Internet: Wie Webdienste legal Millionen Musiktitel anbieten

Internet: Wie Webdienste legal Millionen Musiktitel anbieten

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Umsätze mit Musikverkäufen

von Sebastian Matthes

Neue Online-Portale bieten Millionen Musiktitel zum Anhören. Kostenlos und legal. Sind sie das Aus für Raubkopierer?

Andere würden sich wahrscheinlich nachts schlaflos im Bett wälzen. Doch Steffen Wicker und Christoph Lange sitzen ziemlich ausgeschlafen in ihrem Büro auf einem ehemaligen Fabrikgelände im Kölner Szeneviertel Ehrenfeld und arbeiten unbeirrt an ihrem großen Plan: Mit dem Internet-Portal Simfy wollen die beiden Betriebswirte den Musikmarkt aufrollen. Simfy ist eine gigantische virtuelle Jukebox mit drei Millionen Titeln, von neuesten Chart-Alben über Siebzigerjahre-Hits bis zu Beethoven-Sonaten, fast durchweg kostenlos – und vor allem legal.

Der Dienst ist nichts weniger als ein Angriff auf mächtige Gegner wie Apple, Amazon oder den Telekom-Ableger Musicload, die den Internet-Vertrieb von Musik beherrschen: „Bislang“, sagt Wicker, „hat keiner ernsthaft die Frage gestellt, wie das Geschäftsmodell des Musikvertriebs der Zukunft aussieht. Und wofür Kunden wirklich bereit sind, zu zahlen.“

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Die Frage wollen Wicker und Lange, die sich beim Studium in Mannheim kennenlernten, der Branche nun aufzwingen. Und eine mögliche Antwort liefern sie mit ihrem Musikportal gleich mit.

Schon jetzt ist Simfy das größte Angebot seiner Art in Deutschland. Und täglich wächst der Katalog um Zehntausende Titel. Festplattenweise haben die großen Musiklabels den Kölnern Songs und Sinfonien geliefert – in einer Klangqualität, die Normalmenschen in der Regel kaum von CD-Aufnahmen unterscheiden können. Die Stücke werden nun auf die gut gekühlten Großrechner des Startups geladen. Im Spätsommer spätestens soll der Simfy-Katalog rund sechseinhalb Millionen Titel umfassen.

Kern der Strategie ist jedoch die sogenannte Streaming-Technik. Kunden kopieren dabei Musik nicht mehr aus dem Netz auf ihre Rechner, wie etwa die Kundschaft von Apples iTunes Store, dem Marktführer im Online-Musikgeschäft. Sie klicken auf den gewünschten Titel – schon läuft der Track, ähnlich wie es viele vom Videoportal YouTube kennen. Der Rechner spielt die Musik direkt vom Server des Anbieters ab – oft ohne Zeitverzögerung.

Pro Monat sind etwa 700.000 Menschen auf dem Portal von Simfy aktiv und greifen auf die Titelsammlung über das Browserfenster zu, egal, ob im Büro, unterwegs oder zu Hause. Und mittlerweile gewinnt das Unternehmen jeden Tag einige Tausend angemeldete Fans hinzu.

Diesen Andrang will Simfy nun zu Geld machen: Der Radiovermarkter RMS soll schon in den nächsten Wochen Werbespots liefern, die dann zwischen den Titeln eingespielt werden. Damit sieht sich das Kölner Startup sogar traditionellen Radiosendern überlegen. Denn Simfy kennt durch die Anmeldung nicht nur Geschlecht, Alter und Wohnort vieler seiner Hörer, sondern auch ihren Musikgeschmack. „Damit können Werbekunden ihre Zielgruppen direkter ansprechen“, glaubt Simfy-Mitgründer Wicker.

Wer das nicht will, kann für monatlich zehn Euro ein werbefreies Abo buchen und bekommt zugleich die Möglichkeit, die Musik unterwegs über das Handy abzuspielen. Premiumkunden können zudem Titel auf ihren Telefonen zwischenspeichern, um sie etwa im Flugzeug oder im Ausland abspielen zu können. Die Musik auf CDs zu brennen oder auf andere MP3-Spieler zu übertragen lässt Simfy allerdings nicht zu.

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