IT-Sicherheit: Hacker nehmen Wirtschaft ins Visier

KommentarIT-Sicherheit: Hacker nehmen Wirtschaft ins Visier

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Cybergefahren

von Thomas Kuhn

Der Umbruch in Ägypten hat die Diskussion um Cybergefahren auf der Münchener Sicherheitskonferenz in den Hintergrund gedrängt. Dabei verträgt die Suche nach Abwehrstrategien gegen digitale Angriffe keinen Aufschub mehr, mahnt WirtschaftsWoche-Technologieexperte Thomas Kuhn. Das belegen die erfolgreichen Hack-Attacken auf die Technologiebörse Nasdaq am Wochenende und die Emissionsrechtebörse EU ETS vor zwei Wochen.

Keine Frage, es geschieht nicht oft, dass „der Mantel der Geschichte weht“, wie Altkanzler Kohl die Umbruchphase der deutschen Wiedervereinigung einst charakterisierte. Jetzt, angesichts der Zeiten- und Gesellschaftswende in Nordafrika, ist einer dieser raren Momente. Und so gab es – völlig zurecht – auf der jüngsten Münchner Sicherheitskonferenz kein wichtigeres Thema als die Frage, wie der Wandel südlich des Mittelmeers möglichst geordnet verlaufen möge.

Dass dahinter eines der ursprünglich als Schwerpunkt angelegten Hauptthemen der Veranstaltung – die Diskussion um Lösungsansätze im Kampf gegen Cyberangriffe – in München aus dem Fokus geriet, ist nachvollziehbar. Aber mehr als bedenklich. Denn auch wenn vielen die elektronische Bedrohung noch seltsam unfassbar erscheint, sie wird immer mehr zur beherrschenden Gefahr unserer zunehmend vernetzten Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme.

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Vertrauliche Informationsplattform der Nasdaq ausgespäht

Als hätte es dafür noch eines Beleges bedurft, gestanden die Betreiber der US-Technologiebörse Nasdaq am Wochenende vergleichsweise kleinlaut ein, dass Teile ihrer IT-Systeme erfolgreich gehackt worden seien. Ausgerechnet das „Directors Desk“ genannte Informationssystem, über das Unternehmensvorstände und Aufsichtsräte von an der Nasdaq gelisteten Unternehmen vertrauliche Dokumente austauschen können, war Ziel Hacker-Angriffs. Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, da in München die digitalen Bedrohungen diskutiert werden sollten.

Der Angriff auf die Börsensysteme stellt eine ganz neue, noch viel tiefgreifendere Form der digitalen Bedrohung dar, als es die bisher üblichen Attacken auf IT-Systeme, Entwicklungs- und Kundendaten oder Passwort- und Konteninformationen von einzelnen Unternehmen oder Privatleuten bisher war. Denn die Börsen sind die Transmissionsriemen des globalen Wirtschaftslebens. Wer sie stört, wer dort geheime Informationen abgreift oder die Preisbildung beeinflussen kann, greift tiefer ins weltweite Geflecht einer zunehmend digitalisierten globalen Wirtschaft ein, als das jeder Umbruch in Nordafrika könnte.

Elektronische Zertifikate im Wert 28 Millionen Euro gestohlen

So wie es bisher aussieht, blieben die Handelssysteme der Nasdaq vom Angriff unversehrt. Der elektronische Handel zu Wochenbeginn lief ungestört und die digitalen Verbindungen zu den anderen Börsenplätzen waren intakt. Doch Grund zur Entwarnung ist das nicht.

Denn wie real die Bedrohung ist, belegt das Beispiel des Europäischen Emissionshandelssystem EU ETS. Am 19. Januar musste die EU den Handel mit den CO2-Zertifikaten kurzfristig komplett einstellen. Zuvor war es Cyberkriminellen gelungen, mithilfe von gezielt verschickten Spionage-E-Mails zunächst in die ETS-IT-Systeme einzudringen und dann Zertifikate im Wert von mehr als 28 Millionen Euro zu stehlen. Erst Anfang Februar, nahm die Emissionsbörse schrittweise wieder ihren Betrieb auf.

Gemessen an den weltweit elektronisch abgewickelten Handelsvolumina, ist das – noch – ein vergleichsweise minimer Schaden. Für einen Warnschuss aber ist der ETS-Hack teuer genug.

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