Wahrheit. Guter Journalismus kostet selbstverständlich Geld. Aber die Frage darf erlaubt sein, ob Google und andere Suchmaschinen dafür bezahlen sollen - und noch dazu nur sie -, dass sie zusätzliche Leser auf andere Seiten schaufeln.

In der guten alten Medienwelt, von der diejenigen schwärmen, die sie noch erlebt haben, kamen die Erlöse aus zwei Quellen: Käufer zahlten am Kiosk und Anzeigenkunden zahlten für ihre Präsenz in den Blättern. Der Journalist als Anzeigenumfeldgestalter, so üppig floss die Kohle einst.

Diese schöne Welt existiert hier und da noch fort, ihre Farbe blättert aber ziemlich. In der Netzwelt bieten die allermeisten Medien dieselben Texte umsonst an, für die sie gedruckt noch immer Geld verlangen. So lange es noch genug Menschen gibt, die glauben, dass sich das Internet nicht durchsetzt und folglich keinen Computer benutzen, mag das funktionieren.

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Fehlendes Geschäftsmodell

Aus zwei Quellen (Vertrieb und Werbung) wurde online eine (Werbung). Und die sprudelt auch noch schwächer. Der Kampf für ein Leistungsschutzrecht ist deshalb nicht zuletzt eine Symptom- und Stellvertreterdebatte, angezettelt von einer verunsicherten Medienbranche. Per Suchmaschineabgabe soll nun endlich wieder Geld wie früher fließen. Dabei fehlt eigentlich ein eigenes Geschäftsmodell, das sich nicht nur auf Werbeerlöse qua Reichweite, sondern zusätzlich auf selbst erwirtschaftete Vertriebserlöse gründet. Doch genau dies haben Verlage selbst in den Gründerjahren des Netzes verpasst.

Würden kostenpflichtige Texte trotz Bezahlschranken (oder anderen Pay-Modellen) irgendwie und anderswo für lau unters Volk gebracht, und Google hülfe bei der Suche, man würde die Klagen verstehen. Aber die Medienhäuser bringen ihre Ware selbst gratis unters Volk. Sorge tragen, dass dafür bitte bezahlt wird, sollen nun die Vermittler.

Da ist was faul.

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