Internet: Telekom-Drosselung gilt auch für Tarifwechsler

Internet: Telekom-Drosselung gilt auch für Tarifwechsler

Die Meldungen rund um das Thema Geschwindigkeitsbegrenzung im Internet reißen nicht ab. 1&1 will ebenfalls eine Drosselung einführen. Die Nutzer sind auf der Suche nach Alternativen.

Die geplante Geschwindigkeitsdrosselung bei Internet-Tarifen der Telekom trifft laut einem „Focus“-Bericht auch Kunden, die ihren Tarif lediglich wechseln wollen. Alle bisherigen Festnetz-Kunden, die künftig einen entsprechenden Flatrate-Tarif hinzubuchen, würden „als Neukunden behandelt“, habe die Telekom dem Magazin bestätigt. Selbst wer innerhalb bestimmter DSL-Tarife des Marktführers wechsle, unterliege dann dem monatlichen Gesamtlimit für den Datenverkehr. Die Methode Bestandskunden bei Tarifwechsel als Neukunden zu behandeln, ist bei der Telekom nicht neu. Immer wieder haben sich Kunden nach einem Umzug beschwert, die „einmalige“ Anmeldegebühr nach einem Umzug erneut zahlen zu müssen.

Mit dieser Entscheidung sind deutlich mehr Kunden betroffen, als bisher gedacht. Zunächst hatte die Telekom lediglich mitgeteilt, dass Neukunden, die seit dem 2. Mai einen Vertrag abgeschlossen haben, mit einer Volumenbegrenzung rechnen müssten - die allerdings erst ab 2016 greifen soll. Bei der Online-Buchung eines entsprechenden Pakets lässt sich auf der Telekom-Internetseite der Hinweis anklicken: „Ab einem übertragenen Datenvolumen von 75 GB kann die Übertragungsgeschwindigkeit des Internet-Zugangs auf 384 KBit/s begrenzt werden.“ Gemeint sind damit 75 Gigabyte im Monat. Nach Angaben der Telekom kommt ein Kunde heute im Schnitt auf 15 bis 20 Gigabyte pro Monat.

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Der Internetprovider 1&1 hat eine ganz ähnliche Regelung schon länger im Angebot. Hier sind allerdings 100 Gigabyte im Monat frei. Ob extra Pakete für mehr Kapazität gekauft werden können, geht aus dem Angebot nicht hervor. Bei der Telekom soll das möglich sein. In welcher Form ist bisher noch nicht klar.

Telekommunikation in Deutschland 2012

  • Anschlüsse

    Ende 2012 waren insgesamt rund 28 Mio. Breitbandanschlüsse in Betrieb (2011: 27,3 Mio.). Mit 23,3 Mio. Anschlüssen und einem Anteil von 83 Prozent ist DSL weiterhin die dominierende Anschlusstechnologie. Die Zahl der Anschlüsse ist allerdings erstmals seit Einführung der Technologie rückläufig. Im Jahr 2011 wurden noch 23,5 Mio. DSL-Anschlüsse vermarktet.  

    Quelle: Bundesnetzagentur

  • Kabelnetze

    Ausgeglichen wurde diese Entwicklung durch die Zugewinne in den Kabelnetzen. Zum Jahresende nutzten rund 4,4 Mio. Kunden Breitbandanschlüsse der Kabelnetzbetreiber, das ist eine Steigerung um 800.000. Auf die restlichen Technologien entfielen rund 0,3 Mio. Anschlüsse. Reine Glasfaseranschlüsse haben bisher kaum Verbreitung gefunden.  

  • Steigender Verkehr

    Die über Breitbandanschlüsse abgewickelte Verkehrsmenge steigt stetig an. Nach Schätzungen der Bundesnetzagentur erhöhte sich die Verkehrsmenge bis Ende 2012 auf insgesamt 4,3 Mrd. GB. Vor allem datenintensive Anwendungen wie z. B. Videoabrufe führen zu steigenden Verkehrsmengen.  

  • Mobiles Breitband

    Auch das mobile Breitband befindet sich weiter im Aufwind. Der wachsende Datenverkehr ist für die Leistungsfähigkeit der Mobilfunknetze allerdings eine Herausforderung. 2012 wurden rund 140 Mio. GB übertragen. Das Datenvolumen hat sich damit noch einmal deutlich erhöht. Die stark wachsende Nachfrage nach mobilem Breitband führt auch zu einem weiter steigenden Frequenzbedarf.

Es scheint jedoch eindeutig, dass nicht nur die Telekom das unendliche, kostenlose Surfen im Internet einschränken wird. Die Anbieter haben ein starkes Interesse daran, den Netzausbau voranzutreiben. Sie haben ihn auch immer mitfinanziert. Doch scheint bei den aktuellen Entwicklungen klar zu sein, dass die finanziellen Kapazitäten der Provider nicht mehr ausreichen, beziehungsweise die Unternehmen nicht mehr bereit sind, Vielnutzern das Flatrate-Surfen auf den von ihnen finanzierten Datenautobahnen zu ermöglichen.

Die User werden sich künftig also zügeln müssen. Das Echtzeitstreaming des Fernsehprogramms wird schwierig. Alternativ werden sicher viele auf normales Broadcasting und einen DVB-T-Stick zurückgreifen, der das Surfen über den digitalen, terrestrischen TV-Zugang ermöglicht.

Ansonsten werden sicher viele User für den Heim-PC auf Internet via Kabelanschluss zurückgreifen. Die Anbieter Kabel Deutschland, Unity Media und andere sind hier eine Alternative. Bei ihnen ist die Internetflatrate weder auf Zeit- noch auf Volumen beschränkt.

Klassische Surf-Sticks für das Mobile Internet sind keine Alternative, da sie immer mit einer Volumenbegrenzung versehen und deutlich langsamer sind. Lediglich die LTE-Tarife von Telekom, Vodafone und O2 sind mit 100 MBits/s theoretisch sogar noch schneller als DSL. Das lassen sich die Anbieter allerdings auch mit einem Aufpreis bezahlen. Tragisch wird dass, wenn man bedenkt, dass diese Surfgeschwindigkeit in den meisten anderen Industrieländern Gang und Gebe ist. Außerdem wird auch der mobile Zugang LTE von allen Anbietern gedrosselt.  

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Die Telekom war für den Schritt von verschiedenen Seiten kritisiert worden. Unter anderem hat der Schüler Malte Götz eine Petition aufgesetzt, die inzwischen weit über 150.000 Menschen unterschrieben haben. Dennoch will das Unternehmen weiter an den Plänen festhalten. Hintergrund seien der rasante Anstieg der Datenmengen und die Milliarden-Ausgaben für den Ausbau der Netze. Als Alternative käme nur eine Preiserhöhung infrage, argumentiert die Telekom.

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