Internet: Viva-Gründer Dieter Gorny präsentiert neuen Web-Musiksender

03. Oktober 2008
Viva-Gründer Dieter Gorny Quelle: dpaBild vergrößern
Viva-Gründer Dieter Gorny Quelle: dpa
von Thomas Kuhn und Thomas Stölzel

Der Viva-Gründer und Chef des Bundesverbandes Musikindustrie, Dieter Gorny, spielt Strippenzieher für eine neue Art des Musikfernsehens im Internet.

Haarsträubende Stunts, aufgemotzte Ami-Schlitten und Realityshows mit Paris Hilton – im Programm der Musiksender MTV und Viva findet sich einiges. Doch die Musikvideos, denen beide TV-Kanäle ihre Namen verdanken, sind nur noch selten zu sehen. Was den Sendern heute Quote bringt, ist für die Plattenindustrie ein Problem, hatten Videos doch deren CD-Verkäufe lange erfolgreich angeheizt. Musikvideos von Newcomern im Fernsehen zu platzieren, sei inzwischen aber fast unmöglich, klagte jüngst der Musikkonzern Sony BMG.

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Ausgerechnet der Mann, der vor 15 Jahren mit Viva Deutschlands ersten Musiksender gründete, will den Plattenbossen jetzt aus dieser Misere heraus helfen: Auf der Musikmesse Popkomm in Berlin wird Dieter Gorny am Donnerstag ein interaktives, deutschsprachiges Musikvideo-Fernsehen für das Internet vorstellen. Das bestätigte auf Anfrage der Entwickler des Projekts, der Kölner TV-Dienstleister Televised Revolution (TVRL).

Gorny zieht die Strippen

Obwohl am Vorhaben finanziell nicht beteiligt, zieht Gorny seit Monaten im Hintergrund die Strippen, stellte Kontakte zwischen Plattenfirmen und den Entwicklern des Portals her, berichten Brancheninsider. Dieses soll es dem Zuschauer ermöglichen, sich aus Tausenden von Musikvideos ein individuelles Programm zusammenstellen zu lassen – je nach aktueller Gemütslage, persönlichen Vorlieben oder Empfehlungen anderer Nutzer. Arbeitstitel: Musikfernsehen.tv. Bei den großen Plattenfirmen trifft das Projekt auf großes Interesse: „Das Konzept ist wirklich gut“, heißt es bei Sony BMG in München. Zwar sei bisher noch keine Lizenzvereinbarung unterzeichnet. Dies liege aber vor allem daran, dass man sich über das Finanzielle noch nicht einig sei.

Zwischen TVRL und dem Plattenlabel Warner Music sind nun für Mittwochabend die nächsten Gespräche geplant, heißt es bei Warner Deutschland in Hamburg. Und auch mit EMI Music, Universal Music und den kleineren Labels sprechen die Portalgründer Tobias Trosse und Rainer Schütz. Trosse hofft auf schnelle Abschlüsse am Rande der Popkomm: „Noch in diesem Jahr sollten wir im Web auf Sendung gehen“, sagt er.

Finanzieren soll sich das nur in der Basisversion kostenlose Angebot vor allem aus einer Kombination aus Werbeerlösen und Abogebühren für die Premiumversion. Der Zuschauer soll zudem die Möglichkeit bekommen, Videos, aber auch einzelne Musikstücke der Künstler online zu kaufen. „Wir alle fragen uns, wie würde Musikfernsehen heute aussehen – und zack, da ist es“, sagt Gorny über das Projekt.

Für den Viva-Vater, der seit Ende 2007 auch Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie ist, sind die Televised-Revolution-Gründer Trosse und Schütz alte Bekannte. Er hatte 2002 zusammen mit ihnen beim Viva-Ableger Viva Plus erste interaktive Angebote eingeführt. Unter anderem konnten die Zuschauer damals per SMS die Abfolge der Titel während der Sendung bestimmen. Nach Verkauf von Viva an den US-Medienkonzern Viacom hatten sich die Kölner selbstständig gemacht und mit der Entwicklung der neuen TV-Plattform begonnen. 

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Kommentare | 8Alle Kommentare
  • 04.10.2008, 12:46 UhrHarry Gambler

    Ein paar Alte Herren, die schon mit ihren Sendern früher in die Pleite geschaut haben, versuchen nun erneut ein US-Programm zu covern. Der Junge kann es nun mal nicht, auch wenn er der Präsident aller Fliegen wäre, die sich über die Kuhfladen dieser Welt her machen. im Westen also nichts Neues.

  • 05.10.2008, 07:13 UhrJohannes Wesel

    Mal im Ernst: ich kenne niemanden der heute noch MTV kuckt.
    Deutschland braucht wieder frischen Wind nach der US öde.

  • 05.10.2008, 14:41 UhrPeter Schulte

    man sollte gespannt sein, bisher ist in den letzten jahren wirklich im westen nichts neues passiert. und frischer wind tut letztendlich allen gut. hoffentlich ziehen wirklich alle an einem strang.

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