Kinect: Die Gestensteuerung erobert Büros

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Kinect: Die Gestensteuerung erobert Büros

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Die Kinect-Technik von Microsoft erkennt Bewegungen. Bislang kommt es vor allem bei Spielen zum Einsatz, nun fördert das Softwareunternehmen Startups, um das System weiterzuentwickeln

von Matthias Hohensee

Ob im Kaufhaus, Architekturbüro oder OP: Microsoft versucht, seine Bewegungssteuerung Kinect abseits der Spielebranche zu etablieren – mithilfe von Startups aus aller Welt.

Computer nur mit Gesten steuern zu können galt lange als Science- Fiction. Heute ist es Alltag – jedenfalls für die Besitzer der Microsoft-Spielekonsole Xbox. Sie können die Figuren mit der Bewegung ihrer Hände durch die virtuellen Welten leiten, Rennwagen lenken oder per Handstreich durch Videotitel blättern. Möglich machen das drei Kameras, die – integriert in eine zollstockgroße Box – Gegenstände und Bewegungen erkennen und zugleich Distanzen messen können.

Kudo Tsunoda – Stoppelbart, lange, wirre Haare – ist einer der Väter der Kinect. Er und sein Team haben die Technologie zusammen mit dem israelischen Startup Primesense entwickelt. Bis heute ist sie eine der wenigen Schöpfungen aus den Forschungslabors von Microsoft, die tatsächlich zum Bestseller aufgestiegen ist: 20 Millionen der 110 Euro teuren Kameras hat der Softwarekonzern seit Marktstart im November 2010 weltweit verkauft. Doch das soll nur der Anfang gewesen sein.

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Hacker werden gefördert

Microsoft will die Bewegungssteuerung in vielen weiteren Feldern zum Standard machen – und letztlich die Computersteuerung selbst wesentlich vereinfachen.

Die Technik soll Chirurgen während der Operation unterstützen, den Körper von Kunden im Kaufhaus vermessen und Innenarchitekten die Arbeit erleichtern. Das aber will Microsoft nicht allein erreichen: „Oft kommen die besten Ideen von außen“, sagt Kinect-Erfinder Tsunoda. Der Konzern sucht daher nach Menschen, die das Kinect-System zweckentfremden.

Einer davon ist der Informatiker Nicolas Burrus. „Ich wusste, dass in der Kinect mehr steckt“, sagt der Franzose, der seine Erfahrungen in dem Buch „Hacking the Kinect“ veröffentlicht hat. Mit seinem Studienfreund Nicolas Tisserand gründete er das Startup Manctl, das die Kinect als portablen 3-D-Scanner einsetzt.

Anfangs waren solche Ideen ein Schock für Microsoft. Denn die Hacker machten sich dran, ein Produkt aufzubohren, das den Konzern Hunderte Millionen Dollar Forschungsgelder gekostet hatte. „Doch uns wurde schnell klar, dass wir die Technik nicht abschirmen können“, sagt Craig Eisler, Manager der Kinect-Sparte.

Mehr noch: Die Verantwortlichen begriffen die Kinect-Hacks als Chance, das System weiterzuentwickeln. Und so entschieden Eisler und seine Kollegen, die Hacker nicht zu bekämpfen – sondern zu fördern. Seit Februar verkauft Microsoft eine Version der 3-D-Kamera für Windows, speziell für Entwickler. Das Gerät lässt sich noch einfacher in selbst entwickelte Software integrieren. Zugleich unterstützt der Konzern kleine Unternehmen, die sich neue Anwendungsmöglichkeiten für die Technik ausdenken. Damit setzt Microsoft radikal auf einen offenen Innovationsprozess: Denn die Ideen von außen sollen auch die interne Innovationskraft beflügeln.

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